“Radio sag’ was!” überschreitet erfolgreich Grenzen. Das inklusive Radioprojekt der Katholischen Jugendfürsorge im Bistum Regensburg – Ein Gastbeitrag von Carl Prämaßing

Ein Team von „Radio sag‘ was!“ unterwegs in Mitterteich zur Straßenumfrage, Thema: „Menschen mit Behinderung machen Radio. Wie finden Sie das?“ (Quelle: Carl Prämaßing)

Ein Team von „Radio sag‘ was!“ unterwegs in Mitterteich zur Straßenumfrage, Thema: „Menschen mit Behinderung machen Radio. Wie finden Sie das?“ (Quelle: Carl Prämaßing)

Mit der Straßenumfrage „Menschen mit Behinderung machen Radio. Wie finden Sie das?“ ging im Oktober 2011 das inklusive Radioprojekt der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. (KJF) erstmals auf Sendung. Bereits ein Dreivierteljahr zuvor hatte die Schulung des ersten Radioteams begonnen. Heute gehen abwechselnd fünf Teams mit insgesamt 50 Radiomachern im Alter von 14 bis 46 Jahren regelmäßig auf Sendung. Sie leben und lernen in unterschiedlichen Einrichtungen der Katholischen Jugendfürsorge in der Diözese Regensburg, die in rund 70 Einrichtungen mehr als 3.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, die jährlich über 25.000 Menschen beraten, begleiten und unterstützen. Zwei Teams kommen aus je einer Förderschule, eines aus einem angegliederten Internat und zwei weitere aus verschiedenen Wohngemeinschaften für Menschen mit Beeinträchtigung.

Wie entsteht ein Radiobeitrag? Was ist ein Thema fürs Radio? Wie stelle ich gute Fragen? Wie schneide ich O-Töne? Ein professioneller Hörfunkjournalist brachte jedem Radioteam das notwendige Know-how bei und steht auch heute noch, wo es notwendig ist, zur Seite. Neben fast 20 Jahren Hörfunkerfahrung bringt er auch viele Jahre Erfahrung aus der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung in das Radioprojekt ein. Unterstützt werden die Reporterinnen und Reporter der Radioteams von den Mitarbeiter/innen der verschiedenen Einrichtungen.

Wie komme ich zu Sendeplatz?

Was nützt der beste Beitrag, wenn man keinen Sendeplatz hat? Mit der Katholischen Rundfunkredaktion der Bischöflichen Presse- und Medienabteilung der Diözese Regensburg fand die KJF einen qualifizierten und zielgruppenorientierten Kooperationspartner, dessen Sendegebiet sich mit dem Verbreitungsgebiet der KJF-Einrichtungen deckt. Die Katholische Rundfunkredaktion gestaltet jeden Sonntag bei den vier Regionalsendern im Bistumsgebiet mehrstündige Kirchensendungen und erreicht damit weit mehr als 100.000 Hörerinnen und Hörer. Immer am letzten Sonntag im Monat geht „Radio sag‘ was!“ dort mit einem zwei- bis dreiminütigen Radiobeitrag auf Sendung. In der Mediathek auf der KJF-Homepage können alle bisher gesendeten Beiträge angehört werden unter www.kjf-regensburg.de/medien.

Themen so viele, wie es Menschen gibt

Zu Gast bei dem damaligen Regensburger Bischof, Dr. Gerhard Ludwig Müller: Pierre Ziebarth (rechts) stellt seine Fragen, u. a.: „Wer kümmert sich eigentlich um Sie?“ Ulrich Macht bedient das Mikrophon. (Quelle: Carl Prämaßing)

Zu Gast bei dem damaligen Regensburger Bischof, Dr. Gerhard Ludwig Müller: Pierre Ziebarth (rechts) stellt seine Fragen, u. a.: „Wer kümmert sich eigentlich um Sie?“ Ulrich Macht bedient das Mikrophon. (Quelle: Carl Prämaßing)

Die Themen für die Beiträge kommen entweder aus dem alltäglichen Leben der Reporterinnen und Reporter oder ergeben sich aus besonderen Aktivitäten in der eigenen Einrichtung, der KJF oder bei „Radio sag´ was!“. So wurde ein Einblick in die Stiftslandwerkstätten St. Elisabeth oder die Wohngemeinschaften St. Benedikt in Mitterteich gegeben, eine dort alljährlich stattfindende Modenschau oder das Modell „Therapie in der Schule“ am Pater-Rupert-Mayer-Zentrum in Regensburg vorgestellt. Das 100-jährige Jubiläum der KJF im Jahre 2012 war genauso ein Thema wie die Eröffnung der Ausstellung „wir be(ein)drucken“ in den Kulturforen Schloß Hartheim in Oberösterreich.

„Radio sag´ was!“ holt die unterschiedlichsten Menschen vors Mikrofon. Immer wieder sind es Mitschüler oder Mitbewohner, Kolleginnen und Kollegen, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den verschiedenen Tätigkeitsbereichen der KJF. Auch manche Prominenz hat ihnen schon Rede und Antwort gestanden, so die Regensburger Diözesanbischöfe Dr. Gerhard Ludwig Müller und Dr. Rudolf Voderholzer, die Bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die Staatsminister Christine Hadertauer und Dr. Markus Söder oder der Landtagsabgeordnete Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, Vorsitzender des Diözesankomitees des Bistums Regensburg. Mit dem ehemaligen Regensburger Hörfunkjournalisten und jetzigen Dogmatik-Professor Pater Dr. Stefan Oster SDB konnte für das Radioprojekt ein Pate gewonnen werden, mit dem in Zukunft noch manche gemeinsame Aktionen angedacht ist.

„Radio sag‘ was!“ macht neugierig

Landtagsabgeordneter Philipp Graf von und zu Lerchenfeld steht den „Radio sag‘ was!“-Reportern Rede und Antwort. Die anschließende Begegnung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer war für das Radioteam ein echtes Highlight. (Quelle: Franz Esterl)

Landtagsabgeordneter Philipp Graf von und zu Lerchenfeld steht den „Radio sag‘ was!“-Reportern Rede und Antwort. Die anschließende Begegnung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer war für das Radioteam ein echtes Highlight. (Quelle: Franz Esterl)

Auf Grund der Kooperation mit der Katholischen Rundfunkredaktion der Diözese Regensburg waren gleich viele Medienpartner aus dem sog. privaten Hörfunk mit dem neuen inklusiven Radioprojekt in Verbindung gebracht. Sehr schnell wurde aber auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk aufmerksam. So waren zwei Reporter von „Radio sag’ was!“ aus Mitterteich im Mai 2012 im „Gesundheitsgespräch“ von Bayern 2 mit Dr. Marianne Koch und Werner Buchberger zu Gast; das „Gesundheitsmagazin“ von Bayern 5 berichtete im Oktober 2012 über das Radioteam aus Regensburg.

Die umfangreiche und anerkennende Berichterstattung in den Medien der Region und auch überregional hat nicht nur zu einem höheren Bekanntheitsgrad des Projektes in der Bevölkerung beigetragen, sondern auch Journalisten immer wieder die Möglichkeit gegeben, sich mit dem Thema „Mensch mit Beeinträchtigung“ auseinanderzusetzen, immer noch vorhandene Berührungsängste abzubauen, die eigene Sprache zu überdenken und zu verändern.

Ein Erfahrungswert, der bei allen Kooperationspartnern, die nicht im eigentlichen Sinne in der Behindertenarbeit tätig sind, gemacht werden konnte, ist der: „Radio sag‘ was!“ macht neugierig, da sich viele nicht vorstellen können, wie Radioarbeit von Menschen mit Beeinträchtigung vonstatten gehen soll. Wenn dann eine Begegnung mit den Machern und den Beiträgen stattgefunden hat, sind die Beobachter oder vielmehr Hörer berührt, begeistert und beflügelt, Menschen mit Beeinträchtigung mehr zuzutrauen. Mit der Verleihung des Bayerischen Sozialpreises durch die Bayerische Landesstiftung im Dezember 2012 im Kuppelsaal der Münchner Staatskanzlei ist die Arbeit von „Radio sag‘ was!“ noch mehr in den Blick der Öffentlichkeit gerückt.

Die Finanzierung des Projektes erfolgte in den ersten beiden Jahren durch Fördermittel der Aktion Mensch e.V. an freie gemeinnützige Antragsteller und durch Eigenmittel der KJF. Nach dem Ablauf der zweijährigen Förderzeit durch die Aktion Mensch e. V. wird das Projekt derzeit ausschließlich aus Mitteln der KJF finanziert. Für Spenden sind die Teams von „Radio sag’ was!“ dankbar.

 

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