Geschafft! Filmprojekt im Medienlabor des Bennohauses mit Audiodeskription und Untertitel – Von Selma Brand

Teilnehmende des Filmprojekt mit Kopfhörern vor dem Laptop beim FilmschnittDas Filmteam hat sich in den folgenden Tagen redlich Mühe gegeben, all das, was Rose ihnen bei dem Treffen am Montag erzählt hat, in die Tat umzusetzen. Neben der Tatsache, dass man schon beim Drehen darauf achten sollte, genug Zeit für die Untertitel zu lassen, achteten die Jugendlichen auch darauf, dass nur wichtige Dinge für die Audiodeskription beschrieben wurden, um auch Musikeinlagen wirken lassen zu können.

Außerdem mussten sie aufpassen, dass sie nichts vorwegnehmen oder verraten, was die sehenden Zuschauer evtl. noch gar nicht bemerkt haben. Carla, die in der Sendung die Nachrichtensprecherin spielt, sagte kurz vor Drehbeginn zum Kamerateam: „Was haltet ihr davon, wenn ich mir, nachdem ich mich hingesetzt habe, noch die Knöpfe meiner Jacke zumache? Dann könnte man mich gut in der Audiodeskription beschreiben?“ Genauso wurde die Szene umgesetzt. Natürlich wurde während der Filmarbeit auch auf die gewohnten Details viel Wert gelegt: „Ich möchte gerne Bodenkannen [eine Art Scheinwerfer] für rotes und blaues Licht und wir benötigen noch ein Richtrohr, sowie ’ne weitere Kamera““ ist nur ein Zitat aus der Woche, das verdeutlicht, dass hier wirklich junge Nachwuchsregisseure und Filmprofis am Werk waren.

Filmaufnahme vor GreenscreenWie oft bei den Projekten des Bennohauses produzierten die Jugendlichen die Musik für ihre Beiträge selbst und achteten natürlich besonders darauf, dass die Stimmung der jeweiligen Szene perfekt wiedergegeben wird, denn auch das unterstützt die Audiodeskription. Obwohl die Gruppe mit 10 Teilnehmenden für einen Film sehr groß war, gab es für alle etwas zu tun. Als am letzten Tag die Szenen fertig geschnitten waren, wurden die Sätze für die Audiodeskription aufgenommen.

Außerdem thematisierte die Gruppe noch andere Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel eine Hörbeeinträchtigung. „Ist ja klar!“ sagte Tom „damit die unseren Film genauso verstehen, legen wir noch Untertitel darunter!“. Das dieses in der kurzen Zeit nicht auch noch final realisiert werden konnte, stört Medientrainer Jacco wenig. Begeistert erzählt er im Interview von der Motivation der Kinder, das Projekt zu realisieren: „Es war toll zu sehen, wie das Filmteam nach dem Gespräch mit Rose und der praktischen Übung bei jeder Szene eigenständig daran dachte, wie die Audiodeskription aussehen würde und wie viel Zeit sie einnimmt. Für die Kids war klar, dass nicht wie sonst der fertige Film das Endergebnis ist, sondern ganz klar das Wochenziel erst erreicht ist, wenn jede Stelle beschrieben wurde. Das haben wir am Ende auch geschafft.“

Der Film wird vom Bennohausteam nun in Absprache mit den Jugendlichen mit Untertiteln versehen. Bei der Planung hierzu gab es auch im Team weiteren Klärungsbedarf: „Soll man wirklich alles aufschreiben, was man hört?“ „Was passiert, wenn mehrere Leute gleichzeitig sprechen?“ „Wie sollen wir die Untertitel einfärben und gestalten? Gibt es dafür feste Regeln?“ Die Antwort auf diese Fragen finden alle Interessierten ab September auf der Jugendplattform von Nimm!, wo der Film nach der Premiere veröffentlicht wird.

Junge Filmgruppe um Tisch, Rose refereriertFür alle diejenigen, die sich mit ihrer Filmgruppe auch dem Thema Barrierefreiheit widmen wollen, empfiehlt Jacco: „Die Gruppe sollte schon Filmerfahrung haben, sonst ist es einfach zu viel Neues auf einmal. Und eine entspannte Sensibilisierungsphase ist wichtig, in der die Fragen der Gruppe auch zu Beeinträchtigungen an sich geklärt werden können. Hat man die Möglichkeit, jemand wie Rose einzuladen, ist das natürlich perfekt. Alternativ bzw. ergänzend sollte man verschiedene kurze Filmausschnitte mit und ohne Audiodeskription betrachten und diskutieren. Insgesamt lief die Woche sehr gut, ich kann mir gut vorstellen, ähnliche Projekte mit Jugendlichen noch öfter durchzuführen.“

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