Einführung in die Comicarbeit in der Inklusiven OT Ohmstraße – Bericht über den Comicworkshop von Selma Brand

Jugendliche bearbeiten Comic am Computer

Die Produktion eines Comics wird bei Medienprojekten immer beliebter. Das Format ist vielen Jugendlichen bekannt, mit neuer Technik (Apps auf dem Tablet) oder dem Programm Comic Life lassen sich in wenigen Arbeitsschritten schnell beeindruckende Ergebnisse erstellen. Die Inklusive OT Ohmstraße hat im Rahmen des Projekts Nimm! on tour ebenfalls einen Comic produziert.

Für die Arbeit mit der sehr heterogenen Gruppe (acht 12-15-jährige Jugendliche mit und ohne Behinderung) war es wichtig, dass alle den gleichen Wissensstand erlangen und verstehen, was das Ziel des Comics ist. Die Teilnehmenden haben sich zuerst im Internet informiert, was einen Comic ausmacht. Ben, 12 Jahre: „Ich kenne eigentlich eher Comics für Kinder, die sind schön bunt und es gibt nicht so viel Text. Aber es gibt auch Comics für Erwachsene; die erkennt man oft daran, dass die Menschen da „eckiger“ sind. Und manchmal gibt es ganz schön viel Text.“

Jugendliche malen ein Storyboard

 

 

 

 

 

 

 

 

In der folgenden Einheit haben die Jugendlichen viel „analoges“ Material wie Papier, Stifte, Zeitschriften erhalten und konnten so ihren eigenen Comic erstellen. Sie haben sich eine kleine Geschichte überlegt, dann Personen aus den Zeitschriften ausgeschnitten und mit Hilfe von selbst geschriebenen Sprechblasen zum Leben erweckt. Die Form des Storyboards wurde dabei von den Jugendlichen sehr unterschiedlich gewählt: Während einige ganz grade Linien zogen, um gleich große Kästchen für ihre Geschichte zu erhalten, verteilten andere verschieden große Kästchen verstreut auf ihrem Comic, je nachdem, wie viel im jeweiligen Bild zu sehen ist bzw. wie groß das Bild ist.

Die begleitende Medienpädagogin Melanie wies auf das große Interesse der Jugendlichen für Einheiten ohne Technik hin: „Ich finde es total wichtig, dass man bei einem Medienprojekt nicht durchgehend an irgendeinem Gerät arbeitet. Es ist beeindruckend zu sehen, mit welchem Feuereifer die Jugendlichen auch über einen längeren Zeitraum bereit sind, zu basteln und sich mit herkömmlichen Gestaltungsmethoden zu befassen – sie wollten  nach den zwei Stunden gar nicht nach Hause gehen. Es war bei der Einheit ganz ruhig im Raum, alle haben konzentriert geschnitten, geklebt und gemalt. Eine solche Kreativeinheit zwischendurch gibt den Jugendlichen einen entspannten Raum, um sich auszuprobieren und neue Wege zu gehen. Die befassen sich ganz neu mit der Thematik ‘Comic’, was für die weitere Arbeit sehr hilfreich ist.“

Poster, auf dem Assoziationsbegriffe rund um Vielfalt aufgeschrieben sind

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der folgenden Einheit plante die Gruppe dann die eigentliche Geschichte: Superheldencharaktere begegnen echten Menschen aus Köln. Dabei kam auch die Frage auf, was eigentlich ein Superheld ist. Kira, zu einem Mädchen mit Lernschwierigkeiten: „Ein Superheld muss irgendetwas besonderes können. Er darf aber auch Fehler haben. Du bist zum Beispiel manchmal langsamer als andere, aber du kannst total gut UNO spielen.“ Maria, 15, ergänzt: „Ja, und du bist schon länger als wir alle in der Mediengruppe. Du bist ein Foto- und Filmprofi.“

Die Leiterin der Inklusiven OT Ohmstraße, Bianca Rilinger, sagte später, dass alle ihre Angebote inklusiv sind und man dieses eigentlich gar nicht betonen müsste. Der Umgang in den Gruppen miteinander beeindrucke sie aber schon. „Wo Erwachsene oft unsicher drumrum reden, sind die unterschiedlichen Fähigkeiten für die Jugendlichen kein Tabuthema. Dadurch entsteht eine sichere Gruppenkonstellation, die tolle Ideen umsetzen kann.“

Der Comic wurde in mehreren weiteren Treffen fertig gestellt und wird nun sogar als Heft gedruckt.

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