Themenmonat 5 +++ Sicher in sozialen Netzwerken +++ Bloggen mit Jugendlichen mit Down Syndrom +++ Von Nadja Zaynel

Nahaufnahme: Zwei Hände mit Kamera fotografieren eine BildschirmseiteIm Mittelpunkt unseren fünften und letzten Themenmonats steht das medienpädagogische Dauerbrennerthema “Sicherer Umgang mit sozialen Netzwerken”. Im inklusiven Kontext stellt sich dabei vor allem die Frage nach angepassten Methoden für Heranwachsende mit kognitiven Einschränkungen. Auch Jugendliche mit geistigen Behinderungen bzw. Lernschwierigkeiten nutzen soziale Medien, auch wenn bei Eltern, pädagogischen Fachkräften und Betreuenden häufig Vorbehalte überwiegen. Gesehen werden weniger die Chancen sozialer Medien für diese Zielgruppe, vielmehr dominieren Befürchtungen, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten die Mechanismen sozialer Medien nicht verstehen - mit den entsprechenden negativen Folgen. Menschen mit Lernschwierigkeiten können aber genauso von sozialen Medien profitieren.

Carina Kühne zeigt einem Teilnehmer des Blogprojekts ihren BlogEin Beispiel dafür ist der Blog von Carina Kühne, die mittlerweile auch als Schauspielerin sehr bekannt ist. Carina Kühne hat vor einiger Zeit ihren Blog im Rahmen eines Blogprojekts von Nadja Zaynel vorgestellt. Nadja Zaynel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Münster und promoviert über das Thema “Internetnutzung und Nutzungsbarrieren von Kindern und Jugendlichen mit Down-Syndrom”. Als Inklusions-Scout für das Netzwerk Inklusion mit Medien hat sie im Bennohaus Münster das Blog-Projekt “Lieblingsorte in Münster” mit Jugendlichen mit Down Syndrom durchgeführt und darüber auch für diesen Blog ausführlich berichtet. Das Projekt hat sie ebenfalls methodisch für unsere Methodenkartensammlung aufbereitet und wird hier im Rahmen unseres Themenmonats online veröffentlicht. Die Methodenkarten sind weiterhin bei der LAG Lokale Medienarbeit NRW e. V. bestellbar!

Zwei Jungen schauen auf ihre Digitalkamera

Mein Block – Mein Blog: Internet leicht gemacht

Häufig besteht die Annahme, dass die sogenannten Digital Natives das Internet quasi intuitiv nutzen können. Doch die Strukturen der virtuellen Welt sind für viele schwer verständlich. Besonders wenn das abstrakte Denken eingeschränkt ist, z. B. bei jüngeren Kindern oder bei Menschen mit Lernschwierigkeiten. Diese Methode soll Hypertextstrukturen begreifbar machen, indem ein Blog zunächst als „Bastel-Block“ gestaltet wird.

Ziele

  • die Struktur des Internets visualisieren
  • das Verständnis für den Aufbau und den Zusammenhang von Internetseiten schärfen und verbessern
  • Teilhabe für Menschen mit Lernschwierigkeiten erleichtern

Zielgruppe

  • inklusive Gruppen
  • Kinder ab 8 Jahren
  • Menschen mit Lernschwierigkeiten jeden Alter

Materialien/Technik

  • Rechner/Laptops, Internetverbindung
  • Digitalkameras oder Smartphones (Teilnehmende bringen Geräte mit)
  • DIN-A5-Collegeblöcke, bunte Klebezettel
  • Fotopapier
  • Farbdrucker
  • SD-Kartenleser, USB-Stick
  • Beamer

Zeitbedarf

  • ein Projekttag (6 UE) oder verteilt auf zwei Projektnachmittage

Durchführung

Vorbereitung

  • Blog über eine Blogsoftware erstellen, Unterseiten mit projektbezogenen Überschriften benennen.
  • Collegeblöcke mit einem passenden Bild bekleben, welches auch auf der Startseite des Blogs eingebunden wird.

Einführung

  • Der erstellte Blog wird über einen Beamer an die Wand geworfen. Es wird gezeigt, wo und wie man sich einloggt.
  • Die Unterseiten werden angesehen und gemeinsam wird überlegt, welche bekannten Symbole zu den Titeln der Unterseiten passen. Beispiele: Für den Begriff “Home” könnte ein Haus als Symbol verwendet werden. Für den Begriff “Start” könnte das Anfangsfeld von Monopoly benutzt werden.
  • Die festgelegten Symbole werden auf die Klebezettel gemalt oder die Symbole werden ausgedruckt und aufgeklebt.
  • Collegeblock-BlogJeder erhält einen Collegeblock und den Auftrag, diesen individuell zu gestalten, z. B. seinen Namen draufzuschreiben.
  • Die Collegeblockseiten werden mit den Klebezetteln in mehrere Abschnitte eingeteilt. Die Reihenfolge der Klebezettel entspricht der Reihenfolge der Unterseiten auf dem Blog.

Selbstständig Inhalte erstellen

  • In der Rubrik Ich können sich die Mitwirkenden des Projekts vorstellen. Die anderen Rubriken richten sich nach dem Thema und dem Inhalt des Projekts.
  • Zunächst wird das, was auf dem Blog zu dem Projektthema veröffentlicht werden soll, in den entsprechenden Bereich des Collegeblocks vorgeschrieben. So wird die Erstellung von Online-Inhalten begreifbar gemacht.
  • Je nachdem, wie geduldig die Gruppe ist, können die Teilnehmenden die vorgeschriebenen Texte selbstständig abtippen und auf den Blog stellen. Ansonsten wird das Vorgeschriebene von den Betreuenden abgetippt und eingestellt.

Variante

Häufig haben Menschen mit Lernschwierigkeiten Probleme mit dem Lesen und dem Schreiben. Anstelle von einem Text-Blog kann ein Foto-Blog erstellt werden. Bilder sind ein gutes Mitteilungsmedium für Menschen, die in ihrer Schreibfähigkeit eingeschränkt sind. Die Fotos können auf Fotopapier ausgedruckt und so in den Collegeblock eingeklebt werden, wie sie in den Blog eingestellt werden sollen.

Tipp

  • Die kostenfreie Software Balabolka wandelt Textdateien in MP3 um und liest digitale Inhalte vor. Balabolka ermöglicht so Menschen mit Lernschwierigkeiten, Legasthenie oder Sehbehinderung, Online-Inhalte zu erfassen.
  • Als kostenfreie Blogsoftware empfiehlt sich WordPress, da WordPress verhältnismäßig barrierefrei ist

 

Hinterlasse eine Antwort