Sicher in Sozialen Medien. Von Nadine Nater, Jugendhilfe Werne

Die Inklusive Wohngruppe Südkirchen der Jugendhilfe Werne widmet sich der mittel- bis langfristigen Betreuung von Kindern mit erzieherischem Bedarf. Dabei ist das Setting vom Personal über die Struktur- bis zur Prozessqualität darauf ausgerichtet, sowohl Kindern mit Einschränkungen als auch Kindern ohne Einschränkungen ein möglichst heilsames Aufwachsen zu ermöglichen. Unser Ziel ist die Stärkung jedes Kindes nach seinen Möglichkeiten, um ein möglichst hohes Maß an gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Die Kinder und Jugendlichen selbst leben Inklusion: Innerhalb eines Projektes erarbeiteten sie die Bedeutung des Begriffs und werden im Alltag immer wieder an Situationen herangeführt, in denen es gilt, kognitiv oder körperlich schwächeren Kindern Hilfestellung zu leisten und jeden Menschen – genauso wie er oder sie ist – wert zu schätzen. Im Anschluss an das Nimm!-Coaching haben wir mit vier Mädchen ein Medienprojekt rund um Soziale Medien und Co. durchgeführt.Medien wie Smartphone, Internet oder TV nehmen bereits bei jüngeren Kindern großen Raum ein. Vor diesem Umstand die Augen zu verschließen oder hier veraltete Maßstäbe anzusetzen, scheint uns wenig zielführend. Deshalb versuchen wir, stets selbst mit der Entwicklung medialer Inhalte mitzugehen, um den Jugendlichen informiert und kritisch zur Seite stehen zu können. Bei Bedarf werden Projekte mit medienpädagogischem Inhalt durchgeführt und die Heranwachsenden auch im Alltag immer wieder auf die Möglichkeiten und Gefahren des Internets hingewiesen.

In diesem Rahmen plante ich einen thematischen Nachmittag, der mädchenspezifisch auf die Nutzung moderner Medien, in unserem Fall den Umgang mit sozialen Netzwerken und insbesondere dem Smartphone, ausgerichtet war. Konkret sollte es darum gehen, seine eigene Selbstdarstellung im Netz einschätzen zu lernen, einen Überblick über Ressourcen und Gefahren von Smartphones bzw. dem Internet zu erhalten, „Indikatoren“ für das Erkennen von Fake-News und Hassposts kennenzulernen sowie eine Sensibilisierung für das Veröffentlichen oder Herumschicken eigener Fotos zu erreichen.

Zielgruppe waren vier Mädchen im Alter von 12 – 15 Jahren, darunter zwei mit leichter geistiger Einschränkung. Als Einstieg ins Thema wählte ich die „Vorführung“ eines Hologramms mithilfe eines selbstgebastelten Prismas und eines YouTube-Videos. Teilweise war den Mädchen das Experiment schon bekannt und man kam darüber ins Gespräch, was ein Hologramm eigentlich ist und dass die eigene Darstellung im Netz ja eigentlich auch nur ein mehrdimensionales Abbild des realen Ichs ist.
Daraufhin sollten die Mädchen anhand eines Fragebogens mit ja/nein-Antworten einschätzen, wie (sicher) sie sich selbst im Internet präsentieren – zunächst noch ohne diesen auszuwerten. Dabei achteten die Mädchen auch auf die Antworten der anderen und kritisierten sich zum Teil gegenseitig bzw. regten sich zu ehrlicheren Antworten an. Ich wies immer wieder darauf hin, dass es nicht darum gehe, Fehler aufzudecken und anzuprangern, sondern sich selbst zu reflektieren und für die Zukunft etwas mitzunehmen.

Anschließend durften die Mädchen sich Karten mit Ressourcen des Smartphones aussuchen und diese wurden kurz vorgestellt und diskutiert. Dabei wurde deutlich, welchen großen Stellenwert das Handy bei den Jugendlichen in allen Lebenslagen einnimmt und dass es gilt, dies als Erwachsene anzuerkennen. Im Gegenzug wählten die Mädchen dann Karten mit Negativphänomenen, die in verschiedenen Formen in der virtuellen Welt auftreten, so z.B. Sexismus, Homophobie, Islamismus, Rechtsextremismus oder Verleumdung. Dabei ging es darum, die Begriffe kurz zu klären und ein Grundverständnis für deren Inhalte und oftmals weitreichende Konsequenzen (Hass, Hetze, Suizid, Anschläge) zu entwickeln.

Um das Wissen direkt anzuwenden, erhielt jedes Mädchen zwei sogenannte „Hassposts“. Die beiden ohne kognitive Einschränkung bekamen Texte, in denen nicht auf den ersten Blick ersichtlich war, um welches Negativphänomen es sich handelt, während die beiden anderen Texte hatten, in denen offensichtlich mit Beleidigungen und Drohungen hantiert wurde. Während bei den simpleren Posts v.a. auf die Sprache und die Zeichensetzung bzw. Großschreibung als Indikatoren für Hass und Fake-News eingegangen wurde, gelang es den Mädchen auch subtileren Rassismus oder seriös wirkende Fake-News zu „entlarven“.

An dieser Stelle wurde jedoch auch deutlich, dass es sich bei dem Erkennen von Hass und Hetze im Netz um ein komplexes Phänomen handelt, dass mit Jugendlichen mit kognitiver Einschränkung noch einmal gesondert und wohl v.a. auch wiederholt betrachtet werden muss, um Wissen langfristig zu festigen und ein Gespür dafür zu bekommen, dass nicht alles was seriös wirkt, auch seriös ist.

Für die Mädchen am interessantesten schien die letzte Aktion, bei der sie sich Fotos ihrer Lieblingsstars aussuchen durften und diese dann auf ihr Potenzial zur Veröffentlichung prüfen sollten. Dies geschah anhand eines Leitfadens, der von klicksafe bereitgestellt wurde. Es wurden mehrere Kriterien abgearbeitet, die es mit ja=veröffentlichen oder nein=doch nicht veröffentlichen zu beantworten galt. Alle Mädchen waren sich einig, dass der Punkt „Wäre es ok, wenn meine Eltern dieses Bild sehen?“ für sie ausschlaggebend beim Hochladen von Fotos ist und sie sich in Zukunft daran orientieren möchten.

Im letzten Schritt gingen alle erneut den Fragebogen vom Anfang durch, diskutierten die Ergebnisse anhand des Gelernten und die Mädchen erhielten eigenes Infomaterial bezüglich Facebook, Snapchat etc. Zwar diente dieser Nachmittag nur als Einstieg der Gruppe in die Inklusive Medienarbeit, dennoch wurden wichtige Themen angeschnitten und bei den Mädchen ein Bewusstsein für die Komplexität der Medien Internet und Smartphone geschaffen. Im Ausblick könnte nun ein Projekt für Jungen oder auch eines für die deutlich jüngeren Bewohner angeboten werden.

Infos zur Autorin

Nadine Nater (Sozialpädagogin)
iwg-suedkirchen@jugendhilfe-werne.de

Quellen

  • www.klicksafe.de
  • www.klicksafe.de/bestellung/ -> (scrollen bis zur Infokarte „Zu nackt fürs Internet?“
  • www.youtube.de
  • www.handysektor.de

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