Spiele fürs Ohr: Das inklusive Potenzial von Audio-Games – Ein Gastbeitrag von Domingos de Oliveira

Screenshot von Shades of Doom (Audiogame = schwarz ;-))Audio-Games gehören zu den Exoten des Computerspiel-Genres. Dabei bieten sie spannende Möglichkeiten für die inklusive Medienarbeit.

Was sind Audio-Games?

Auch wenn es für viele von uns kaum noch vorstellbar ist, vor einigen Jahren gab es für Blinde nur eine Möglichkeit, Computerspiele zu spielen: Audio-Games. Diese Games vermitteln sämtliche Informationen über Sound, Musik und Sprache und können komplett per Tastatur oder Touch-Display gespielt werden.

Barrieren für Blinde

Jenseits von Audio-Games gibt es kaum Möglichkeiten für Blinde und hochgradig Sehbehinderte, Computerspiele zu spielen. Die große Touch-Revolution ist bisher ausgeblieben. Es gibt nur wenige Games, die gut per Smartphone oder Tablet-PC gespielt werden können. Auch die großen Mainstream-Games sind nicht nur für Blinde schlecht zugänglich, sondern auch für andere Menschen mit Behinderung. Die Möglichkeiten, die Touch-Steuerung oder Bewegungssensoren bieten, um die Spiele für Blinde zugänglicher zu machen, werden bisher kaum genutzt.

Das gilt leider auch für weitere Spielkonzepte wie Bewegungsspiele, wie sie mit Nintendos Wii oder Microsofts Kinect möglich sind. Bislang gibt es nur vereinzelt Konzepte, um etwa die Kinect auch für Blinde interessant zu machen.

Welche Genres gibt es?

Nun mag man meinen, die Bandbreite von Audio-Games wäre begrenzt. Doch es gibt viele Genre-übliche Spiele: Geschicklichkeitsspiele wie MouseKick, Ego-Shooter wie Shades of Doom und Abenteuer-Games wie BlindSide und Strategiespiele wie FreeKick. Natürlich funktionieren komplexere Spiele nicht nur mit Tönen, sondern mit teils professionellen Sprachausgaben. In The Nightjar lotst die Stimme von Benedict Cumberbatch durch ein dunkles Raumschiff, Cumberbatch spielt den Sherlock in der gleichnamigen BBC-Serie.

Bei den reinen Audio-Games, die nur auf Feedback in Form von Tönen und Musik basieren, ist die Spielmechanik allerdings oft schnell ausgereizt. Deswegen können einfache Audio-Games bald langweilig werden. Für Casual Games, die selten oder nur zwischendurch gespielt werden, reicht das aus, aber blinde Power-Gamer – die gibt es auch – wünschen sich mehr.

Viele blinde Gamer möchten konventionelle Computerspiele und auch gemeinsam mit Sehenden spielen können, das ist heute bei kaum einem Mainstream-Computerspiel möglich. Das Thema Game Accessibility wird von der Spiele-Industrie weitgehend ignoriert.

Audio-Games in der Medienbildung

Dennoch können Audio-Games immer wieder Aha-Erlebnisse auslösen. Power-Gamer sind verwöhnt durch Highend-Grafik und professionellen Sound. Sie werden sicherlich nicht durch Audio-Games verführt, aber es sorgt doch für ein Aha-Erlebnis, dass sich ein Computerspiel nur mit Sound gestalten lässt. Die meisten Gamer und Game-Entwickler suchen auch immer wieder neue Spielkonzepte und Interaktionsmöglichkeiten. Natürlich steht das Visuelle im Vordergrund, aber auch die Akustik kann neue Erlebnisse vermitteln.

Nicht- und Wenig-Spieler können mit Audio-Games im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch an das Thema Behinderung herangeführt werden. Viele Menschen sind überrascht, wenn sie erfahren, dass Blinde überhaupt Computer nutzen können. Für noch mehr Verwunderung sorgt der Umstand, dass sich Spiele nur mit Tönen umsetzen lassen. Die Neugier darauf, wie so etwas funktioniert, lässt auch Wenig-Spieler zur Tastatur greifen.

Viele Audio-Games sind kostenlos oder für einen geringen Preis erhältlich. Eine große Auswahl findet sich auf Audiogames.net. Die meisten Games sind für die Windows-Plattform erschienen, vereinzelt gibt es auch Spiele für Linux, den Mac sowie iOS und Android.

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Ein Kommentar zu “Spiele fürs Ohr: Das inklusive Potenzial von Audio-Games – Ein Gastbeitrag von Domingos de Oliveira”

  1. […] Wohl bei allen Besuchern hat es ein Aha-Erlebnis gegeben. Auch wenn die Spiele selbst nicht immer überzeugen, grenzt es für viele Besucher an ein Wunder, dass es überhaupt möglich ist, ein Spiel nur mit Sound umzusetzen. Ich bin mir sicher, dass einige die Spiele auch zuhause ausprobieren werden. Es geht dabei nicht um die pädagogisch aufgeladene Frage „Was lernen wir daraus?“, sondern einfach ums spielen und ums Spaßhaben. Ich fühle mich auch in der Annahme bestätigt, das Ausprobieren immer nachhaltiger wirkt als wohlgemeinte Vorträge. […]

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