Junge Männer mit Maske beim Barriere-Bingo spielen

Barriere-Bingo

David Krützkamp & Johannes Benedix

Das Barriere-Bingo setzt sich mit digitalen Barrieren auseinander – und mit Möglichkeiten, diese Barrieren zu überwinden oder abzubauen. Dabei eignet sich die Methode als eigenständiges Werkzeug oder als Ergänzung zu anderen Selbsterfahrungsangeboten – z. B. im Bereich der baulichen Barrierefreiheit.

Methodenkarte als (digitales) Handout im PDF-Format herunterladen


Das braucht man

  • Endgeräte (Android & iOS)
  • Barriere-Bingo-Bogen
  • Barriere-Bingo-Aufgabenkarten (Vorder-/ Rückseite ausdrucken)
  • leere Blätter (für die Ergebnisse)
  • WLAN, mobiler Hotspot, ggf. mobile Daten
  • 3 – 5 TN in 2 – 4 Gruppen mindestens 2 Betreuer*innen
  • ca. 2 Stunden

Ziele

  • Erleben, mit welchen Barrieren Menschen mit motorischer Behinderung, Sinneseinschränkungen und Lernschwierigkeiten im digitalen Raum konfrontiert sind – und welche technischen Möglichkeiten es gibt, diese zu überwinden.

Vorbereitung

  • Die Bingo-Karten mit Magneten an Whiteboard befestigtBarriere-Bingo-Aufgabenkarten ausdrucken. Mit Magneten/Pins/Stecknadeln an eine Stellwand/ Whiteboard befestigen (oder auf Tisch legen), so dass nur der Name der Aufgabe mit der Nummer zu sehen ist.
  • Hinweis: Die Karten sind nummeriert, damit alle 5er-Reihen einen ähnlichen Anspruch haben.
  • pro Gruppe einen Barriere-Bingo-Bogen ausdrucken
  • sinnvoll: auf ein iOS-Gerät die Apps Seeing (iOS, kostenfrei), Supersense (iOS, Android, kostenfrei), Sound of Magic (iOS, Anroid, kostenfrei) vorinstallieren.

Durchführung

  • Gruppen einteilen, Bingo-Bögen und Blanko-Zettel verteilen.
  • Bingo-Bogen mit durchgestrichenen Aufgaben an der WandZiel: Die Gruppe, die zuerst alle Aufgaben in einer Reihe (waagerecht, senkrecht, diagonal) gelöst hat, ruft “Bingo!” und hat gewonnen.
  • Die Gruppen gehen zur Wand und nehmen sich eine Aufgabe. Bei einigen Aufgaben ist es erforderlich, dass die Gruppe Ergebnisse schriftlich festhält, bei anderen muss beispielsweise eine Gebärde gelernt werden. Wichtig ist: Es muss am Ende darstellbar sein, dass die Gruppe die Aufgabe erfolgreich bearbeitet hat.
  • Wenn die erste Gruppe ein Bingo hat, wird das Spiel angehalten: Die Gruppe darf dann vorstellen, welche Aufgaben sie bearbeitet hat und die Ergebnisse präsentieren. (Je nach Interessen der Teilnehmenden kann hier eine gute Möglichkeit sein, um miteinander ins Gespräch zu kommen oder zu diskutieren).
  • Das Spiel geht weiter – wenn die nächste Gruppe ein Bingo schafft, darf sie die Ergebnisse vorstellen.

Verschiedene Varianten sind möglich:

  • So lange spielen, bis eine Gruppe drei Bingos hat.
  • Zeitlimit setzen: Die Gruppe mit den meisten Bingos hat gewonnen.
  • Bei Gleichstand: Die Gruppe mit den meisten erledigten Aufgaben hat gewonnen.

Schluss:

  • Kurz halten, da bereits nach jedem Bingo die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden.
  • Jede*r Teilnehmende nimmt eine Aufgabenkarte und sagt, was daran besonders gut gefallen hat, was Spaß gemacht und was man Neues gelernt hat.

Inklusiv gedacht

  • Die Methode ist besonders für inklusive Settings geeignet: Für viele der Aufgaben ist das Expert*innenwissen von Menschen mit Einschränkungen von großem Vorteil (z. B. assistive Technologien für Menschen mit Sehbehinderung, Gebärden- und Leichte Sprache).
  • Die Methode findet in der Gruppe statt: Dadurch werden unterschiedliche Fähigkeiten ausgeglichen und gemeinsam gelernt.
  • Tipps für mehr Zugänglichkeit: mehr Zeit einplanen, kompetitiven Charakter des Spiels herausnehmen, Zahl der Assistent*innen erhöhen, Zahl der Aufgaben reduzieren (z. B. Aufgaben weglassen, die die Verwendung von externen Apps erfordern)

Tipps & Tricks

  • Blanko-Aufgaben Es gibt fünf Blanko-Aufgabenkarten: Sie lassen sich individuell gestalten und als Alternative zu bestehenden Aufgaben oder für die B.I.N.G.O.-Felder einsetzen. Dadurch lässt sich das Spiel weiter an die jeweilige Situation anpassen und schwieriger oder leichter gestalten.

Unser Fazit

„Uns gefällt die Methode, weil es einen spielerischen und an vielen Stellen positiven Blick auf das Thema Barriere(freiheit) setzt. Natürlich gibt es immer noch viele Barrieren bei der Nutzung digitaler Medien – wir möchten aber ressourcenorientiert durch die positive Brille schauen, was in den letzten Jahren durch technische Entwicklungen möglich geworden ist. Die Methode lässt sich gut an das jeweilige Gruppensetting anpassen. Kurze Spiele machen genauso viel Spaß wie längere Runden.”

 

 

 

DAVID KRÜTZKAMP
NetzStecker, Lebenshilfe Münster
www.lebenshilfe-muenster.de/de/projekte/netzstecker

 

 

 

 

 

 

JOHANNES BENEDIX
NetzStecker, Lebenshilfe Münster
www.lebenshilfe-muenster.de/de/projekte/netzstecker

 

 

 

 


Hinweise zu den Aufgaben für die Spieleleitung

  1. Nicht viele Websites haben einen eigenen Leichte-Sprache-Modus. Aber es werden doch immer mehr, z. B. Webseiten von Bundes- und Landesbehörden und Museen wie: www.einfach-teilhaben.de, www.berlinischegalerie.de.
  2. Die App Sound of Magic (iOS, Android, kostenfrei) funktioniert nur mit Kopfhörern, da man in dem Spiel die Klänge im Raum verorten muss.
  3. Die Einstellung der Schriftgröße findet man in den Smartphone-Einstellungen – am einfachsten über die Suchfunktion. (Android 10: Einstellungen → Anzeige & Helligkeit → Schrift- und Anzeigegröße. iOS 13.6: Einstellungen → Bedienungshilfen → Anzeige & Textgröße → Größerer Text)
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  7. Tipp: Einer der bekanntesten Influencer ist Raul Krauthausen. Sein Verein Sozialhelden (www.sozialhelden.de) ist mit spannenden Projekten medial sehr präsent.
  8. Beispiele für Webseiten mit Vorlesefunktion: www.lebenshilfe.de, www.inklusive-medienarbeit.de.
  9. Achtung: Nicht alle Smartphones haben einen Einfachen Modus. Man findet ihn u. a. bei Geräten von Samsung oder Huawei/Honor in den Einstellungen (in der Suche „Einfacher Modus“ eingeben).
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  14. Hier muss ein Gerät, welches die Gruppen für die Bearbeitung der Aufgabe nutzen, über einen Mailzugang verfügen oder über eine SIM-Karte zum Versand der SMS.
  15. Gute Gebärdenwörterbücher sind z. B. www.spreadthesign.com oder www.signdict.org.
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  19. Gute Infos in Leichter Sprache bekommt man beispielsweise auf der Seite der Stadt Hamburg. Dort sind auch viele Freizeittipps leicht und übersichtlich erklärt. Explizit barrierefreie Stadtführungen gibt es z. B. in Köln und Düsseldorf.
  20. Eine offizielle Liste findet man z. B. beim Berufsverband für Gebärdendolmetscher*innen in NRW: www.gsdnrw.de.
  21. Gute Anleitungen zu VoiceOver und Talkback findet man unter: www.apple.com/de/accessibility oder support.google.com.

 

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