k50 – Schülermagazin und Netzwerk: Ein Gastbeitrag von Anja Tischer

Schülerredaktion k50 aus der Vogelperspektive fotografiertGeht es um das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen, steht Deutschland im UNICEF-Bericht auf Platz 22 von 29 Industrienationen. Viele Schülerinnen und Schüler spüren, dass ihre Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe begrenzt sind. Hier setzt der Verein junge Stadt Köln e.V. an. Seit Oktober 2012 initiiert der gemeinnützige Verein ein Projekt, durch das Jugendliche mit und ohne Behinderung ihre Gesellschaft aktiv mitgestalten: k50 Das Schülermagazin für Köln und Region. Ob Förderschule, Gymnasium, Berufskolleg oder Gesamtschule – im Unterschied zu herkömmlichen Schülerzeitungen arbeiten bei k50 Jugendliche aus verschiedenen Schulformen. Sie entscheiden über die Themen, sie schreiben die Artikel.

Unabhängig von Herkunft und Bildungsstand

Schüler/innen bei einem Leidmedien-Workshop

Über Menschen mit Behinderung schreiben: ein Workshop von Leidmedien.de

So berichtete im Juni 2013 eine Schülerin über Markus Rehm, Leichtathlet im Behindertensport. Das Thema betrifft nicht nur die Lebenswirklichkeit der Redakteurin, die eine Förderschule besucht, sondern verdeutlicht zugleich das besondere Anliegen von k50: Alle Jugendlichen in Köln und Umgebung sollen mitarbeiten können, unabhängig von Herkunft oder Bildungsstand. Deshalb arbeiten auch Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam an Artikeln, was die Themenvielfalt enorm bereichert. Rund 20 Redakteurinnen und Redakteure im Alter von 14 bis 19 Jahren gehören zur Stammredaktion. Hinzu kommen Jugendliche, die sich zeitweise an einzelnen Ausgaben beteiligen. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 40 Jugendliche für k50 tätig.

Das Ziel: Persönlichkeitsbildung

2 Schülerredakteurinnen im Interview mit dem Musiker Gentleman

Das rockt! k50 trifft den Musiker Gentleman

Vom Erfahrungsbericht über ein Austauschprojekt in Afrika bis hin zur Ode an Zombie-Computerspiele – Die Schülerinnen und Schüler sind Reporter ihrer Lebenswelt und äußern sich über Berichte, Reportagen, Interviews, Buchbesprechungen oder Konzertkritiken. Das übergeordnete Ziel von k50 ist, Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung in ihrer Persönlichkeitsbildung zu unterstützen. Durch die Arbeit an dem Magazin entwickeln sie Eigenständigkeit, Selbständigkeit und Selbstbewusstsein. Sie eignen sich kulturelle Inhalte an, entdecken Berufe und können ihre Umgebung aktiv gestalten.

So fing alles an

Die erste Ausgabe des Schülermagazins erschien im März 2013. Seither gehen alle drei Monate insgesamt 20.000 Exemplare in Druck. Parallel berichten die Redakteurinnen und Redakteure auf der zugehörigen Website. Der Kooperationspartner Känguru Colonia Verlag koordiniert die grafische Gestaltung und die Produktion des Magazins. In den Räumen des Unternehmens entstand auch die Idee für k50.

Herzstück: Redaktionssitzung und Mentoring

Redaktionssitzung von k50!

Journalismus entdecken: k50-Teilnehmer beim Schülerworkshop

Einmal pro Monat versammeln sich die Teilnehmenden zur großen Redaktionssitzung. Die Treffen finden in den barrierefreien Räumlichkeiten von eva e.V. in Köln-Ehrenfeld statt. So können auch Schülerinnen und Schüler mit Rollstühlen problemlos teilnehmen. Mentorinnen und Mentoren, darunter engagierte Studierende, unterstützen die Jungjournalisten bei ihrer Arbeit, begleiten die Schülerinnen und Schüler zu Terminen oder helfen beim Schreibprozess. Zwischendurch verabreden sich Kleinteams zu flexiblen Zeiten, es wird telefoniert, gechattet und geskypt.

Journalistisches Handwerkszeug lernen

Ein Schülerredakteur betrachtet die Leidmedien-Broschüre

Leidmedien-Workshop zur Berichterstattung über Menschen mit Behinderung

In regelmäßigen Workshops zu Themen wie Interview, Recherche oder kreativem Schreiben lernen die Schülerinnen und Schüler das journalistische Handwerkszeug. Im Februar 2014 konnten die Redakteurinnen und Redakteure beispielsweise bei einer Schulung von Leidmedien.de mitmachen. Das Online-Portal setzt sich für eine angemessene Berichterstattung über Menschen mit Behinderung ein. Vertreter der Initiative vermittelten den Jugendlichen, wie sie ohne Stigmatisierung oder Glorifizierung über das Thema Behinderung schreiben.

Und wer bezahlt das alles?

Die vier Mal pro Jahr erscheinenden Ausgaben von k50 liegen in Schulen, Büchereien, Rathäusern oder Freizeiteinrichtungen aus – und zwar kostenfrei. Die Finanzierung von k50 erfolgt zum größten Teil über den Jobstarter. Das ist eine Rubrik im Magazin, die klar vom Schülerteil getrennt ist. Hier haben Unternehmen die Möglichkeit, zum Thema Ausbildung und Studium zu werben. Die Einkünfte fließen zusammen mit Spenden- und Fördermitteln in die Bezahlung der Honorarkräfte des Trägervereins junge Stadt Köln e.V., in die Workshops und in die Produktion des Magazins.

Schülerrepublik: Zusammen geht’s leichter

Lesung mit Buchautorin Anna Seidl: k50 auf der Lit.COLOGNE

Lesung mit Buchautorin Anna Seidl: k50 auf der Lit.COLOGNE

k50 ist außerdem Mitglied des Jugendpressenetzwerks Schülerrepublik. Der Verbund umfasst weitere Schülerzeitungen, die das gleiche Konzept wie k50 haben. Ziel des Zusammenschlusses ist es, ein Bildungsnetzwerk zwischen Jugendlichen, Institutionen und Unternehmen aus der Wirtschaft aufzubauen, das Ausbildungsmöglichkeiten aufzeigt. Mediaberater des Verbands unterstützen die Magazine dabei, überregionale Kooperationen mit Firmen aufzubauen.

k50: Mehr als ein Magazin

k50 auf der Lit.COLOGNE mit der ehemaligen WDR-Moderatorin Angela Maas

k50 auf der Lit.COLOGNE mit der ehemaligen WDR-Moderatorin Angela Maas

Nach zwei Jahren Schülerzeitung steht fest: k50 ist mehr als die Produktion von vier Ausgaben pro Jahr, mehr als die Berichterstattung über Web, Facebook und Twitter. Über die lokalen Kontakte des Kooperationspartners Känguru Colonia Verlag engagieren sich die Teilnehmenden auf Kultur- und Medienevents wie dem Literaturfestival Lit.COLOGNE, dem Medienfest NRW und der Computerspielemesse gamescom. Sie besuchen Unternehmen und entdecken Berufsfelder, es gibt Kooperationen mit der Stadtschulpflegschaft, der Arbeitsagentur und Stadtbibliotheken. k50 versteht sich als Netzwerk, über das Jugendliche ihre Stadt aktiv mitgestalten und über das sie sich zu selbständig denkenden Persönlichkeiten entwickeln. Für seine inklusive Arbeit erhielt das Magazin im Dezember 2013 eine Belobigung beim Kölner Innovationspreis Behindertenpolitik. Im September 2014 war k50 unter den zehn besten Projekten des WDR Kinderrechtepreis.

Infos

www.k50-magazin.de
www.jungestadtkoeln.de
www.schuelerrepublik.de

Autorin

Anja Tischer ist studierte Diplom-Pädagogin. Sie arbeitet als Journalistin und Redakteurin in Köln. www.anjatischer.wordpress.com

Bildrechte: © k50

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