Wo beginnt Inklusion

In einer Radiosendung befasste sich die Radiogruppe Adventure mit KunO. – der Kinderuniversität Oberhausen. KunO. ist ein Projekt der Volkshochschule Oberhausen in Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum der Arbeiterwohlfahrt, sowie verschiedenen Grundschulen und weiterführenden Schulen. Ziel ist, in bestimmten Stadtteilen, Kindern den Zugang zu naturwissenschaftlichen und kulturellen Themen zu ermöglichen.

Bis dahin hört sich das wie eines der vielen sozialen Themen an. Eine gute Absicht, begeisterte Kinder und für die Radiogruppe jede Menge schöner O-Töne. Die Realität, die sich dahinter verbirgt und in vielen Texten mit den üblichen termini technici beschrieben wird, ist jedoch eher schockierend.

Die Stadtteile in Oberhausen wurden in Sozialräumen zusammengefasst, jeweils noch in Sozialquartiere untergliedert. Hier werden verschiedene statistische Daten zur demografischen und sozialen Entwicklung dargestellt. Die Themen sind hier Bevölkerung, Familiäre Situation, Soziale Stabilität, Ökonomische bzw. materielle Lebenssituation, Bildung und Gesundheit. Also ein Spektrum, das alle Aspekte zur Bewertung sozialer Entwicklungen berücksichtigt. Zu den einzelnen Themen werden in Unterthemen konkrete Themen behandelt. Dabei geht es um alleinerziehende Haushalte, schulische Übergänge oder auch um Arbeitslosigkeit.

KunO. - Erkenntnisse über Magnetismus

Kinderuniversität Oberhausen – KunO.

Auf alle Aspekte kann hier nicht eingegangen werden, zumal Schlussfolgerungen aus statistischen Daten einer eingehenden Diskussion bedürfen. Nicht nur für diese Radiosendung, sondern auch für das Thema Inklusion sind einige Daten jedoch sehr interessant. Zeigen sie doch, dass die Fragen inklusiver Themen weiter gehen als Fragen nach behindertengerechten Zugängen zur Gesellschaft.

Um ein Beispiel herauszuheben: Im Sozialquartier Tackenberg-Ost betrug der Prozentanteil der Kinder, die beim Delfin 4 Test Sprachförderbedarf aufwiesen 69,8 Prozent. Eine einzelne Zahl, die man kombinieren muss. Beim Delfin 4 Test werden Kinder im Alter von vier Jahren in Kindertagesstätten von Grundschullehrern auf ihre sprachlichen Fähigkeiten geprüft. Nicht alle Kinder gehen in eine Kindertagesstätte.

Einige  andere Zahlen aus dem Bereich Gesundheit: Anteil der Kinder mit Übergewicht. In Tackenberg-Ost 16,7 Prozent, diesmal kein Spitzenwert, der liegt bei 22,1 Prozent. Kinder mit Auffälligkeit im Bereich der Körperkoordination: Tackenberg-Ost: 33,3 Prozent. Spitzenwert in Oberhausen: 37,5 Prozent. Anteil der Kinder ohne Teilnahme an der Früherkennungsuntersuchung U8: Tackenberg-Ost: 11,8 Prozent. Spitzenwert: 22,5 Prozent. Berücksichtigt man hierbei, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen natürlich nur erfasst werden können, wenn die Kinder an den Untersuchungen teilnehmen, erschrecken die Werte.

Sozialraum Oberhausen

Sozialraum Oberhausen – Kinder mit Sprachbeeinträchtigung

Was nicht in der Statistik erfasst wird, sich in Gesprächen mit den Beteiligten vor Ort häufig zeigt ist ein eher düsteres Bild. Immer mehr Familien, insofern sie es überhaupt noch gibt, sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Etlichen ist die Entwicklung ihrer Kinder auch vollkommen egal. Gesundheitliche Einschränkungen der Kinder werden deshalb häufig gar nicht wahrgenommen oder auch mit der besonderen sozialen Situation der Eltern begründet. Diese sind oft nicht in der Lage oder willens die Situation ihrer Kinder wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren.

Die Stadt Oberhausen ist hier den ersten Schritt gegangen: Nämlich überhaupt statistische Daten zu diesen Fragen zu erfassen. Die Situation in anderen Städten dürfte sich nicht wesentlich unterscheiden.

Die Frage, die sich hier stellt: Wo fängt eigentlich Inklusion an? Oder um einen Lehrer an einer Hauptschule zu zitieren: „Was reden die jetzt alle von Inklusion? Das machen wir seit Jahren!“

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