Inklusive OT Ohmstraße wird neues Kompetenzzentrum für inklusive Medienarbeit. Bianca Rilinger im Gespräch

Logo der Inklusiven OT Ohmstraße

Die Inklusive OT Ohmstraße arbeitet schon lange inklusiv und auch schon länger mit Medien, wie man öfter hier nachlesen konnte. Nun wird die Kölner Jugendeinrichtung Kompetenzzentrum für Inklusive Medienarbeit in unserem Netzwerk. Anlässlich dessen haben wir der pädagogischen Leiterin Bianca Rilinger ein paar Fragen gestellt. Über die aktuellen inklusiven (Medien-) Angebote der Inklusiven OT Ohmstraße kann man sich hier informieren.

Nimm!: Die Inklusive OT Ohmstraße arbeitet ja schon sehr lange inklusiv. Wer hatte die Idee, Medienprojekte in die Jugendarbeit zu integrieren? Was waren die Ziele?

Bianca Rilinger (BR): Ich glaube, es war ein Prozess. Wir konnten täglich beobachten, dass Medien im Leben unserer Kinder und Jugendlichen immer wichtiger wurden, und besonders unsere Besucherinnen und Besucher mit Behinderung auf diesem Feld stark benachteiligt waren. Facebook, Snapchat, Youtube, Instagram: Für die einen selbstverständlich, für die anderen unvorstellbar. Unser Geschäftsführer Ralf Werheid war derjenige, der gesagt hat, wir müssen uns dieses Themas annehmen. Daraus entstand unser dreijähriges Medienprojekt, gefördert durch Aktion Mensch. Unser Ziel war zu Beginn wirklich allen Jugendlichen, mit und ohne Behinderung, Zugang zu Medien zu ermöglichen, ihre Interessen und Fähigkeiten herauszufiltern und entsprechend Angebote zu platzieren.

NImm!: Wie kommen die Medienprojekte bei den Jugendlichen an? Werden die Angebote gerne wahrgenommen oder gibt es Berührungsängste?

BR: In den letzten Jahren konnten wir feststellen, dass je länger und intensiver wir Medienprojekte anbieten, umso größer die Nachfrage ist. Ich glaube, das liegt zum Einen daran, dass wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter uns weitergebildet haben auf dem Gebiet und mutiger geworden sind, insbesondere was die Gestaltung und Themenfindung angeht. Am Anfang haben wir aus Unsicherheit jedes Thema von vorne bis hinten durchdacht. Jetzt kommen unsere Jugendlichen mit eigenen Themen und Ideen für Projekte. Zum Anderen glaube ich auch, dass unseren Besucherinnen und Besucher die Freiwilligkeit, das Ausprobieren und das gemeinsame Gestalten von Projekten enorm wichtig ist. Je freier die Angebote gestaltet sind, umso größer ist die Nachfrage an Angeboten.

Nimm: Wie weit können sich die Jugendlichen selbst beim Angebot bzw. der Ausgestaltung von Medienprojekten einbringen?

BR: Wir setzen einen Rahmen sowie einen thematischen Impuls und unsere Besucherinnen und Besucher bestimmen in der Regel ziemlich selbstbestimmt, wo die Reise des Projektes hingeht. Da sie immer sicherer im Umgang mit der Technik werden, wächst unser Vertrauen, ihnen immer mehr Aufgaben zu überlassen. Wir begleiten die Projekte in der Regel und unterstützen bei Hilfebedarf, geben Denkanstöße und moderieren Findungsprozesse.

Nimm!: Gibt es bestimmte Medien, Techniken und Anwendungen, die Sie bevorzugt einsetzen? Welche Medien würden Sie gerne noch mehr nutzen?

BR: In den letzten Jahren haben wir uns viel mit Foto-und Videoarbeit auseinandergesetzt. Besonders gerne nutzen wir bei der Videoarbeit die Schnittprogramme Movie Maker oder iMovie, da sie den Jugendlichen bekannt und gut erreichbar sind. Bei der Bildbearbeitung nutzen wir Photoshop und für Comics benutzen wir gerne Comic Life, da die App leicht verständlich ist. Durch die Erfahrungen im letzten Jahr mit Audiodeskription und Hörspiel möchten wir uns 2018 besonders mit Audioaufnahmen beschäftigen.

Nimm!: Wie gehen Sie auf die unterschiedlichen Bedarfe der Teilnehmenden in den inklusiven Medienprojekten ein? Gab es auch bereits besondere Herausforderungen in den inklusiven Projekten und wie wurde darauf reagiert?

BR: Natürlich ist es besonders mit einer inklusiven Gruppe ein Projekt durchzuführen, hier kommt es auf gute Planung und Flexibilität an. In der Regel führen wir größere Projekte immer zu zweit durch, um bei Schwierigkeiten einen größeren Hilfebedarf abdecken zu können und die restliche Gruppe nicht am Weitermachen zu hindern. Da wir unsere Besucherinnen und Besucher in der Regel gut kennen, wissen wir, wo ihre Interessen und Abneigungen sowie Stärken und Hilfebedarfe liegen und können hier ansetzen: Wir stellen allen frei, welche Rolle sie in den Projekten einnehmen möchten. Alles basiert auf Freiwilligkeit. Natürlich kommt es zum Beispiel bei Themenfindungen oder längeren Besprechungen zu Situationen, in denen Teilnehmende sich verweigern oder genervt sind, weil alles so lange dauert. Aber dann ist es unsere Aufgabe ein Klima zu schaffen, mit dem alle einverstanden sind, um gut und gemeinsam arbeiten zu können. Dabei ist unser multiprofessionelles Team eine echte Bereicherung.

Nimm!: Gab es Dinge, die nicht funktioniert haben? Warum haben diese nicht funktioniert? Gab es bereits Ereignisse, Aktionen etc., bei denen Sie bezüglicher einer inklusiven Umsetzung an Grenzen kamen?

BR: Insbesondere an Projekttagen, wo es darum geht, viel Inhalt zu klären und zu vermitteln, passiert es schon mal, dass wir an unsere Grenzen kommen und Teilnehmende, die auf Grund ihrer Behinderung den Inhalten nicht immer folgen können, aus der Reihe tanzen, provozieren oder es zu Stress kommt. Dann kam es auch leider schon vor, dass ein Teilnehmer vom Angebot ausgeschlossen werden musste. Ansonsten sind wir bisher noch nicht in Situationen gekommen, in denen die Behinderung eines Kindes oder Jugendlichen hinderlich für den Zugang zum Projekt war, da wir in der Lage sind Hilfestellungen zu leisten.

Nimm!: Was finden Sie richtig toll, wenn Sie an Medienprojekte denken? Was nervt Sie extrem ab, wenn Sie an Medienprojekte denken?

BR: Wenn ich an Medienangebote denke, finde ich es total toll, dass man so wahnsinnig kreativ sein kann und dass man sich auch als Laie in unsere regelmäßig genutzte Technik sowie Software schnell und fast intuitiv einarbeiten kann. Mit dem Wissen gehe ich total gerne an neue Projekte ran und zeige den Teilnehmenden, dass auch ich, die keine Ahnung hatte, das Programm nutzen kann. Extrem nervig an Medienprojekten finde ich die Technik an sich. Wenn irgendwas hakt, klemmt oder mal nicht will, steht das Projekt still. Dann die Ruhe zu bewahren, sich um die Technik zu kümmern und eine Gruppe zu betreuen, ist wirklich eine Kunst, besonders wenn zehn genervte Jugendliche neben einem sitzen und ihr Projekt finalisieren wollen.

Nimm!: Was fehlt Ihnen, um noch mehr Medienprojekte in der Ohmstraße umzusetzen? Welche Unterstützung wünschen Sie sich?

BR: Um noch mehr medienpädagogische Angebote in der OT anbieten zu können, benötigen wir die Finanzierung von geeignetem Personal, das sich sowohl mit medienpädagogischer Arbeit als auch mit den besonderen Bedürfnissen einer Inklusiven Gruppe auskennt.

Nimm!: Ihr Fazit zum Thema “Medienarbeit in der OT Ohmstraße”?

BR: Ich glaube, wir haben eine ziemlich gute Entwicklung im Bereich der Medienarbeit hingelegt. Von einem Projekt mit einer Kollegin, die dieses betreut hat, sind wir zu einer Einrichtung gewachsen, in der drei Kolleginnen regelmäßig vielfältige Medienprojekte anbieten, die von unseren Besucherinnen und Besuchern rege genutzt werden. Aber besonders stolz bin ich darauf, dass wir es in der Inklusiven OT Ohmstraße schaffen, so viele Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen an unseren Medienprojekten teilhaben zu lassen und sich daraus einige Talente entwickelt haben.

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