Radio4you der Lebenshilfe Duisburg – Radio für Dich, für Mich, für Uns, für Euch! – Ein Gastbeitrag von Tarek Lababidi

Logo Radio4YouWir sind ein 10 köpfiges Redaktionsteam und treffen uns an einem Samstag im Monat. Wir produzieren Radiosendungen, die im Bürgerfunk bei Radio Duisburg ausgestrahlt werden. Wir sind Redakteure mit geistigen und psychischen Behinderungen und vielen anderen Merkmalen. Wir sind ein Freizeitgruppenangebot der Lebenshilfe Duisburg.

Bei der Themenwahl gibt es keine Grenzen. Beiträge entstehen ebenso nach gründlicher Planung, wie auch ganz spontan im öffentlichen Raum, auf der Einkaufsstraße, im Stadion oder als Reportage von einer Veranstaltung. Den Hörerinnen und Hörern begegnen Gespräche beispielsweise zu Wohnen, Arbeiten, Kultur, Musik, Politik, Sexualität und vieles andere. Wortblöcke von Radio4you sind übrigens online zu hören:

Ideen und Hintergründe

Teilnehmende der Radiogruppe Radio4UErlebnisse teilen, Kommunikation üben, nach draußen gehen, Dinge entdecken, Mut schöpfen, Fremde ansprechen, Technik üben, Musikhören, reflektieren, lachen… Dies sind Aspekte, für die Radio4you als Freizeitangebot der Lebenshilfe Duisburg steht und unser Angebot kennzeichnen. Radio ist inklusionsfreundlich, es geht darum zu senden und zu empfangen, eigene wie fremde Kontexte zu gestalten und mit anderen zu konstruieren. Inklusiv ist es auch, da wir mit dem Medium Hörfunk alle Menschen erreichen, die das Radio zufällig oder absichtlich einschalten. Alle Gespräche sind stets ausgewählte, also exklusive Situationen, andererseits kann jede/r Zuhörende daran partizipieren. „Am Radio machen Interessierte“ werden im Medienforum Duisburg seit über 2 Jahrzehnten begleitet und qualifiziert, um Bürgerfunksendungen zu entwickeln. Die Idee der aktiven Partizipation an öffentlichen Diskursen war ein durchaus politischer Ursprungsgedanke. So auch das Grundmotiv unserer Radiogruppe: Lasst uns in die Welt funken!

Es sind Freundschaften und Beziehungen entstanden, die alle mit dem Medienforum Duisburg als Treffpunkt in Verbindung stehen. Assistiert wird das Redaktionsteam in (medien-)pädagogischer Hinsicht von Personen, die sich seit vielen Jahren im Bürgerfunk und in Projekten engagieren. Das Studio ist aber nicht der einzige Ort des Geschehens, wir unternehmen Ausflüge, besuchen Veranstaltungen und treffen Leute. Hierzu ein paar Ausschnitte:

Teilnehmender der Radiogruppe Radio4YouBei einem Pokalspiel des MSV Duisburg durften wir – ausgestattet mit Pressausweisen – in der V.I.P.-Lounge sowie im Spielertunnel hinter die Kulissen blicken und Fußballprofis interviewen. Zu früheren Anlässen kam es zu Interviews mit Christoph Daum und Guildo Horn, dessen Konzert wir besuchten. Eine Woche vor der Wahl des Duisburger Oberbürgermeisters fragten wir Sören Link, was er im Falle seiner Wahl vorhabe, um die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung zu verbessern. Die Leiterin einer privaten Musikschule wurde in einem Studiogespräch gefragt, ob sie auch Menschen mit geistigem Handicap unterrichten würde und natürlich wie teuer dies sei. Ein Wissenschaftler der Mathematik von der Uni Duisburg-Essen musste uns in einfachen Worten erklären, worum es in seiner Doktorarbeit geht. Die Teilnehmenden waren zum ersten Mal in der Marxloher Moschee und ihrer interkulturellen Begegnungsstätte zum Teetrinken und Umschauen. Das Trainingsprojekt „Wohnen auf Probe“ und integrative Arbeitsorte (Ars Vivendi, Restaurant Ziegenpeter, Café „der kleine Prinz“) wurden besucht. Dem Tabuthema Sexualität und sexuelle Dienstleistungen für Erwachsene mit Behinderung widmeten wir eine Sendung. In einer anderen wollten wir herausfinden, was Inklusion bedeutet und haben dazu mit einer Sozialpädagogin der Lebenshilfe über das Fortbildungskonzept für die Mitarbeitenden gesprochen. Ein professioneller Künstler lud uns alle in sein Atelier ein und ein Steinmetz erklärte uns, wie er Grabsteine bearbeitet.

Der Innenhafen, die Innenstadt, Parks, Cafés, Weihnachtsmärkte, Seen und sogar Friedhöfe sind öffentliche Räume, die wir als Redaktion betreten und von denen wir aus unserer Perspektive berichten. Wir sind ein sichtbarer Teil der Öffentlichkeit, der ebenso sieht und gesehen werden möchte. Fragen stellen und Informationen aus erster Hand erhalten ist hierbei ein Fokus. Die andere Seite ist die Begegnung mit Menschen, die sich normalerweise nicht „über den Weg laufen“. Das Formulieren und Artikulieren im Rahmen der Gespräche fällt den meisten Redakteurinnen und Redakteuren nach wie vor nicht immer leicht. Die gedankliche und zeitliche Struktur weicht insofern von klassischen Interviews immer wieder ab, was den Beiträgen oftmals einen besonderen Charme verleiht. Mit jeder Sendung wächst das Selbstvertrauen in die eigenen kommunikativen Fähigkeiten. Angesichts unserer Voraussetzungen lassen wir uns Zeit mit der Nachproduktion und dem Schnitt der O-Töne, da wir den Anspruch haben gutes, d.h. radiotaugliches Material zu senden. Wer aus der Gruppe weniger zu Wort kommt, hat trotzdem eine Aufgabe, wie etwa bei der Auswahl der Musikstücke.

Medienkompetenz verbessern, Zugang zu digitalen Ausdrucksformen…

Neben dem Radiomachen kommen auch Foto- und Filmkameras zum Einsatz. Hin und wieder lesen wir aus der Tageszeitung vor, arbeiten am PC, brennen und beschriften CD‘s – und natürlich das Internet! In einer Facebook-Gruppe tauschen wir Bilder und Infos miteinander aus.

Kontakte knüpfen, Sorgen teilen, über Privates sprechen…

Teilnehmende der Radiogruppe Radio4YouAbseits der Aufnahmeregler erfahren wir eine Menge „Lebensstoff“ und sprechen über private Themen. Wir sind keine professionellen Ratgebenden, aber knüpfen Kontakte zu solchen. Bemerkenswert ist zu beobachten, wie die Studiogäste schon nach wenigen Minuten ihres Besuchs Teil der Gruppe werden und sich auf für sie eher ungewöhnliche Kontexte einlassen. Ein Ziel besteht darin, Berührungsängste abzubauen bzw. über den Kontakt mit anderen die eigene Freiheit und Toleranz weiter zu entwickeln. Es entstehen viele kleine Freundschaften, wie man sie normalerweise eher aus Urlaubssituationen her kennt. Hierzu einige Beispiele:

  • Radio4you beteiligt sich seit 2012 als Gastgeber am „Tag des Dialogs“. Diese Netzwerkaktion wird stadtweit einmal im Jahr durchgeführt und bringt unterschiedliche Menschen, Vereine und Initiativen zusammen.
  • 2014 besuchte uns eine türkisch-stämmige Theologin, die vom Projekt „Melek“ (dt. Engel) berichtete und uns Einblicke zum Umgang mit Behinderung im Islam gab.
  • 2013 lernten wir auf diesem Weg den Lions Club Concordia kennen, der uns beim Besuch der Special Olympics in Düsseldorf unterstützte und bei einigen Samstagstreffen begleitete.
  • 2012 kamen wir mit Unterstützung vom Antirassismus-Informations-Centrum (ARIC NRW) mit einer integrativen Theatergruppe aus dem Jugendzentrum Kiebitz zusammen. Über Trommelworkshops, kleine Videoprojekte und Empowerment-Übungen wurde die Kreativität geweckt.

Bürgerfunk aus dem Mefo

Das Medienforum Duisburg ist ein eingetragener Verein und beherbergt als anerkannte Radiowerkstatt unterschiedliche zivile (Interessens-)Gruppen, die zumeist hobbymäßig Radiobeiträge produzieren. Auch hier treffen wir auf Bürgerinnen und Bürger und lernen interessante Persönlichkeiten kennen.

Inklusive Medienprojekte bei der Lebenshilfe Duisburg suchen kreative Menschen mit und ohne Handicap!

Foto4Die Lebenshilfe Duisburg bietet weitere Medienprojekte zu den Themen Film, Radio und Zeitung an:

  • Filmprojekt – Bewegte Bilder
  • Fotoprojekt – Ich mache mir ein Bild von Dir
  • Schreibwerkstatt – Lebenshilfezeitung
  • Radio 4you – Unbehindert Radio Machen

Interessierte können sich zu den verschiedenen Projektgruppen anmelden und „Teil sein“ des Projektteams um gemeinsam die Öffentlichkeit zu bewegen.

Informationen zu den inklusiven Medienangeboten gibt es auf der Internetseite der Lebenshilfe unter www.lebenshilfe-duisburg.de oder bei Sandra Hentschel (0203  280 999 60, s.hentschel[at]lebenshilfe-duisburg.de)

Kontakt

Lebenshilfe Duisburg Heilpädagogische Sozialdienste gGmbH
Mülheimer Straße 200
47057 Duisburg
Sandra Hentschel, Leitung Freizeitbereich
Tel. 0203 280 999 60
Fax. 0203 280 999 19
s.hentschel[at]lebenshilfe-duisburg.de

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