Zwei Jungen stehen in einem Raum, einer hält eine schwarze Tube, der andere Junge hält ein Mikrofon. Mehrere Personen sitzen an einem Tisch mit Laptops und Musikequipment.

Unsere Generation – unser Sound. Mit digitalen Medien die eigene Welt hörbar machen

Ein Praxisbericht von Julia Wilksen

Wie klingt eigentlich unser Alltag? Welche Geräusche gehören zu unserer Stadt, welche Stimmen zu unserer Generation? Und was passiert, wenn daraus gemeinsam ein Musikstück entsteht?

Diesen Fragen gingen acht Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren beim zweitägigen Audio- und Soundworkshop „Unsere Generation. Unser Sound“ des Jugendkulturbüros Lüdenscheid nach. Der Workshop setzte dabei bewusst auf einen niedrigschwelligen Zugang zu digitaler Medienarbeit: Vorkenntnisse waren nicht erforderlich. Statt fertige Inhalte zu konsumieren, konnten die Teilnehmenden selbst aktiv werden, eigene Ideen entwickeln und digitale Werkzeuge und analoge Materialien kreativ einsetzen.

Fünf Jugendliche in einem Soundstudio, drei sitzen am Tisch mit Laptop und Keyboard, zwei stehen und halten eine schwarze Tuba. Ein Junge spielt die Tuba, der andere hält ein Mikrofon in die Tuba-Öffnung.

Unter Anleitung des Medienpädagogen und Musikproduzenten Mathis Taler lernten die Jugendlichen die Grundlagen von Audioaufnahme und digitaler Audiobearbeitung kennen. Mit Mikrofonen ausgestattet gingen sie auf „Sound-Jagd“ durch die Lüdenscheider Innenstadt und sammelten Geräusche aus dem Alltag. Dazu kamen eigene Stimmen, Interviews, Gesang, Rap sowie Töne von mitgebrachten Instrumenten und Alltagsgegenständen. Im mobilen Tonstudio wurden die Aufnahmen anschließend gemeinsam in einer professionellen Digital-Audio-Workstation bearbeitet, verfremdet und zu einer gemeinsamen Soundcollage zusammengesetzt.

Dabei ging es nicht nur um technische Fähigkeiten. Die Teilnehmenden setzten sich mit ihrer eigenen Wahrnehmung auseinander und entschieden selbst, welche Geräusche, Stimmen und Inhalte Bestandteil des fertigen Stücks werden. Die pädagogische Begleitung verstand sich dabei als Unterstützung und Impulsgeber – die kreative Regie blieb bei den Jugendlichen. So wurde Medienarbeit zu einem Raum für Selbstwirksamkeit, Kreativität und Beteiligung.

Der Workshop-Leiter hält einem Jungen ein Mikrofon hin. Zwei weitere Jugendliche sitzen an einem Tisch mit zwei Keyboards und Snacks.

Auch der inklusive Ansatz wurde praktisch umgesetzt. Zwei Teilnehmende hatten einen Förderbedarf, zwei weitere waren geflüchtet. Klänge, Stimmen und nonverbale Ausdrucksformen ermöglichten unterschiedliche Zugänge, unabhängig von sprachlichen, kognitiven oder sozialen Voraussetzungen.

„Unsere Generation. Unser Sound“ zeigte damit, wie digitale Medienbildung und kulturelle Teilhabe miteinander verbunden werden können: Junge Menschen lernen Medien nicht nur zu bedienen, sondern nutzen sie, um ihre eigene Perspektive auszudrücken und gemeinsam etwas ganz Individuelles zu schaffen. Am Ende stand deshalb nicht nur ein fertiges, wirklich witziges Musikstück über die Stadt Lüdenscheid, sondern vor allem die Erfahrung, mit der eigenen Stimme und den eigenen Ideen etwas bewirken zu können.

Jetzt reinhören: So klingt unsere Generation

Aus vielen Stimmen, Geräuschen und Ideen sind ganz eigene Musikstücke entstanden. Hier könnt ihr die finalen Songs anhören, die die Jugendlichen im Workshop gemeinsam produziert haben.