Wir gestalten einen Escape Room

Kinder basteln Halloween-Dekoration

Workshopidee zum Thema Halloween II. Von Melanie Ulrich-Märsch

Die diesjährigen Herbstferien standen im Bennohaus in Münster ganz unter dem Thema Halloween. Gemeinsam mit den Medientrainer*innen entwickelte die Feriengruppe einen inklusiven Escape Room, der zusammen mit zwei weiteren Workshops beim Halloween-Fest am 31.10.2019 angeboten wurde.

Gruselige Halloween-DekoAm ersten Ferientag starteten wir gemeinsam mit den Kindern in die Welt der Rätsel. Was gibt es überhaupt für verschiedene Rätsel, wo kommen sie her und wie kann ich ein eigenes Rätsel entwickeln? Diese und weitere Fragen klärten wir in den ersten Stunden unseres Workshops und erstellten im Anschluss daran die ersten eigenen Rätsel, die die anderen Teilnehmer*innen der Gruppe dann lösen durften. Nach diesem Input widmeten wir uns dem eigentlichen Thema der Woche: dem Escape Room. Viele der Kinder haben in den vergangenen Jahren schon mal einen Escape Room besucht oder davon gehört. Dennoch besprachen wir nochmal, was einen Escape Room ausmacht und wie dieser gestaltet sein müsste, damit er besonders spannend ist.

Am nächsten Tag starteten wir dann mit der Planung unseres eigenen Escape Rooms. Wir sammelten zunächst Ideen, worum es in unserem Raum überhaupt gehen soll.

Kind löst ein in Karton verstecktes FühlrätselUnter dem Arbeitstitel „Der ruhelose Professor“ verfassten die teilnehmenden Kinder folgende Story: „In der Geschichte geht es um den Geist eines Professors. Dieser hatte kurz vor dem Tod seiner Mutter einen Streit mit ihr. Von Trauer gequält und erfüllt von Reue, da er sich nicht mehr bei ihr entschuldigen konnte, entwickelte der Professor einen Plan. Am 31.10.1969 führte der Professor in seinem Arbeitszimmer/Labor ein Experiment durch, um seine verstorbene Mutter von den Toten zurück ins Leben zu holen. Das Experiment ging schief, der Professor verlor sein eigenes Leben und geistert seither ruhelos durch sein Arbeitszimmer.  Nur die Mutigen, die es wagen, das Arbeitszimmer zu betreten und die goldene Münze für den Fährmann ins Jenseits zu finden, können dem ruhelosen Geist seinen Frieden schenken.“

Als die Geschichte stand, konnten sich die Teilnehmer*innen an die Ausgestaltung ihrer Ideen machen. Gemeinsam wurde der Raum in Augenschein genommen, mögliche Verstecke für Rätsel ausgesucht, Rätsel ausgedacht, Dekorationen gebastelt und nebenbei ein Tutorial gedreht, damit auch andere Gruppen einen Escape Room nach unserem Beispiel entwickeln können.

Tablet und Tafel werden verstecktUm auch Kindern mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung die Teilnahme an unserem Escape Room zu ermöglichen, überlegten sich die Kinder, an welchen Stellen im Raum es zu Problemen kommen könnte und welche Rätsel womöglich nicht für jedes Kind zu lösen sein könnten. Im Gespräch fanden sich nach kurzer Zeit Lösungen und alternative Ideen, die die Kinder schnell umsetzten.

So fiel zum Beispiel schnell auf, dass der Raum schwer für Menschen mit Gehbehinderung bzw. Rollstuhl zu ergründen war. Um dieses Problem zu lösen, wurden die Möbel im Raum soweit auseinander gerückt, dass auch ein Rollstuhl zwischen die einzelnen Möbeln passte und auch keine Hindernisse im Raum liegen blieben. Im nächsten Schritt fiel auf, dass einige Rätsel für ein Kind im Rollstuhl nicht erreichbar wären, weil diese im obersten Fach des Regals versteckt wurden. Die Kinder suchten also aktiv nach Verstecken, die in Griffhöhe einer Person im Rollstuhl zu erreichen sind und platzierten die Rätsel um.

Damit auch Menschen mit Hörbeeinträchtigung teilnehmen konnten, wurde auf akustische Rätsel und die Vermittlung relevanter Informationen über Audio verzichtet. Stattdessen wurden eher bildliche Informationen verwendet. Da sich dann das Problem auftat, dass diese Rätsel eventuell nicht von Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung gelöst werden könnten, wurden entsprechende Rätsel nochmal in Form von Tasträtseln eingebaut, sodass die richtigen Lösungen auch über diesen alternativen Weg gefunden werden konnten. Grundsätzlich wurde der Escape Room kooperativ gestaltet und auch einfache Rätsel eingebaut, damit auch Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen aktiv teilnehmen konnten.

Damit alle Kinder den Escape Room spielen konnten, wurden der Raum so angelegt, dass die Gruppe sich gegenseitig helfen kann/muss um Rätsel zu lösen und in Gemeinschaftsarbeit die jeweiligen Stärken der teilnehmenden Kinder zum Einsatz kommen. Für schwierige Situationen und gegebenenfalls notwendige Hilfestellungen war über die gesamte Dauer ein*e Medientrainer*in im Raum, der*die den kompletten Durchlauf begleitete.

Ein paar Beispiele für konkrete Rätsel und Hinweise aus unserem Workshop sind

  • Bilderrätsel, die ein Symbol ergeben, das im Raum an anderer Stelle gefunden werden kann
  • Zahlencodes, die unter einem Gegenstand angeklebt sind (z.B. als Code für Tablet oder Zahlenschloss)
  • Zahlenkombinationen, die in der Fühlbox erfühlt werden können (beispielsweise anhand der Anzahl der Gegenstände, die in er Fühlbox gezählt werden)
  • „Offene Hinweise/Gegenstände“, die ohne Rätsel gefunden werden können, aber für den Lösungsweg relevant sind, z.B. ein QR-Code, eine Schatztruhe mit Zahlenschloss, ein gesperrtes Tablet, das mit einem Code entsperrt werden muss, Fühlboxen

Vorschlag für den Ablauf innerhalb einer Projektwoche

Vorarbeit:

  • Theoretischer Input und gemeinsame Erarbeitung der folgenden Fragen: Was ist ein Escape-Room? Was sind Rätsel? Welche verschiedenen Arten gibt es
  • Erstellung von eigenen Rätseln, die andere Gruppenmitglieder ausprobieren dürfen

Tablet und PuzzleEscape Room:

  • Erarbeitung einer Geschichte für den Escape Room
  • Begehung und Inspektion der Räumlichkeiten: wo gibt es Versteckmöglichkeiten, wie können wir den Raum thematisch passend umgestalten?
  • Anpassung der Geschichte und Entwicklung von Rätseln (besonderes Augenmerk auf der Frage, wie wir die Rätsel inklusiv machen können)
  • Basteln der Deko-Elemente und Rätsel
  • Gestaltung des Raums
  • Probedurchlauf mit unbeteiligten Kindern
  • Nachbesprechung und ggf. Änderung
  • parallel: Dreh des Tutorials/Dokumentation über eine Escape Room-Erstellung
  • Durchführung an Halloween

Materialien:

  • u.a. Ipad für QR-Code
  • Schatztruhe
  • Goldmünzen als Lösegeld für Geist
  •  Schoko-Goldmünzen oder andere Süßigkeiten als Schatz
  • Zahlenschloss und andere Schlösser 
  • Spinneweben, Tücher, Halloween-Accessoires
  •  buntes Papier, Stifte, Scheren, Kleber
  • Verkleidungen

Dekorierter Halloween Escape RoomTipps:

Die Durchführungszeit und Schwierigkeit der Rätsel muss in jedem Fall an das Alter und die kognitiven Fähigkeiten der teilnehmenden Kinder angepasst werden. Dazu eignet sich ein Probedurchlauf und die Rückmeldung der Kinder. Wir würden grundsätzlich empfehlen, für einen Escape Room für Kinder ab 8 Jahren eine Zeitbegrenzung von ca. 20 Minuten zu wählen. Wichtig ist auch, eindeutige Rätsel zu verstecken und keine verwirrenden Gegenstände im Raum als Deko zu nutzen (z.B. eine Schatztruhe, die gar keinen Schatz enthält oder einen Schlüssel, der nicht benutzt werden kann).

Hier geht’s zum Escape Room Tutorial auf unserer Jugendplattform deine.inklusive-medienarbeit.de

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