Ein Praxisbericht von Melanie Leusch
Am 22.10.2025 fand in der Inklusiven OT Ohmstraße ein interaktiver Jugendworkshop zum Thema „Fake News erkennen“ statt. Die teilnehmenden Jugendlichen kannten sich bereits aus der Inklusiven OT Ohmstraße, sodass auf eine klassische Kennenlernrunde verzichtet werden konnte. Stattdessen starteten wir direkt inhaltlich.
Zum Auftakt saßen alle Teilnehmenden gemeinsam im Stuhlkreis. Die Projektleitung eröffnete das Gespräch mit der einfachen, aber wirkungsvollen Frage: „Benutzt ihr Instagram – und ist euch da schon mal etwas Komisches aufgefallen?“
Fast alle meldeten sich. Schnell entstand ein Austausch darüber, dass Daten auf Social Media anders verwendet werden und dass schon mehrfach zweifelhafte oder offensichtlich falsche Inhalte aufgepoppt sind.
Mattia brachte es direkt gut auf den Punkt: „Manchmal sieht man was und denkt: Das kann doch nicht echt sein… aber irgendwie glaubt man’s trotzdem kurz.“

Im nächsten Schritt durften alle Jugendlichen ein Instagram- oder TikTok-Video auswählen und der Gruppe präsentieren. Gemeinsam wurde analysiert:
- Welche Elemente wirken unecht?
- Wo sieht man unechte Dinge?
- Was macht das Video glaubwürdig oder eben nicht?
Auf diese Weise konnte niederschwellig mit den Jugendlichen herausgearbeitet werden, was „Fake News“ sind. Die Jugendlichen gingen sehr aufmerksam und kritisch vor. Sie entdeckten häufig Details, die auf den ersten Blick leicht zu übersehen waren.
Nach dem ersten Austausch legte die Projektleitung zwei große Symbole in die Mitte des Stuhlkreises:
- Grüner Daumen = echtes Profil
- Roter Daumen = gefälschtes Profil
Rundherum wurden verschiedene Instagram-Profile ausgelegt. Einige waren authentisch, andere waren eindeutig oder subtil gefälscht. Manche hatten manipulierte Profilbilder, andere komische Schreibweisen oder unrealistische Follower*innenzahlen. Einige Fake-Profile waren KI-generiert, andere bewusst irreführend gestaltet.
Gemeinsam ordneten die Jugendlichen die Profile den beiden Daumen zu.
Dabei achteten sie unter anderem auf:
- Bildqualität, Deepfake-Merkmale, KI-generierte Gesichter
- auffällige Schreibfehler im Namen oder in der Bio
- untypische Anzahl an Followern/Follows
- fehlende oder verdächtige Highlights und Story-Inhalte
- gefälschte blaue Haken
- merkwürdige Kombinationen aus Profilbild und Beitragsinhalt
Die Gruppe arbeitete überraschend präzise. Manchmal waren sie sich sofort einig, manchmal gab es Diskussionen, weil Fake-Profile heute immer realistischer aussehen. Keno brachte es zwischendurch treffend auf den Punkt: „Krass… manche Fake-Profile sehen echter aus als die echten.“

Im Anschluss wurden alle Zuordnungen gemeinsam besprochen:
Was hat sofort Aufmerksamkeit erregt? Welche Hinweise verraten ein Fake-Profil? Und welche Profile waren besonders tricky?
Nach einer kleinen Pause ging es weiter mit realen Zeitungsartikeln und künstlich erstellten Fake-Artikeln. Welche Nachrichten sind glaubwürdig – und welche wurden verfälscht, übertrieben oder komplett erfunden?
Die Jugendlichen identifizierten typische Merkmale von Fake News:
- fehlendes Datum
- kein Autor
- unsaubere Schreibweise
- extreme oder emotionale Überschriften
- nicht nachvollziehbare Quellen
Ihre Beobachtungen hielten sie schriftlich oder zeichnerisch fest. Manche erstellten kleine Skizzen, andere Listen.
In einer weiteren kreativen Einheit gestalteten die Jugendlichen mit Book Creator eigene kleine Info-Seiten zu folgenden Themen:
- Woran erkennt man gefälschte Instagram-Profile?
- Wie sieht ein echtes Profil aus?
- Welche Merkmale haben falsche oder KI-erstellte Zeitungsartikel?
Dabei entstanden kurze Hinweise für andere Jugendliche und sogar Beispiele. Ziel war es, Wissen nicht nur zu verstehen, sondern auch weiterzugeben und für andere Jugendliche zugänglich zu machen.
Zum Abschluss wurde in der Runde bereits ein kleiner Ausblick geteilt.
Der nächste Workshop könnte sich auf KI-generierte Videos konzentrieren.
Denn viele Jugendliche merkten an, wie spannend, aber auch wie verwirrend, KI-Inhalte mittlerweile sind.
Die Jugendlichen teilten zudem mit, dass sie diesen Workshop hilfreich fanden, um Fake News und Fake Instagram Profile zu erkennen. Sie würden einen Workshop dieser Art gerne wieder besuchen.
