Medien in Sprachkursen mit jungen Geflüchteten. Von Jana Kokot. Bericht im Rahmen von 5 Stunden für Inklusion

Bearbeitete Fotos von Körperteilen mit Beschriftung "Die Nase" und "Die Haare"

 

 

 

 

 

 

 

 

Jana Kokot berichtet im Beitrag über die Integration eines Medienprojekts im Rahmen von Deutschunterricht für minderjährige Geflüchtete. Unterstützt wurde sie dabei durch das Coaching-Angebot 5 Stunden für Inklusion. 5 Stunden für Inklusion ist ein Beratungs- und Unterstützungs-Angebot im Rahmen von Nimm! on Tour 2017. Das Angebot richtet sich an alle Akteure der Jugendarbeit, die inklusive Projekte mit Medien gestalten wollen, aber bislang noch keine Erfahrung damit haben. 

In der evangelischen Jugendhilfe Bochum gibt es verschiedene Angebote für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Inobhutnahme und Clearingstelle „Ausblick“ bietet jungen Geflüchteten im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, die sich ohne Begleitung ihrer Familie in Deutschland aufhalten, eine 24 Stunden Betreuung an 7 Tagen in die Woche. Das betreute Wohnen „MONDO“ richtet sich an unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter zwischen 15 und 21 Jahren. Hier werden die Jugendlichen in eigenen Wohnungen oder in kleinen Wohngemeinschaften betreut. Die Arbeit mit den Jugendlichen ist häufig durch hohe Sprachbarrieren gekennzeichnet. In der Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern und den Jugendlichen kann dies zu Schwierigkeiten in den verschiedensten Situationen führen. Neben dem Einsatz von Sprachmittlern aus diversen Ländern bietet die Einrichtung interne Sprachkurse an. Es finden vier Mal pro Woche Sprachkurse statt, welche sich an die individuellen Sprachkenntnisse richten. Es gibt sowohl Kurse für Anfänger als auch für Fortgeschrittene. Die Kurse finden in Räumen der Einrichtung statt und sind gut für die Jugendlichen zu erreichen. Mithilfe des Coaching-Angebots 5 Stunden für Inklusion im Rahmen des Projektes Nimm! on Tour 2017 konnten Ideen entwickelt werden, wie Medien bei der inklusiven Arbeit eingesetzt werden können.

Medien in Sprachkursen

Bearbeitete Fotos von Stadtansichten beschriftet mit "Herne"Der Umgang mit den Smartphones ist den meisten Jugendlichen vertraut. Junge Geflüchtete nutzen die Medien, um unter Anderem mit ihren Herkunftsfamilien in Kontakt zu bleiben. Fotos und Videos schaffen eine Grundlage der Kommunikation. Durch Bilder können Gefühle und Gedanken ausgedrückt und gezeigt werden ohne sprachliche Kenntnisse aufzuweisen. Demnach eröffnet das Fotografieren und das Bearbeiten der Bilder sowohl neue Kommunikationsmöglichkeiten der Jugendlichen untereinander, als auch der Jugendlichen mit den Sprachlehrern und Sprachlehrerinnen.

 Bearbeitetes Foto eines Ohrs beschriftet mit "das Ohr"In der ersten Einheit ging es darum die eigene Person vorzustellen. „Wer bin ich?“ „Was mache ich gerne?“. Die Zielgruppe dieser Einheit waren Jugendliche ohne Sprachkenntnisse, die sich noch nicht lange in Deutschland aufhalten. Zunächst wurden die einzelnen Körperteile erläutert. Jeder Jugendliche hat eine Collage mit Fotos des eigenen Körpers mithilfe der App PhotoGrid erstellt. Das Erlernen einzelner Wörter war durch den Einsatz der Smartphones ein interaktiver Prozess. Den Jugendlichen wurden verschiedene Objektive für Smartphones zur Verfügung gestellt, sodass sie beim Fotografieren „experimentieren“ konnten. In einem weiteren Sprachkurs wurden die Umgebung und die Hobbies der Jugendlichen thematisiert. Die Jugendlichen verfügen über geringe Sprachkenntnisse und konnten im Anschluss ihre Ergebnisse vorstellen.

Bearbeitetes Foto eines Auge beschriftet mit "Die Augen"Die Jugendlichen haben während des Kurses viel gelacht und zeigten sich der Thematik offen gegenüber. Sie waren interessiert an den Ergebnissen der anderen und lernten sich untereinander besser kennen. Nach dem Deutschkurs konnte beobachtet werden, dass sie sich ihre Fotos gegenseitig zeigten und auch anderen, die nicht teilnehmen konnten, davon erzählten. Ziel dieses Projektes ist es, den Spracherwerb der Jugendlichen durch die kreative Medienarbeit zu unterstützen und den Prozess zu veranschaulichen. In weiteren Einheiten ist beispielsweise geplant Abläufe in Notsituationen zu thematisieren und unter der Fragestellung „Wie verhalte ich mich, wenn sich jemand schwer verletzt?“ einen Comic zu erstellen.

Fazit

Da die Jugendlichen nach ihrer Ankunft in Deutschland viele Termine wahrnehmen müssen, stellt die Umsetzung eines Projektes über mehrere Wochen eine Herausforderung dar. Hier ist seitens der Mitarbeiter hohe Flexibilität gefragt. Aus diesem Grund wurden die medienpädagogischen Inhalte zunächst in die bestehenden Sprachkurse integriert.

Die Jugendlichen zeigten viel Interesse in den Deutschkursen mitzuwirken und brachten eigene Ideen ein. Durch die bildliche Darstellung verschiedener Situationen und der Anteil an eigener Aktivität wurde der Spracherwerb vereinfacht. Es ist jedoch nach wie vor nicht möglich, Einheiten über mehrere Wochen zu planen, da die Jugendlichen aus zeitlichen Gründen nicht regelmäßig an den Sprachkursen teilnehmen können. Deswegen werden einzelne Unterrichtsstunden geplant und wenn möglich nach jeder Unterrichtseinheit ein Ergebnis präsentiert. Die entstandenen Bilder werden ausgedruckt und den Jugendlichen mitgegeben bzw. auch in den Räumen der Einrichtungen aufgehängt. Der Einsatz von Fotografien, Collagen, Videos etc. eignet sich in Sprachkursen mit Menschen, die keine oder geringe Sprachkenntnisse besitzen, besonders gut, um darüber in Kontakt zu treten.

Weitere Infos

  • Jana Kokot, Pädagogische Fachkraft: kokot@ejh-bochum.de

 

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