Projekte und Veranstaltungen barrierefrei und inklusiv durchführen für hörbehinderte Teilnehmende
Wir haben auch hier in unseren Tool-Tipp rund um assistive Technologien schon öfter über Live-Untertitel-Tools berichtet. Diese wandeln Gesprochenes in Text zum Mitlesen um, der von Menschen mit Hörbehinderung ohne ausreichendes Sprachverstehen wie ein Live-Untertitel mitgelesen werden kann. Zum Beispiel:
- Live-Untertitel mit Übersetzungsfunktion in PowerPoint 365
- Live-Untertitel in Windows 11
- Automatische Transkription und automatische Untertitel in Android
Aber wie kann so ein Einsatz in der Praxis aussehen? Können Live-Untertitel-Tools bereits jetzt schon eingesetzt werden, um z. B. Angebote inklusiv und barrierefrei durchzuführen für Menschen mit Hörbehinderung? Was gilt es zu beachten und wo sind die Grenzen von Live-Untertitel-Tools? Darum geht es in diesem Praxisbericht und zwar am Beispiel der integrierten Live-Untertitel von iOS!
Die Teilnehmenden der Veranstaltung bei barrierefrei kommunizieren! kamen aus Stadtteilzentren, die erfahren wollten, wie sie Projekte durch den Einsatz von assistiven Tools inklusiver gestalten können. Eine Teilnehmerin war gehörlos und meldete DGS-Bedarf an. Leider gelang es nicht mehr, DGS-Dolmetschende zu finden – ein häufiges Problem, da oft zu wenige Dolmetschende für den Bedarf zur Verfügung stehen. Die Veranstalter nahmen daher Kontakt auf zur gehörlosen Person und fragten, ob es für sie in Ordnung ist, wenn stattdessen ein Live-Untertitel-Tools zum Einsatz kommt. WICHTIG: Wenn man so etwas plant, unbedingt die Person vorab fragen – für gehörlose Personen mit der Muttersprache DGS ist Schriftsprache wie ein Fremdsprache und nicht alle können schnell genug lesen. Wenn das nicht der Fall ist, ist ein schriftbasiertes Tool nicht barrierefrei DGS-Muttersprachler!
Die Veranstaltung begann mit einem Input sowie einer Austauschrunde mit den Teilnehmenden. Hier stellte sich die Frage, wie man es praktisch umsetzt, damit alle Wortbeiträge deutlich genug beim iPad ankommen, auf dem die Live-Untertitel-Funktion aktiviert wurde. Leider haben wir aktuell noch keine Bluetooth-Mikrofone, die man mit dem iPad hätte verbinden und herumreichen können. Wir haben daher an einen Extra-Bildschirm ein Apple-TV angehängt und dieses dann drahtlos mit dem iPad verbunden. Das iPad wurde dann während der Veranstaltung wie ein Mikrofon herumgereicht. Die gehörlose Person konnte dann die Live-Untertitel bequem auf dem großen Bildschirm mitlesen. Zusätzlich haben wir darauf geachtet, für die Untertitel eine große Schrift und eine kontraststarke Kombination von Text-Hintergrund-Farbe einzustellen. Außerdem wurde der Untertitel bildschirmfüllend eingestellt.

Wichtig waren außerdem noch folgende Aspekte:
- Das Sprechtempo sollte etwas reduziert werden und sich beim Sprechen auch inhaltlich fokussiert werden, damit die Live-Untertitel mitlesbar bleiben.
- Die Teilnehmenden wurden vorab über den Einsatz der Live-Untertitel informiert und zwar auch über Fragen des Datenschutzes! Bei vielen Live-Untertitel-Tools werden Sprachdaten über externe Server verarbeitet – dies ist bei den Live-Untertiteln von iOS nicht der Fall! Die Verarbeitung der Sprachdaten erfolgt ausschließlich lokal auf dem Gerät, d. h. die Live-Untertitel von iOS funktionieren offline, so dass keine Datenschutzprobleme entstehen. Wichtig ist jedoch auch zu klären, dass das Transkript im Nachgang nicht gespeichert wird (was möglich wäre und z. B. im Rahmen von Teamsitzungen das Protokollschreiben ersetzen bzw. erleichtern könnte.)
- Einige gehörlose Personen sprechen lautsprachlich, das war hier nicht der Fall. Damit die gehörlose Person sich ebenfalls beteiligen kann, muss ihr Zeit gegeben werden, sich z. B. schriftsprachlich zu äußern und ihr Beitrag gevoict werden.
Da die Live-Untertitel auf einem großen Extra-Bildschirm abliefen, konnten auch alle anderen diesen mitlesen. Das hatte zur Folge, dass die Beteiligten ihre eigenen Wortbeiträge mitlesen konnten und so die Qualität der Live-Untertitel einschätzen konnten. Diese war meistens sehr gut – im Falle von (seltenen) Fehlerkennungen haben die Teilnehmenden sich dann noch einmal wiederholt. Insgesamt kann der Einsatz von Live-Untertitel-Tools bei einigen Veranstaltungen durchaus eine Option darstellen, wenn man die Grenzen beachtet und transparent mit allen Beteiligten umgeht!
Weitere Infos und Kurzanleitung zu den Live-Untertiteln in iOS
