Filmprojekt „Film ab!“. Von Ines Nadrowski, ProMädchen – Mädchenhaus Düsseldorf e.V.

Im Filmprojekt „Film ab!“ haben fünf Mädchen im Düsseldorfer Mädchentreff Leyla gemeinsam das Drehbuch für einen Film geschrieben, diesen gespielt, gefilmt und geschnitten. Das Handwerkszeug dafür haben die Pädagoginnen vorher beim Nimm!-Coaching mit Selma Brand am 19.7.2018 an die Hand bekommen.

Das Filmprojekt fand während der Sommerferien statt und lief über zwei Tage mit jeweils 4,5 Zeitstunden. Teilgenommen haben fünf Mädchen, zwei davon mit Förderbedarf. Die Mädchen kannten sich schon vorher, da das Projekt in der zweiten Woche der Ferien stattfand und die meisten Mädchen schon in der ersten Woche dabei waren. Dies hat sehr dazu beigetragen, dass das Projekt in einer lockere und freundliche Atmosphäre stattfand. Die Mädchen verstanden sich alle gut und wussten schon um die Eigenheiten der einzelnen Personen.

Da unser Ferienprogramm sowie der Mädchentreff Leyla einen explizit inklusiven Anspruch haben, haben wir einen relativ hohen Anteil an Mädchen mit (geistiger) Behinderung. Als sehr hilfreich haben wir es empfunden, das Thema Behinderung zu Beginn des Ferienprogramms mit allen Kindern gemeinsam aufzugreifen. Auf diese Weise können Vorurteile und Berührungsängste leichter abgebaut werden: Nach dem Kennenlern-Spiel fragen wir die Mädchen in einer Stuhlrunde, ob sie wissen, was Behinderung bedeutet. Folgefragen können in etwa sein:

  • ob es denn überhaupt normale Menschen gibt (natürlich nicht),
  • welche Behinderungen sie kennen,
  • ob es Menschen in ihrem Umfeld mit Behinderung gibt
  • oder ob sie selber eine haben,
  • was für Eigenschaften sie haben, die als Behinderung gelten könnten,
  • was sie besonders gut können und bei was für Sachen sie Hilfe brauchen.

Bei der Runde legen wir auch immer fest, dass wir „behindert“ nicht als Schimpfwort benutzen, weil das für Menschen mit Behinderung beleidigend ist. Außerdem erklären wir den Mädchen, dass früher Menschen mit Behinderung von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden, und dass es immer noch in Gange ist, dass diese wieder voll in die Gesellschaft aufgenommen werden – wir machen also auch den gesellschaftlichen Kontext deutlich. Zuletzt sagen wir den Mädchen, dass sie mit Fragen diesbezüglich auch immer zu uns kommen können, auch wenn sie Unsicherheiten in Bezug auf andere anwesende Mädchen haben.

Im Nimm!-Mediencoaching „5 Stunden für Inklusion“, welches ein paar Tage früher stattfand, gab uns Nimm!-Projektleiterin Selma Brand wertvolle Tipps für die Umsetzung des Projektes. Zum Beispiel lernten wir die 5-Shot-Regel für Szenen kennen (eine einfache Erklärung der Regel findet man hier) sowie die App Cute Cut, mit der an unseren Android-Tablets gefilmt und geschnitten werden kann. Außerdem erfuhren wir, dass sich Krimis gut eignen, um mehrere Genres zu vereinen sowie noch einige praktische Tipps, wie z.B. einige der Mädchen ein Cover malen zu lassen, wenn sie mit ihren Aufgaben bereits fertig sind. Nach diesem Coaching fühlten wir uns sehr gut vorbereitet auf das Medienprojekt.

Am ersten Tag des Projektes haben wir mit den Mädchen die Schneide-App Cute Cut kennengelernt und ausprobiert sowie die Struktur des Projektes erarbeitet. Als ersten Schritt galt es, eine Geschichte innerhalb von fünf Szenen zu entwickeln. Jedes der fünf Mädchen war im zweiten Schritt für eine Szene verantwortlich. Das heißt: Sie sollte das Storyboard entwickeln, während der Szene Regie führen und Kamerafrau sein sowie die Szene am Ende schneiden. Alles an und mit ihrem ihr zugeteilten Tablet.

Das Kennenlernen der App Cute Cut fand im Zusammenhang mit den 5-Shot-Regeln für eine Szene statt. So erklärten wir zunächst den Mädchen die 5-Shot-Regel und ließen sie mit den Tablets und der App jeweils eine Szene drehen. Das hat den Mädchen viel Spaß gemacht und es sind kreative Videos entstanden. Eine zusätzliche Idee wäre es, diese Videos in Zusammenhang mit der Geschichte zu bringen. So hätten wir zum Beispiel die Mädchen jeweils einen Charakter der Geschichte darstellen lassen können oder sich als Kamera- oder Regiefrau inszenieren lassen können, damit diese Videos noch im Abspann hätten landen können.

Die Entwicklung der Geschichte stellte sich als sehr schwierig heraus. Das lag daran, dass die Mädchen unheimlich kreativ waren und sich eine Menge ausdachten, welches sich aber realistisch nicht umsetzen ließ in nur fünf Szenen. Daher galt der pädagogische Auftrag zu allererst: Kürzen und vereinfachen. Im Nachhinein würde ich bei der Entwicklung der Geschichte noch stärker intervenieren, als ich es sowieso getan habe, da diese sehr viel Zeit in Anspruch nahm und einige Mädchen in der Zeit eher außen vor waren. Letztendlich schafften wir es aber innerhalb von zwei Stunden eine Geschichte zu entwickeln, die einen roten Faden und eine knackige Pointe besaß.

Die Entwicklung des Storyboards nach den 5 Shot-Regeln war vor allem für die Mädchen mit Behinderung eine große Herausforderung. Doch bei jedem Mädchen war es nötig, nochmal ganz genau zu erklären und mit ihr zusammen durchzugehen, was auf ein Storyboard gehört. Daher ist es eine gute Idee bei einem solchen Projekt einen hohen Betreuungsschlüssel anzusetzen. Am Ende des Tages hatten wir aber alles erarbeitet und konnten bereits für den nächsten Tag üben.

Am zweiten Tag begannen wir sofort mit dem Drehen. Dabei dachten sich die Mädchen kreative Kostüme und Bühnenbilder aus. Die Idee war, dass die Mädchen, die gerade Pause haben, weil sie in der Szene nicht mitspielen, sich schon einmal an den Schnitt der eigenen Szene machen konnten. Dies hat auch gut geklappt. Es braucht aber definitiv noch einige weitere Aufgaben, wie zum Beispiel das Cover malen, damit sich die Mädchen nicht langweilen. Auch hier ist wieder ein hoher Betreuungsschlüssel angemessen, da die Mädchen sowohl bei dem Dreh der Szene sowie beim Schnitt Unterstützung brauchten. Leider waren die 4,5 Stunden tatsächlich ein bisschen knapp bemessen für das Drehen und Schneiden, das nächste Mal würde ich dafür 2 Tage planen. Jedoch hatten wir mit ein bisschen Eile am Ende des Tages die fertig geschnittenen Szenen in den jeweiligen Tablet-Kästen.

Die Präsentation vom Film fand am nächsten Tag statt, da ich für den finalen Schnitt des Filmes nochmal einen kompletten Vormittag brauchte. Es ist ein unheimlich lustiger und kreativer Film geworden, auf den die Mädchen sehr stolz waren. Jede hat ihre eigene gebrannte DVD mit nach Hause bekommen. Veröffentlichen können wir den Film nicht, da einige Mädchen dies von sich aus nicht wollten und es bei anderen Mädchen z.B. aufgrund ihrer speziellen Lebenslagen (Heimunterbringung) rechtlich sehr schwierig gewesen wäre.

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