Modul 3: Medien(arbeit) barrierefrei

Zwei Weiterbildungsteilnehmende vor dem Laptop beim Erstellen einer Audiodeskription

Rose Jokic & Ramona Schösse

Am 4. Mai 2019 fand das 3. Modul der Weiterbildung Inklusive Medienarbeit  in der WELLE gGmbH in Remscheid statt. Thema des 3. Moduls: Wie lassen sich inklusive Medienprojekte und -produkte barrierefrei gestalten und was bedeutet das für Teilnehmende mit unterschiedlichen Behinderungen?  Im ersten Teil der Fortbildung vermittelte Rose Jokic den Teilnehmern und Teilnehmerinnen sehr anschaulich die Bedeutung von Audiodeskriptionen. Im zweiten Teil ging es dann um Untertitel und darum, die theoretischen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.

3 Weiterbildungsteilnehmende arbeiten am LaptopZunächst zeigte Rose Jokic, wie sie und blinde Menschen sich mit dem Screenreader im Internet bewegen, wie man mit der Bildschirmlesesoftware Filme findet und sie abspielt. In Anschluss daran wurde der typische Ablauf beim Erstellen einer Audiodeskription vorgestellt: Dazu gehört die Beschreibung der Filmszenen, die Zeitmessung sowie die Kürzung der Szenenbeschreibungen. Anschließend erfolgt die Aufnahme und Einbettung in die Tonspur. Zuletzt gab es noch einige Tipps zur Umsetzung während der Filmprojektarbeit.

Weiterbildungsteilnehmende arbeiten konzentriert am Tisch mit LaptopsRose Jokic freute sich über die interessierte Gruppe: „Es hat sehr viel Spaß gemacht, zusammenzuarbeiten! Manche hatten schon Erfahrung in der inklusiven Medienarbeit, aber die Arbeit mit dem Screenreader und das Thema Filmbeschreibungen war vielen noch nicht so vertraut.  So konnte ich wunderbar zeigen, wie ich im Internet nach Filmen recherchiere und wie – Schritt für Schritt – bei der Filmbeschreibung vorgegangen wird. Die Teilnehmenenden haben sich dabei sehr engagiert eingebracht: Sie haben Filme mit Audiodeskription geschaut – ohne hinzusehen – und sich sehr viel Mühe bei der Filmbeschreibung gegeben.“

2 Weiterbildungsteilnehmende arbeiten am TabletNach einer kurzen Pause führte Ramona Schösse zunächst in die Projektarbeit mit Heranwachsenden mit dem Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung ein. Kinder und Jugendliche mit diesem Förderschwerpunkt lassen sich schwer in einer einheitlichen Gruppe zusammenfassen, da die Besonderheiten vorwiegend in der Wechselwirkung zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft, Umfeld oder der jeweligen Gruppe liegen. Wie bei Heranwachsenden im Allgemeinen ist es sinnvoll, verstärkt auf individuelle Reaktionen zu achten, um Über- oder Unterforderung während der Projektarbeit zu vermeiden. Eine gute Voraussetzung für Gruppenleiter*innen ist außerdem Flexibilität in jeder Projektphase, beispielsweise Projektziele neu zu definieren oder das Angebot im Ablauf neu zu strukturieren.

2 Weiterbildungsteilnehmende am MikrofonIm  letzen Block des Tages widmete sich die Gruppe dem Thema Untertitel. Zunächst theoretisch und mit kleinen Übungen, die auch in Jugendgruppen als Einführung nützlich sein können: Es wurde ein Kurzfilm ohne Ton angeschaut und der Inhalt interpretiert. Mit der App ComicLife haben die Teilnehmer*innen aus 3 – 4 Bildern durch Sprechblasen eine Geschichte erstellt. Beide Übungen waren sehr spannend zu beobachten und die interpretierten Ergebnisse verblüffend unterschiedlich. Mit einem Geräuschequiz und Angeboten der Internetseite Auditorix rückte noch einmal die Bedeutung von Hören im Allgemeinen und Geräuschen im Speziellen in den Vordergrund, um als Anregung in der Projektarbeit die Jugendlichen für den Sinn des Hörens neu zu sensibilisieren. Ein weiterer Aspekt der Vorbereitung auf das Thema war die Auseinandersetzung mit der Bild- und Filmsprache. Dieser Teil wurde nur kurz aber anschaulich mit dem Film „Nun sehen Sie Folgendes“ von Erik Schmitt und Stephan Müller thematisiert.

2 Weiterbildungsteilnehmende beim Erstellen einer AudiodeskriptionNach diesen Vorübungen wurden die aktuellen Richtlinien für Untertitel besprochen. Auch an dieser Stelle wäre es möglich in der Projektarbeit die Teilnhemer*innen zunächst selber Regeln aufstellen zu lassen nach denen diese ihre Filme untertiteln möchten, um eine gute Interpretation für Hörgeschädigte zu produzieren. Im Anschluss wurden dann die theoretischen Erkenntnisse ins Praktische umgesetzt. Die Teilnhemer*innen hatten nun Zeit und technische Möglichkeiten Untertitel wie auch Audiodeskriptionen selber zu erstellen. Hierzu standen verschiedene Rechner und Räumlichkeiten zur Verfügung um sich an unterschiedlichen Kurzfilmen zu erproben. In der Abschlussrunde wurden Ergebnisse sowie die App Greta vorgestellt, die für aktuelle Kinofilme Untertitel und Audiodeskriptionen bereitstellt.

Weiterbildungsteilnehmende beim Konzentrierten ArbeitenDurch hohes Interesse, unterschiedliche Erfahrungen und bereits weitreichende Erkenntnisse der Gruppe auf verschiedensten Gebieten, entwickelten sich im Verlauf des Tages anregende Diskussionen, ein guter Austausch und eine positive Stimmung.

KategorienAllgemein