Ein Praxisbericht von Melanie Leusch
In der Inklusiven OT Ohmstraße nahmen elf Jugendliche mit und ohne Behinderungen an einem Workshop zur Entwicklung eines digitalen Escape Rooms teil. Dabei konnten sie nicht nur verschiedene Rätsel lösen, sondern auch eine eigene Geschichte erfinden und daraus Schritt für Schritt eine digitale Rätselwelt gestalten. Im Mittelpunkt standen Kreativität, Zusammenarbeit und die Möglichkeit, unterschiedliche Fähigkeiten und Ideen einzubringen.
Der Workshop begann mit kleinen Rätseln, die von den Jugendlichen gemeinsam gelöst werden mussten. Unter anderem sollten sie Farben in die richtige Reihenfolge bringen und den passenden Schlüssel finden, mit dem sich ein Raum öffnen ließ. Dabei waren genaues Hinschauen, logisches Denken und eine gute Absprache innerhalb der Gruppe gefragt. Die ersten Aufgaben dienten als spielerischer Einstieg in die Welt der Rätsel und vermittelten den Jugendlichen ein Gefühl dafür, wie ein Escape Room aufgebaut ist. Gleichzeitig zeigte sich bereits hier, dass die Gruppe am besten vorankam, wenn alle ihre Beobachtungen und Ideen miteinander teilten.
„Erst dachte ich, der Schlüssel passt bestimmt nicht. Aber dann haben wir gemeinsam noch einmal alle Hinweise angeschaut“, berichtete ein Jugendlicher. Solche kleinen Erfolgserlebnisse weckten die Neugier und sorgten dafür, dass die Jugendlichen motiviert in die weitere Arbeit starteten.

Im Anschluss lernten sie das Prinzip eines digitalen Escape Rooms genauer kennen. Anders als bei einem Escape Room in einem echten Raum sollten die Rätsel, Hinweise und Schauplätze auf einer digitalen Plattform zusammengeführt werden. Dafür entwickelte die Gruppe zunächst eine eigene Geschichte. Gemeinsam wurde überlegt, wo sie spielen, was darin passieren und welche Aufgabe gelöst werden sollte. Aus vielen einzelnen Einfällen entstand nach und nach eine gemeinsame Rahmenhandlung mit einer Hauptfigur, verschiedenen Stationen und ersten Ideen für passende Herausforderungen.
Danach wurden die Jugendlichen in kleinere Gruppen eingeteilt, die sich auf unterschiedliche Bereiche spezialisierten. Eine Gruppe arbeitete beispielsweise an der Geschichte der Hauptfigur, während andere Jugendliche Rätsel, Hinweise oder die Gestaltung mit anschließender Voiceover übernahmen. So konnten sich alle entsprechend ihren Interessen und Fähigkeiten beteiligen. Gleichzeitig mussten sich die Gruppen immer wieder miteinander abstimmen, damit am Ende alle Teile zusammenpassten und eine verständliche Geschichte entstand.
Mithilfe von Genially und deren Vorlagen wurden die Ideen anschließend zu einem spielbaren digitalen Escape Room zusammengesetzt. Die Jugendlichen konnten unmittelbar erleben, wie aus ihrer selbst entwickelten Geschichte, den einzelnen Rätseln und den gestalterischen Entwürfen ein gemeinsames digitales Ergebnis entstand. Sie probierten verschiedene Möglichkeiten aus, überprüften die Reihenfolge der Aufgaben und achteten darauf, dass die Hinweise verständlich waren und zu den richtigen Lösungen führten.

„Es ist cool, dass aus unseren ganzen Ideen am Ende ein richtiger Escape Room geworden ist“, stellte eine Jugendliche während der Arbeit fest. Besonders motivierend war, dass die Gruppe das Ergebnis direkt sehen und ausprobieren konnte. Wenn etwas noch nicht funktionierte oder ein Rätsel zu schwierig war, wurde gemeinsam nach einer anderen Lösung gesucht.
Die Jugendlichen bekamen keinen fertigen Escape Room vorgesetzt, sondern entwickelten ihn selbst mithilfe einer Maske. Dabei waren ganz unterschiedliche Fähigkeiten gefragt: Fantasie beim Erfinden der Geschichte, logisches Denken beim Entwickeln der Rätsel, Genauigkeit beim Formulieren der Hinweise und Kreativität bei der visuellen Umsetzung. Aufgrund der Zeit war Genially eine gute Unterstützung und konnte dazu beitragen, dass die Jugendlichen innerhalb der Workshoptage ein fertiges Produkt hatten, welches sie testen konnten.
Durch die Arbeit in unterschiedlichen Gruppen konnte jede und jeder eine passende Aufgabe finden. Manche Jugendliche brachten besonders viele Ideen für die Geschichte ein, andere hatten Freude an der Gestaltung oder an den Aufnahmen. Auch das Erklären, Zuhören und Zusammenführen der verschiedenen Ergebnisse waren wichtige Bestandteile des Workshops. So erfuhren die Jugendlichen, dass jeder Beitrag für das gemeinsame Ergebnis von Bedeutung war.
Auch Umwege und Fehler gehörten zum Entstehungsprozess. Nicht jede Idee ließ sich sofort digital umsetzen, und manche Rätsel mussten verändert oder verständlicher formuliert werden. Die Jugendlichen testeten verschiedene Lösungswege, überprüften ihre Aufgaben gegenseitig und verbesserten den Escape Room gemeinsam. Probleme wurden dadurch nicht als Scheitern verstanden, sondern als Möglichkeit, die eigenen Ideen weiterzuentwickeln.
Zum Abschluss wurde der fertige digitale Escape Room gemeinsam ausprobiert. Die Jugendlichen konnten erleben, wie ihre Geschichte lebendig wurde und wie die selbst entwickelten Rätsel aufeinander aufbauten. Anschließend tauschte sich die Gruppe darüber aus, was besonders viel Spaß gemacht hatte, welche Aufgaben schwierig gewesen waren und was bei einem weiteren Escape Room vielleicht noch verändert werden könnte.
Der Workshop ermöglichte den Jugendlichen einen spielerischen und kreativen Zugang zu digitalen Medien. Gleichzeitig wurden Kommunikation, Konzentration, logisches Denken und Teamarbeit unterstützt. Die Jugendlichen waren nicht nur Nutzerinnen und Nutzer eines digitalen Angebots, sondern wurden selbst zu dessen Gestalterinnen und Gestaltern. Am Ende entstand mehr als ein digitaler Escape Room. Die Jugendlichen erlebten, dass aus vielen unterschiedlichen Ideen eine gemeinsame Geschichte werden kann und dass jede Person mit ihren eigenen Stärken zum Ergebnis beiträgt. Der Workshop zeigte auf lebendige Weise, wie inklusive Zusammenarbeit, Kreativität und digitale Bildung.
Hier kann der Escape Room ausprobiert werden:

