Haus der Geräusche: Über Wahrnehmung, Selbstwirksamkeit und soziales Lernen – Ein Gastbeitrag von Klaus Tembrink

Haus der GeräuscheDas Haus der Geräusche wurde als inklusives Projekt für eine kleine Gruppe von sechs Kita-Kindern umgesetzt. Drei Kinder mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen entdeckten gemeinsam mit den anderen ganz individuell die Welt der Geräusche. In sechs Einheiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Geräusche erzeugen, Geräusche aufnehmen und Geräusche „sichtbar“ machen) kamen unterschiedliche Medien zum Einsatz um gemeinsam das Spiel „Das Haus der Geräusche“ zu entwickeln.

Projektverlauf

Haus der GeräuscheIn einer ersten Einheit konnten die Kinder in der Bewegungshalle der Kita mit Hilfe eines „Geräuschekoffers“ verschiedene Geräusche erzeugen. Luftballons mit unterschiedlichen Füllungen wurden aufgeblasen. Es wurde gequietscht, Luftballons wurden fliegen gelassen, um die Luft entweichen lassen, oder sie wurden zum Platzen gebracht. Die Bewegungshalle bot viel Platz um mit den Luftballons zu experimentieren und dem Bewegungsdrang der Kinder entgegenzukommen.Beim zweiten Termin wurden unterschiedliche Geräusche mit Luftballons, Kokusnussschalen, Folien… erzeugt und anschließend mit einem Aufnahmegerät (Easi-Speak-Mikrofone) „eingefangen“ und angehört. Die Kinder waren fasziniert die eigene Stimme über die eingesetzten Kopfhörer zu hören.

Haus der GeräuscheDie dritte Einheit wurde von Digitalkameras begleitet. Jetzt wurden die Gegenstände oder Orte, die Geräusche erzeugen, abfotografiert. Auch hier machte es Spaß, sich gegenseitig zu fotografieren und sich auf den Fotos zu betrachten. Durch das Zusammenbringen von Bild und Geräusch konnte in der vierten Einheit ein erstes „Geräusche-Memory“ gespielt werden. Der Übertrag vom gewohnten Memory zum Geräusche-Memory fiel den Kindern aber eher schwer und die Konzentration ließ schnell nach.

In den letzten beiden Einheiten wurde das „Haus der Geräusche“ (Holzhaus im Setzkastenformat) eingesetzt. Die Kinder hörten über Kopfhörer oder Anlage ein Geräusch und mussten am jeweiligen Ort des Geräusches ein vorher verstecktes Foto finden, abholen und in das Haus einsetzen.

So wurde das Geräuschememory mit Bewegung gepaart, was der Motivation und Konzentration aller Kinder entgegen kam. Wurden alle Geräusche erkannt und die passenden Fotos gefunden und eingesetzt, war das Spiel zu Ende. Das Haus der Geräusche lässt sich nun jederzeit durch weitere Geräusche und Fotos erweitern.

Ergebnisse

Haus der GeräuscheDie Kinder strahlten bei dem Projekt sehr viel Freude aus. Die spielerische Art, die auditive Wahrnehmung mit digitalen Medien zu fördern, kam allen Kinder sehr entgegen. Das Wahrnehmen der eigenen Stimme über Kopfhörer und das Produzieren von Fotos führte immer wieder zu deutlich sichtbaren Erfolgserlebnissen – z. B. den Gebrauch der Digitalkamera mit vier Fingern. Die individuellen Handicaps der Kinder machten aber an unterschiedlichen Punkten klar, wie jeder Einzelne seinen Zugang zum Thema finden muss. Während z.B. die einen (ob körperbehindert oder entwicklungsverzögert) mit großer Spielfreude die Luftballons durch die Bewegungshalle jagten, war es für das Kind mit autistischen Zügen wichtig, gemeinsam mit einem Erzieher seinen eigenen Zugang zu finden.

Fazit

Haus der GeräuscheDie sofort sicht- und hörbaren Ergebnisse in Bild und Ton führte zu vielen Interaktionen zwischen den Kindern und Pädagogen; die einfach zu bedienenden digitalen Medien ermöglichten den Kindern selbstwirksam zu agieren. Alle wollten ihre Ergebnisse direkt präsentieren und bekamen unmittelbar Rückmeldung zu ihren Werken. Dies hatte wiederum Auswirkung auf das Selbstwertgefühl und auf die Motivation an dem Projekt teilzunehmen. Das eigene Handicap spielte untereinander keine Rolle, alle waren hoch motiviert. Jeder war akzeptierter Teil der Gruppe und wichtig um das Spiel „Haus der Geräusche“ erfolgreich durchzuführen.

Kontakt

Klaus Tembrinkwww.tembrink.net
info[at]tembrink.net

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