“Therapiefreie Zone“ – Das inklusive Freizeitzentrum Jugendhaus Sürth

Teilnehmer/innen einer Ferienaktion des Jugendhauses Sürth in weißen Shirts reißen jubelnd die Arme in die Höhe und werfen dabei lilafarbenes Pulver in die LuftWas heißt eigentlich Inklusion? Und welche Rolle können Medien spielen, unterschiedlichste Altersgruppen, Jugendkulturen, Gesellschafts- und Bildungsschichten, Nationalitäten, Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen? Wir stellen in dieser Serie Einrichtungen aus NRW vor, die sich bereits auf dem Weg gemacht haben und beispielhaft Angebote für alle gestalten. Nach dem Cafe Leichtsinn aus Bergisch-Gladbach, dem HiP, einem Kinder- und Jugendzentrum im Bonner Stadtteil Neu-Villich, der Inklusiven OT Ohmstraße in Köln und Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen Bonn e. V. geht es heute um das Jugendhaus Sürth, einem inklusiven Jugendzentrum in Köln. Das Jugendhaus Sürth ist diesjähriger Preisträger des Initiativenpreis des Paritätischen. Der Initiativenpreis steht 2013 unter dem Motto „Inklusion – Geht doch!“, gewürdigt wird herausragendes Engagement für Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit. „Prämiert werden Beispiele aus der Praxis, in denen:

  • Inklusion mehr ist als Barrierefreiheit
  • Inklusion immer schon gelebt wird
  • Dialoge zwischen Jugend- und Behindertenhilfe geführt werden
  • Außergewöhnlichkeit normal ist.“ [Quelle: Webseite]

Voraussetzungen, die das Jugendhaus Sürth zweifellos erfüllt – schließlich kann das Jugendhaus bereits seit 1982 auf Erfahrungen in der inklusiven Jugendfreizeitgestaltung zurückgreifen. Wir haben Einrichtungsleiter Thomas Göttker gefragt, wie der Begriff “Inklusion” im Jugendhaus Sürth mit Leben gefüllt wird, welche Rolle Medien bei den Aktivitäten spielen und warum das Jugendhaus “100prozentig einmalige Erlebnisse” garantieren kann.

Inklusion und Medien – Medien und Inklusion? Fragen an Thomas Göttker, Leiter Jugendhaus Sürth

NIMM!: Was bedeutet der Begriff “Inklusion” für das Jugendhaus Sürth? Und wie wird der Begriff mit Leben gefüllt?
Thomas Göttker: Neben einer barrierearmen Einrichtung ist der Abbau von Barrieren in den Köpfen aller Beteiligten besonders wichtig. Jeder sollte mit seinen Möglichkeiten an allen Angeboten teilnehmen können. Hierfür müssen ausreichend Mitarbeiter vorhanden sein. Jeder besucht die Angebote nach eigenen Interessen, gemäß seiner Altersgruppe. Die Einrichtung ist therapiefreie Zone! Besucher mit und ohne Behinderung besuchen das Jugendhaus, hier trifft man Freunde, nimmt an Angeboten teil, für die man sich interessiert… Behinderung spielt dabei keine Rolle. Ständig wird überprüft, an welchen Stellen das Haus noch nicht inklusiv ist und an welchen Stellen noch Barrieren vorhanden sind.

NIMM!: Welche Rolle spielen Medien in der Arbeit des Jugendhauses Sürth? Gibt es konkrete Projekte mit Medien? Wie wird erreicht, dass wirklich alle an diesen Projekten teilnehmen können?
TK: Nach den großen Ferienaktionen gibt es immer ein Nachtreffen mit Film, so dass jeder auch seinen Eltern noch einmal zeigen kann, was er oder sie erlebt hat. Fotos sind sehr präsent im Jugendhaus. Der Kinoabend und das Internetcafé sind sehr beliebt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Medienprojekte in den Ferien, zum Beispiel Internetführerschein, Filme drehen und schneiden, Fotoarbeiten, Computerspiele …Jede/r kann an allen Projekten und Angeboten teilnehmen. Je nach Projekt und Bedarf wird dann differenziert und individuell geguckt, welche besonderen Unterstützungen nötig sind. Außerdem bieten Medienprojekte vielfältige Möglichkeiten sich einzubringen, z. B. gibt es viele unterschiedliche Aufgaben bei Filmprojekten (Schauspieler, Regie, Beleuchtung,… ), so dass garantiert für jede/n etwas dabei ist.

NIMM!: Last but not least – Was ist die Philosophie des Jugendhaus Sürth?
TK: Jeder Mensch ist anders und jede Situation ist anders. Inklusion braucht offene, kreative und improvisationsfreudige Mitarbeiter. Barrieren abbauen macht Spaß! Vor einer Segelfreizeit fragte einmal eine besorgte Großmutter, ob wir zu 100 Prozent garantieren könnten, dass ihrem Enkel, der im Rollstuhl sitzt, nichts passieren kann. Diese hundertprozentige Sicherheit kann keiner garantieren, wir können aber zu 100 Prozent ein besonderes Erlebnis garantieren!

Das Jugendhaus Sürth…

Banner des Jugendhaus Sürth. Menschen mit und ohne Behinderung klettern eine Wand hoch… gibt es seit 1982 und war von Anfang an inklusiv. Träger ist der Verein miteinander leben e. V., der ab 1975 einen der ersten integrativen Kindergarten betrieb. Die Gründung des Jugendhauses war dann die logische Antwort auf die Bedürfnisse für die älter werdenden Heranwachsenden.
… beeindruckt durch die Vielfalt seiner Angebote: Neben den Angeboten im Offenen Bereich – Kickern, Billard, Tischtennis, Spiele, Bücher, Kochen, Musik hören –  die jeder nach Belieben nutzen kann, gibt es zahlreiche Gruppenangebote, wie Fußball, Bauspielplatz, Töpfern, Klettern u.v.m. Weitere Highlights sind die großen Aktionstage während der Stadtranderholungen, die Segelfreizeit in den Sommerferien, die Reiterwochenenden und und und.
…beeindruckt außerdem durch die Vielzahl und Vielfalt seiner Besucher/innen: Woche für Woche nutzen ca. 250 Kinder und Jugendliche im Schulalter das Angebot, davon ca. ein Drittel mit Behinderung.
…kooperiert über zahlreiche Arbeitskreise mit weiteren Jugendzentren und mit Schulen.

Kontakt

  • Jugendhaus SürthLogo des Jugendhaus Sürth
  • Fronhofstraße 42
  • 50999 Köln
  • Telefon: 02236 65497
  • Fax: 02236 330009
  • www.miteinander-leben.com
  • jugendhaus-suerth[at]miteinander-leben.com
  • Jugendhaus Sürth auf Facebook

Hinterlasse eine Antwort