Wer ist mein Nächster? – Ein Smartphoneprojekt in 2 x 1,5 Stunden mit Konfirmanden in Herzogenrath. Von Dorothea Schui

Jungen vor Laptop beim FilmschneidenEin Medienprojekt in 2 x 1,5 Stunden, geht das überhaupt? Dorothea Schui, Jugendreferentin der Evangelischen Kirchengemeinde Herzogenrath berichtet in diesem Beitrag über ein Smartphone-Projekt mit Konfirmandinnen und Konfirmanden. Das Projekt wurde unterstützt vom aktuellen Nimm!-Angebot 5 Stunden für Inklusion und Coach Selma Brand.Die beiden Konfirmandengruppen der Evangelischen Kirchengemeinde Herzogenrath bestehen aus insgesamt 24 Jugendlichen im Alter von 13 – 15 Jahren. Ein Jahr lang treffen sie sich dienstags für 1,5 Stunden in den zwei Gemeindebezirken, gelegentlich gibt es Wochenendseminare für alle an einem Ort.
Die Jugendlichen besuchen unterschiedlichste Schulformen von Förderschule bis Gymnasium und kommen von 12 verschiedenen Schulen. Das ist spannend, erschwert aber die Organisation. Verabredungen außerhalb der Dienstage zu treffen ist kaum möglich. Inhaltlich sind die Dienstage straff strukturiert, und mit  religiösen Inhalten gefüllt. So ist der zeitliche Rahmen mit maximal zwei Dienstagen sehr eng gesteckt für das Medienprojekt.

Wir wollen Technik benutzen, die allen Jugendlichen vertraut ist und praktisch keiner Erklärung bedarf. Fast alle in der Gruppe haben ein Smartphone und damit auch schon Videos und nicht nur Fotos aufgenommen, also werden wir mit Smartphones arbeiten. Auch für unseren Jugendlichen mit Autismus passt das Smartphone perfekt, er kennt sich gut damit aus, auch wenn er im Alltag kein eigenes Handy besitzt.

Der Bedarf an Technik ist damit sehr niedrig. Frau Brand bringt ihren Laptop mit und zwei zusätzliche Ipads. In der Einrichtung gibt es einen weiteren Laptop, Beamer, Leinwand und Kabel zur Übertragung der Handyvideos auf den Computer. Die Jugendlichen sind im Vorfeld informiert worden, dass sie in Kleingruppen von 4 – 5 Personen ein Video aufnehmen werden. Es wurde sichergestellt, dass in jeder Gruppe ein Smartphone mit aufgeladenem Akku vorhanden ist bzw. ein Ipad eingesetzt wird. Wir planen 5 Kleingruppen. Das passt gut, denn wir sind 5 Erwachsene: zwei Pfarrer, zwei Pädagoginnen und Frau Brand.

Am Projektdienstag sind es 18 quirlige, gespannte Konfis. Heute sind alle mit Namensetikett auf dem Pullover unterwegs, auch Frau Brand, die sich kurz vorstellt. Gleich anschließend teilen wir uns in fünf Kleingruppen auf, jede begleitet von einem Erwachsenen. In den Kleingruppen wird die Geschichte vom barmherzigen Samariter gelesen. Der Arbeitsauftrag ist, diese Geschichte auf die heutige Zeit zu übertragen und in einer Spielszene darzustellen und aufzunehmen. Es wird noch einmal daran erinnert, dass das Smartphone beim Filmen quer gehalten wird.

Die Übertragung der Geschichte in die jetzige Zeit macht den Jugendlichen keine Schwierigkeiten, Ideen sprudeln sofort. In drei Gruppen ist spontan und unabhängig voneinander „Mobbing“ das Stichwort. In wenigen Minuten ist die Planung abgeschlossen und gleich wird losgelegt. Dabei fällt auf, dass ohne Ausnahme alle sehr intensiv beteiligt sind, dass flexibel und problemlos die Aufgaben und Rollen untereinander verteilt werden und die Kleingruppen sehr selbständig arbeiten.

Nach einer knappen Stunde kommt die erste Gruppe mit ihrem Ergebnis und lässt sich zeigen, wie die Sequenzen im Schnittprogramm des Ipads zusammengesetzt und mit Titel versehen werden. Während sie mit dem Schnitt beschäftigt sind, ist auch die zweite Gruppe fertig und überspielt per Kabel das Ergebnis auf den Laptop. Jetzt wird es etwas hektisch, da die anderen drei Gruppen auch fertig sind. Per Bluetooth ist  der Austausch der Daten am einfachsten, geht aber nicht bei allen. Von einem Handy lässt sich die Übertragung, egal wie, nicht durchführen und so brechen wir mit Blick auf die Uhr den Versuch ab und versammeln uns im Saal vor der Leinwand.  „Pssst leise, jetzt kommt unsere beste Stelle….“, alle sind sehr gespannt, wie das eigene Video aussieht und was die anderen gemacht haben. “Bitte können wir das nochmal anschauen?“, selbstverständlich wird nochmal geschaut. Schade, dass der Film, der nicht übertragen werden konnte, bei der Präsentation fehlt. Wir verabreden, dass Conrad per Whatsapp den Film an mich schickt und wir in der nächsten Woche auch diesen Film anschauen können.

Am zweiten Dienstag arbeiten wir ohne Frau Brand. Wir teilen die Jugendlichen in drei Gruppen ein. Jede Gruppe hat jeweils 25 Minuten für die Nachbearbeitung des Films, in der übrigen Zeit arbeiten die Gruppen an zwei Stationen mit Text und besprechen die Samaritergeschichte. Erstaunlich, was eine Gruppe  in 25 Minuten schaffen kann: mit dem Movie Maker wird die Helligkeit im Film von den Jugendlichen bearbeitet, außerdem fügen sie Vorspanntitel und Bildkommentare ein. Das Miniprojekt ist abgerundet und kann im Januar beim Elternabend gezeigt werden. Hinter allem spürt man den Stolz auf das gemeinsam erstellte Produkt, auch wenn die Videos nicht für ein weitergehendes Publikum interessant sind. Das gemeinsam Gefühlte, Gelebte, Gesagte, Gespielte zählt, das ist deutlich zu spüren.

Die 100prozentige Beteiligung aller Anwesenden und soviel Aufmerksamkeit, wie bei diesem Smartphoneprojekt, haben wir in der Gruppe sonst nicht. Daher bin ich trotz aller zeitlichen Begrenzung sehr zufrieden mit dem Medieneinsatz. Einige erzählen mir stolz von privaten Videos und was sie nun besser machen: z. B. auf das Licht achten und auch Nahaufnahmen einsetzen. Der Jugendliche, der mit Autismus lebt, ist immer noch begeistert und fantasiert mit anderen von weiteren Actionszenen. Schön zu sehen, wie das Erlebnis die Jugendlichen verbindet. Es freut mich besonders, ihn nicht nur dabei sondern mittendrin in der Gruppe zu erleben.
Ein Medienprojekt in 2 x 1,5 Stunden? Ja es geht und es lohnt sich!

Ansprechpartnerin

Evangelische Kirchengemeinde Herzogenrath
Dorothea Schui (Jugendreferentin)
Geilenkirchener Straße 41
52134 Herzogenrath
Tel: 0151 1444 8964
E-Mail: Dorothea.Schui@web.de

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