Olga Kuleshova und Team Mediending Münster: Aktion Mein Stadtteil

Barcamp-TeilnehmendeDas Team vom Mediending Münster – verantwortlich für die medienkulturelle Bildung im Bennohaus Münster – stellte auf Camp Nimm! das Projekt “Aktion – Mein Stadtteil” vor, dass das Bennohaus Münster bereits seit Herbst 2016 und bis zum Herbst 2019 durchführt. Das Projekt hat das Ziel, Brücken zu schlagen zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und integrationskritischen Menschen der Aufnahmegesellschaft. Dabei spielen auch Medien eine wichtige Rolle.
Durch zahlreiche Aktionen – z. B. Filmproduktionen, Bloggen, Erkundung der näheren Umwelt, Darstellung der eigenen Lebensgeschichte… will das Mediending-Münster-Team nicht nur Medienkompetenz fördern, sondern auch das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein der Teilnehmenden stärken und interkulturelles Verständnis und Toleranz erreichen. Zunächst wurden die verschiedenen Projektaktionen vorgestellt:

  • Aktionen für die Projekt-Zielgruppen

Zum Beispiel werden interkulturelle Stadtteilfeste oder Halloween-Partys geplant und durchgeführt. Wichtig ist, dass diese möglichst wenig religiös geprägt sind bzw. als solche wahrgenommen werden.

  • Sommercamps

In Workshops bearbeiten die 12 – 15jährigen Teilnehmenden Themen wie Religions- und Meinungsfreiheit, Vorurteile und Identitätsfindung, Diversity und Toleranz. Jedes Thema wird medial aufbereitet, indem die Jugendlichen mit verschiedenen Medien arbeiten und eigene Medienprodukte erstellen.

  • Aktionstage „Ich bin stark“

Die Aktionstage sind geschlechtsspezifisch ausgerichtet und richten sich an Mädchen und an Jungen aus Zuwandererfamilien. Themen wie Identität, Rollenbilder, Persönlichkeitsstärkung und Selbstverteidigung stehen dabei auf der Agenda.

  • Interkulturelle Trainings

Ein zweimal jährlich angebotenes, interkulturelles Training unterstützt alle Bürgerinnen und Bürger, sich auf Kommunikationsunterschiede vorzubereiten, Vorurteile ab- und interkulturelle Kompetenz aufzubauen. Im Training soll es um einen bewussten, kritischen Umgang mit Stereotypen, Akzeptanz für andere Kulturen und Überwindung von Ethnozentrismus gehen. Wo fängt z. B. Diskriminierung in der Sprache an? In Videoproduktionen können Geflüchtete z. B. ihre Geschichte erzählen, weitere Videos zum Abbau von Vorurteilen sind geplant. Das Ziel sind 20 Videobeiträge, die auf Plattform und Blog veröffentlicht werden. Als Beispiel wurde das Filmprojekt „So tickt Deutschland“ genannt, an dem sich Schülerinnen und Schüler eines Berufskollegs und eines Sprachkurses beteiligt haben.

  • Runder Tisch

Regelmäßig finden Vernetzungsveranstaltungen statt, z. B. mit Akteuren der Münsteraner Flüchtlingsarbeit wie z. B. Arche Noah. Auch Akteure aus dem nicht-sozialpädagogischen Bereich sollen dabei einbezogen werden. Geplant ist ein Netzwerksymposium, evtl. wird dieses auch als Barcamp durchgeführt.

Einen ausführlichen Projektbericht von Olga Kuleshova über das 3jährige Projekt “Aktion – Mein Stadtteil” findet man auch auf dem Blog inklusive-medienarbeit.de

Vor allem zwei Fragen wurden diskutiert:

  • Wie erreicht man junge Geflüchtete? Festgestellt wurde, dass es nicht reicht, das Projekt bzw. die einzelnen Projektangebote über die üblichen PR-Kanäle zu streuen bzw. sich auf das Verbreiten über Multiplikatoren zu verlassen. Sehr wichtig sei das persönliche Herantreten an die Jugendlichen. Die Jugendlichen müssen sehen, wer mit ihnen arbeiten möchte! Im Idealfall müsse man sogar einplanen, die Jugendliche mit Fluchtgeschichte abzuholen, denn die Barrieren sind für Geflüchtete teils höher als man denkt! Das bedeutet also für die Projektakteuere: Persönlich hingehen, die Teilnehmenden abholen, betonen, dass es kostenlos ist etc. – dies sei wichtig, damit die Eltern ihre Kinder in einem noch fremden Land überhaupt gehen lassen. Was es außerdem schwierig macht: Die Kinder haben oft keine Zeit für solche Projekte, da sie Aufgaben, z. B. Einkaufen, Dolmetschdienste etc., für die Familie übernehmen müssen, da sie oft bereits besser deutsch sprechen als die Eltern. Verwiesen wurde auf das Dortmunder Projekt “angekommen in deiner Stadt”.
  • Wie stellt man den Kontakt zu integrationskritischen Menschen her? Empfohlen wird, genau hinzuhören bei den Kindern und Jugendlichen, mit denen man sonst arbeitet, denn Kinder geben oft wieder, was sie in der Familie hören. Oder man wertet Beschwerden aus, die Integrationshelfer bekommen. Ein weiterer guter Bereich, um mit tendenziell kritischen Menschen in Kontakt zu kommen, sind z. B. Sporttuniere oder vergleichbare Veranstaltungen, die ein breites Spektrum der Öffentlichkeit erreichen.

Hingewiesen wird auf Computerspiele wie Papers Please und This war of mine. Diese ermöglichen eine Annäherung an das Thema Flucht und ein ansatzweises Hineinversetzen in die Situation von Geflüchteten und können ggf. auch eine Brücke darstellen.

Hinterlasse eine Antwort