Ein Praxisbericht von Melanie Leusch
An meinem Workshop „How to TikTok“ in der Inklusiven OT Ohmstraße haben elf Jugendliche mit und ohne Behinderungen teilgenommen. Gemeinsam haben wir uns damit beschäftigt, wie TikTok funktioniert, wofür die Plattform genutzt wird und wie man selbst gute Videos gestalten kann. Dabei ging es aber auch um mögliche Gefahren und darum, Inhalte nicht einfach unkritisch zu übernehmen.
Zu Beginn gab es eine Kennenlernrunde über Musik. Alle Jugendlichen konnten ihren Lieblingssong zu einer gemeinsamen Spotify-Playlist hinzufügen. Anschließend haben wir die Songs angehört und gemeinsam geraten, welcher Song zu welcher Person gehören könnte. Das war ein schöner und lockerer Einstieg, bei dem viel gelacht wurde und die Jugendlichen schnell miteinander ins Gespräch gekommen sind.
Danach haben wir uns verschiedene TikTok-Videos angeschaut. Die Jugendlichen sollten einschätzen, welche Videos echt sind und welche möglicherweise bearbeitet, gestellt oder erfunden wurden. Sie konnten auch selbst Videos heraussuchen und der Gruppe zeigen. Dabei entstanden interessante Gespräche darüber, dass man im Internet nicht alles sofort glauben sollte. Giuseppe sagte dazu: „Ich fand es spannend zu sehen, wie schnell man einem Video glaubt, obwohl es vielleicht gar nicht echt ist. Jetzt schaue ich genauer hin.“

Nach einer Pause wurden die Jugendlichen in kleinere Gruppen eingeteilt. Dort haben sie gemeinsam herausgearbeitet, worauf es ankommt, wenn man ein gutes TikTok-Video machen möchte. Genannt wurden zum Beispiel eine interessante Idee, passende Musik, Humor, eine verständliche Botschaft und eine gute Gestaltung.
Gleichzeitig haben wir darüber gesprochen, worauf man achten muss, damit man sich selbst und andere nicht in Gefahr bringt. Wichtige Themen waren der Schutz von persönlichen Daten, das Recht am eigenen Bild, beleidigende Kommentare und gefährliche Challenges. Auch die Frage, wie realistisch die Inhalte auf TikTok überhaupt sind, spielte eine Rolle. Gemeinsam haben wir überlegt, wie schnell durch Filter, Bearbeitung oder falsche Informationen ein Bild entstehen kann, das mit der Wirklichkeit nur wenig zu tun hat.

Es war wichtig, mit den Jugendlichen nicht nur über die Gefahren von TikTok zu sprechen. Die Plattform bietet auch viele Chancen. Jugendliche können kreativ sein, eigene Ideen zeigen, sich informieren und mit anderen Menschen austauschen. TikTok kann außerdem dabei helfen, unterschiedliche Lebenswelten und Perspektiven sichtbar zu machen.
Da soziale Medien immer stärker mit Künstlicher Intelligenz arbeiten, haben wir uns auch mit diesem Thema beschäftigt. Wir haben darüber gesprochen, wie KI beispielsweise bei Empfehlungen, Filtern oder der Erstellung von Inhalten eingesetzt wird. Anschließend haben die Jugendlichen eigene Entwürfe für ein Plakat angefertigt. Auf der Grundlage ihrer Ideen haben wir dann gemeinsam mithilfe von KI ein Plakat für andere Jugendliche gestaltet. Darauf wurden sowohl die Chancen als auch die Gefahren von TikTok dargestellt.

Bei dieser Methode war es besonders wichtig, dass die Jugendlichen nicht nur zuhören, sondern selbst aktiv werden. Sie konnten eigene Erfahrungen, Videos und Ideen einbringen, gemeinsam diskutieren und das Ergebnis mitgestalten. Durch den Wechsel zwischen Musik, Videos, Gruppenarbeit und kreativem Arbeiten konnten sich alle auf ihre eigene Weise beteiligen.
Am Ende des Workshops hatten wir nicht nur ein gemeinsames Plakat erstellt. Die Jugendlichen hatten sich auch intensiv damit auseinandergesetzt, wie sie TikTok kreativ, sicher und kritisch nutzen können. Für die Gruppe war es ein gelungener Workshop, weil viel eigenes Wissen eingebracht, offen miteinander diskutiert und gemeinsam ein sichtbares Ergebnis geschaffen wurde.
