Themenmonat 2 +++ Medienprojekte leicht gestalten +++ Leicht, leichter, Tablet!

Der Einsatz von Tablets und Smartphones in inklusiven Medienprojekten ist ein Megatrend. Die Gründe dafür liegen “auf der Hand”: Smartphone und Tablet sind oft bereits vorhanden, sie sind multimediale Alleskönner und -haber und vereinen Bild- und Audioaufnahme-, -bearbeitungs- und -abspieltechnik in sich. In diesem Beitrag sollen einige Gründe genannt werden, warum Tablets sich insbesondere für den inklusiven Einsatz eignen:

Leicht, motivierend, kostengünstig

Tablets sind sehr leicht zu bedienen – was die Hürden für alle Beteiligten senkt! Das liegt zum einen an der Touch-Bedienung, die deutlich intuitiver ist, als z. B. die Bedienung eines externen Zeigegeräts wie einer Maus – die durchaus eine Hürde für Menschen mit Lernschwierigkeiten, älteren Menschen oder auch jungen Geflüchteten, die bislang keine Erfahrungen mit dem Computer haben, darstellen kann. Viele Programme sind – im Gegensatz zu ihren Pendants auf PC und Mac – deutlich aufs Wesentliche reduziert, was mit den kleinen Bildschirmen zusammenhängt. Auch dies erleichtert natürlich allen möglichen Zielgruppen die Nutzung. Dazu kommt, dass die Bedienung häufig icon-gestützt und, zumindest für diejenigen mit einer gewissen Medienerfahrung – sehr intuitiv gestaltet ist, so dass z. B. auch Sprachbarrieren eine geringe Rolle spielen. Zwar ist man um einiges flexibler in der Medienproduktgestaltung, wenn man “richtige” Aufnahmetechnik verwendet, aber gerade für unerfahrene pädagogische Fachkräfte, die erstmal ein eigenes Medienprojekt durchführen, ist die leichte, vertraute Bedienung von Smartphones und Tablets ein großes Plus, um Unsicherheiten abzubauen und erste Erfahrungen zu sammeln. Tablets sind aufgrund ihrer relativen Neuheit cool und angesagt bei Heranwachsenden, die meisten nutzen sie sehr gerne. Ebenfalls sehr motivierend ist, dass man schnell ein vorzeigbares bzw. anhörenswertes Ergebnis hat. Tablets sind insgesamt deutlich kostengünstiger als herkömmliche Medientechnik: Man braucht eben nicht mehr, Videokamera, Akkus – Tablet-Akkus halten übrigens deutlich länger als Akkus in irgendeiner Kamera – Speicherkarte, PC und teure Bearbeitungsprogramme (wie z. B. Premiere Elements). Apps sind oft kostenfrei oder in der Vollversion für wenige Euro zu haben: Für einfache Medienarbeit kann z. B. die iMovie-App bereits völlig ausreichend sein.

Barrierefrei und anpassbar

Tablets bieten so einiges für Menschen mit verschiedenen Behinderungen – was sie attraktiv für den inklusiven Einsatz macht. Sowohl Android- als auch iOS-Geräte können für Menschen mit Seh- und motorischen Beeinträchtigungen angepasst werden. Dazu in die Einstellungen des jeweiligen Gerätes gehen und die gewünschte Option aktivieren. Im Artikel “Bedienungshilfen in Tablets” werden die jeweiligen Eingabehilfen aufgeführt.

Auch blinde Menschen können mit Hilfe der vorinstallierten Screenreader TalkBack (Android) und VoiceOver (iOS) Tablets nutzen: iOS hat dabei laut Einschätzungen (seh-) behinderter Menschen immer noch die Nase vorn: Apps von Apple müssen barrierefrei programmiert sein und auch die Apps von Drittanbietern gewissen Qualitätsstandards genügen. Für blinde und sehbehinderte Nutzer gibt es mittlerweile auch zahlreiche Apps, die das Leben leichter machen: von der Farberkenner- bis zur Navigations-App.

Interessant – und das nicht für sehbehinderte Nutzer – ist die Möglichkeit, sich Inhalte mit dem Tablet vorlesen zu lesen. Auch Menschen, die nicht gut lesen können, profitieren davon. Der FAZ-Beitrag “Mit den Ohren lesen”, bietet einen guten Überblick über die gegenwärtigen Möglichkeiten. Außerdem gibt es zahlreiche Scanner-Apps: Diese sind in der Lage, abfotografierten Text zu erkennen und vorzulesen. Im INCOBS-Beitrag OCR-Apps für Smartphones im Test werden einige gelistet und auf die Eignung für blinde Menschen getestet – der Nutzen für Sehende, die beispielsweise nicht gut lesen können, ist jedoch höher.

Sprache-in-Text-Umwandlung, wie sie von der iOS- bzw. Google-Tastatur mitgeliefert wird, kann ebenfalls den inklusiven Einsatz unterstützen, z. B. die Kommunikation mit Hörbehinderten.

Mit Spiele-Apps, die sich sehend oder nur mit den Gehör spielen lassen (Beispiel: MouseKick) oder Games wie The Unstoppables kann man kindgerecht für die Bedarfe von Menschen mit Behinderung sensibilisieren – oder einfach gemeinsam Spaß haben. Mit der Wheelmap-App lassen sich gut Sozialraumerkundungen und Sensibilisierung für Themen wie Barrierefreiheit in einem Medienprojekt verbinden. Untertitel- und Audiodeskriptions-Apps wie Greta & Starks laden zum Testen ein, ob barrierefreier Kinogenuss für Seh- und Hörbehinderte wirklich möglich ist.

Gibt es auch Gründe, die dagegen sprechen?

Ja, die gibt es! Die Auswahl an Apps ist mittlerweile riesig, so dass es bereits einiger Kompetenz bedarf, das richtige Programm zu finden. Letzten Endes sucht man dann doch über App-Listen oder über Empfehlungen anderer – sollte sich aber immer klar machen, dass man damit sich selbst gewissermaßen einen Filter vorschiebt. Nicht alle Apps sind ausgereift bzw. funktionieren stabil und selbst wenn, kann das nächste Update wieder für Chaos sorgen. Einige Apps nerven durch Werbung, andere sind unanständig hungrig, was den Zugriff auf private Daten betrifft. Teilweise ist der Datenaustausch umständlich.

Fazit

Insgesamt gilt es genau zu hinterfragen, was für ein Projekt man durchführen will, was man damit erreichen möchte – und wie, mit welchen Medium sich dieses Ziel am besten erreichen ließe. Beispielsweise muss eine Ausmahl-App für Kinder nicht zwingend pädagogisch fragwürdig – im Sinne von Kreativität tötend und haptische Erfahrungen verhindernd – sein. Beispielsweise gibt es Kinder, die aufgrund einer Körperbehinderung nicht in der Lage sind, zielgerichtet einen Stift zu führen. Für diese Kinder sind Spiele-, Mal- und Puzzle-Apps und Programme – so sie denn barrierefrei programmiert sind und Tasterbedienung zulassen, wie z. B. die Programme von LIFEtool, Inclusive Technology oder genesis) die einzige Möglichkeit, adäquate Spiel- und Lernerfahrungen zu machen. Wenn die Apps aber so restriktiv sind, dass zum Beispiel sogar vorgegeben ist, welche Farben man benutzen MUSS (z. B. Elefant = nur grau), dann besser Finger weg! Hier sollte man, wie immer und überall im Leben, nicht den Empfehlungen des App-Stores, sondern dem gesunden Menschenverstand folgen.

Projektideen mit Smartphone und Tablets

Link-Tipps

  • Apps und Co. für mehr Inklusion: Beitrag mit App-Tipps für die Inklusive Medienarbeit
  • UK App Blog: App Empfehlungen aus dem Bereich der Unterstützten Kommunikation (UK), aber auch zahlreiche weitere Apps (z. B. zum Lernen und zum Zusammenarbeiten), die im inklusiven Kontext geeignet sind.
  • KuUBuS AppCenter: Datenbank für barrierefreie Apps – Apps, die für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich sind
  • Bedienungshilfen für Android-Geräte: Androidgeräte für Menschen mit Seh- und motorischen Beeinträchtigungen anpassen
  • Bedienungshilfen für iOS: Apple-Geräte für Menschen mit Seh- und motorischen Beeinträchtigungen anpassen
  • Ideenwolke: Blog zum Einsatz digitaler Medien in der Schule – die präsentierten Ideen können aber natürlich genauso gut für die außerschulische Medienarbeit übernommen werden!

Auf dem Medienpädagogik Praxis Blog werden ebenfalls fortlaufend App-Tipps und -listen sowie Projektbeschreibungen veröffentlicht, z. B. :

Autorin

Carola Werning, barrierefrei kommunizieren!/ tjfbg gGmbH

Hinterlasse eine Antwort