Radio und Hören

Es gibt wohl keine Beeinträchtigung, an der so viele Menschen leiden wie an Schwerhörigkeit. Legt man die Klassifikation von Schwerhörigkeitsgraden der World Health Organization (WHO) zugrunde, sind rund 14 Millionen Menschen in Deutschland schwerhörig.

Die WHO unterscheidet dabei fünf Stufen – von 0 bis 4. Bei 0 gibt es keine Beeinträchtigung, Stufe 1 bedeutet, dass Sprache mit normaler Stimme noch in einem Abstand von einem Meter verstanden und wiederholt werden kann. In der nächsten Stufe muss die Stimme schon erhoben sein, um noch verstanden zu werden. Stufe 3 heißt, dass einige Wörter verstanden werden, wenn sie in das bessere Ohr geschrien werden und in der letzten Stufe, hier spricht die WHO von hochgradiger Beeinträchtigung inklusive Taubheit, wird auch geschriene Sprache nicht mehr verstanden.

Krankheit, Unfall oder Lebensbedingungen – die Gründe für Schwerhörigkeit sind vielfältig. Auch das Alter spielt eine Rolle. So verlieren wir ab Mitte 20 das Hörvermögen für hohe Frequenzen. Das ist ein langsamer Prozess, der nicht so auffällig ist. So kann ich bei Frequenz-Übungen mittlerweile entspannt im Studio sitzen während die jugendlichen Bürgerfunker sich die Ohren zuhalten.

Zugegeben hohe Frequenzen hören zu können ist nicht entscheidend fürs Radiomachen. Aber auch andere Hörbeeinträchtigungen sind kein Hinderungsgrund. So haben einige Bürgerfunker hier im Studio entsprechende Einschränkungen bis hin zur Taubheit auf einem Ohr. Zwar könnten sogar vollständig Taube an einem Radioprojekt mitarbeiten – die vielfältigen Aufgaben habe ich beschrieben – aber, ob es Sinn macht, an einem Medienprojekt mitzuarbeiten, das man dann letztlich nicht wahrnehmen kann, ist eine andere Frage.

Headset im StudioUnd das Beste am Radio für Hörbeeinträchtige ist, dass noch nicht einmal spezielle Geräte benötigt werden. Über Kopfhörer oder Headsets verfügt jedes Studio. Sie sind an einen Verstärker angeschlossen, an dem die Lautstärke jedes Kopfhörers einzeln eingestellt werden kann. Und sollte das nicht reichen, hilft das Mischpult. Hier kann das Ausgangssignal verstärkt werden. Natürlich gibt es hierbei Grenzen, irgendwann verzerrt das Signal. Bei allen Projekten hier im Bürgerfunkstudio im Bert-Brecht-Haus wurden die technischen Grenzen aber noch nie erreicht.

Findet ein Projekt nicht im Studio statt, kommt der Laptop zum Einsatz. Hier müssen erst einmal die vom jeweiligen Betriebssystem vorgegeben Audioeinstellungen vorgenommen werden. Zusätzlich nutzen wir einen Verteiler für Kopfhörer. Der wird am Audioausgang des Laptops angeschlossen. Insgesamt vier Kopfhörer – einzeln in der Lautstärke steuerbar – können jetzt eingestöpselt werden.

Noch ein Hinweis zu den Kopfhörern. Es sollte sich um sogenannte geschlossene Kopfhörer handeln. Sie schließen dicht mit dem Kopf ab. Gerade bei hoch eingestellter Lautstärke werden die anderen Projektteilnehmer das schätzen und auch Störungen der Aufnahme werden so verhindert. Besonders teuer müssen die Kopfhörer nicht sein, schließlich geht es nicht um den Hi-Fi-Genuss klassischer Musik. Die im Bürgerfunkstudio eingesetzten Kopfhörer kosten rund 34 Euro. Teurer sind die Headsets, die kosten um die 250 Euro. Aber da reicht ja auch eins.

Radioprojekte mit Schwerhörigen? Kein Problem!

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