Weiterbildung Inklusive Medienpädagogik 2014 – Wer macht mit und warum? Teil I: Mona Kheir El Din, FIBB e.V.

Mona und die MausInterdisziplinarität ist zentral für unsere Weiterbildung. Die Vielfalt ist Programm: Denn inklusive Projekte lassen sich nur verwirklichen, wenn verschiedene Professionen zusammenarbeiten. In dieser Serie wollen wir einige Teilnehmende der Weiterbildung 2014 vorstellen und zeigen, wie vielfältig und interessant diejenigen sind, die Inklusion mit Medien voranbringen wollen. Den Anfang macht Mona Kheir El Din, die bereits über vorurteilsbewusste medienpädagogische Arbeit im Projekt FIBB e. V. für unsere Plattform berichtet hat.

Wer bist du? (und wenn ja wieviele :-))

Ich heiße Mona Kheir El Din, bin 48 Jahre alt und habe 22 Jahre in Ägypten gelebt und 26 Jahre in Deutschland. Ich sehe mich als Ägypterin, als Afrikanerin, als Deutsche, als Muslima, als Großfamilienmanagerin und als technisch und politisch interessierte Frau.

Dein Motto?

Ich tue was ich kann – und vertraue dabei dem Schöpfer/der Schöpferin.

Welchen beruflichen bzw. projektemäßigen Hintergrund hast du?

In meinem früheren Leben war ich Dipl. Informatikerin und habe 20 Jahre als IT-Systemanalytikerin und Projektleiterin in der freien Wirtschaft gearbeitet. Auf der Suche nach einer „sinnvollen“ Tätigkeit habe ich 2009 einen Verein mitgegründet (FiBB e.V.) und arbeite seitdem dort als Medienpädagogische Fachkraft und bin auch als Freiberuflerin im medienpädagogischen und interkulturellen Kontext aktiv.

Wo siehst du deinen gegenwärtigen Erfahrungsschwerpunkt – Auf der Seite der Medien, der Menschen mit Behinderung oder ganz wo anders?

Mein technischer Hintergrund impliziert Erfahrungen mit den Medien. Ich beschäftige mich außerdem intensiv mit dem vorurteilsbewussten Ansatz (nach Derman-Sparks), bin Anti-Diskriminierungstrainerin und engagiere mich in meiner Freizeit, um insbesondere Migrantinnen zu stärken. Berufliche Erfahrungen mit Kindern mit Behinderungen habe ich noch nicht, da ich bisher noch nicht mit integrativen KiTas und Schulen zusammengearbeitet habe. Leider ist ja in Deutschland alles „schön“ segregiert, sodass man ja nicht „in die Verlegenheit kommt“ Kindern mit Behinderungen in Schulen zu begegnen – erste Ausnahmen bestätigen die Regel.

Welche Visionen hast du in Bezug auf eine inklusive Gesellschaft?

Ich träume von einer Gesellschaft, in der jeder „irgendwie anders“ ist und keiner mehr darüber redet, weil es nicht nötig ist, weil jede_r zu seinem Recht kommt.

Welchen Beitrag können deiner Meinung nach Medien leisten, Inklusion voranzubringen? Und warum?

Massenmedien können die Vielfalt als Normalität darstellen. In der medienpädagogischen Arbeit können Medien zwischenmenschliche Verbindungen herstellen, die sonst nicht möglich wären.

Wo liegen deiner Meinung nach „die Grenzen der Inklusion“? Können auch Medien eher kontraproduktiv wirken in Bezug auf eine inklusive Gesellschaft? Was siehst du noch kritisch und kontrovers?

Ich sehe keine Grenzen für die Inklusion, die Grenzen sind nur in den Köpfen. Aber wir sind gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz weit entfernt von möglichen Grenzen, wir haben ja noch gar nicht mit Inklusion begonnen – also, warum reden wir über Grenzen?

Massenmedien bestätigen nach wie vor viele Klischees und sind momentan eher kontraproduktiv. Sie könnten aber einen großen Beitrag in Sachen Inklusion leisten.

Für unsere Gesellschaft wäre es wichtig, dass wir aufhören, Menschen aufteilen zu wollen – in Arm-Reich, Gesund-Krank, Behindert-Nicht behindert, Alt-Jung, Christlich-Muslimisch, Gymnasiast-Hauptschüler, etc..

Gibt es ein „Schlüsselerlebnis“ in deiner Biografie, das dich dazu motiviert, dich mit dem Thema Inklusion auseinanderzusetzen?

Ein Schlüsselerlebnis hatte ich als 12 jähriges Kind in einer Kureinrichtung in Süddeutschland. Dort war in meiner Gruppe ein Mädchen, dass starke Spastiken hatte. Sie wurde daher von den Erzieherinnen gefüttert. Eines Tages hat eine Erzieherin zum Frühstück ein Marmeladenbrötchen für sie geschmiert und wollte das Mädchen damit füttern. Sie weigerte sich jedoch. Ich verstand, dass sie keine Marmelade essen wollte. Aber die Erzieherin meinte, „dass sie sich nicht so anstellen solle, sie habe das Brötchen jetzt für sie geschmiert.“ Sie stopfte ihr das Brötchen in den Mund. Das Mädchen weinte und aß das Brötchen widerwillig. Bis heute kann ich dieses Erlebnis nicht vergessen. Es hat mein Bewusstsein für Fairness sehr geprägt. Erst durch die Arbeit als Anti-Bias-Trainerin konnte ich es reflektieren. Selbstbestimmtheit und Fairness spielen für mich privat und beruflich daher eine wichtige Rolle. Eine Gesellschaft kann nur inklusiv sein, wenn die gesellschaftlichen und institutionellen Strukturen so sind, dass jeder Bürger selbstbestimmt leben kann.

Was hat dich dazu motiviert, an der Weiterbildung teilzunehmen?

Ich wollte meine bisherigen Erfahrungen in der vorurteilsbewussten Arbeit vertiefen und mehr Informationen über die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen erhalten. Außerdem interessiert mich immer der Austausch.

Wie erlebst du die Weiterbildung zum jetzigen Zeitpunkt – Inhalte, Leute, Dozenten?

Es ist für mich interessant, mit jüngeren Leuten zusammen zu arbeiten – diese Möglichkeit habe ich in der Weiterbildung. Außerdem haben wir auch Teilnehmer_innen und Referent_innen mit Behinderungen. Von ihnen kann ich viel lernen.

Weiterer positiver Effekt: In immer wieder anderen Konstellationen zu arbeiten, schult auch den Umgang mit Vielfalt.

Hast du bereits eine Projektidee?

Ohhh, es schwirren viele Ideen in meinem Kopf, aber es ist alles noch diffus.

Leichte Sprache interessiert mich brennend, weil ich täglich sehe, wie Menschen aus unterschiedlichen Gründen an schwerer Sprache scheitern.

Wie bewertest du die Umsetzbarkeit?

Da brauche ich noch eure Beratung, um die diffuse Projektidee zu konkretisieren.

Wenn du keinerlei Begrenzungen hättest (in Bezug auf Geld, Ausstattung, Zeit, Kooperationspartner etc.) – Welches Projekt würdest du gerne umsetzen?

Eine Elternschule von der Geburt der Kinder bis zur Ende der 6.Klasse, natürlich vorurteilsbewusst und mehrsprachig.

Gibt es sonst noch etwas, was dir wichtig zu sagen ist?

Ja, ich wünsche mir, dass alle Teilnehmer_innen der Weiterbildungen ihr Wissen und ihre „neue Offenheit“ gegenüber Menschen mit Behinderungen auch auf andere ausgegrenzte Menschen übertragen, z.B. auf Muslim_innen, die momentan von der Gesellschaft mehrfach diskriminiert werden – im alltäglichen Umgang und strukturell.

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