Radio: Für jeden gibt es etwas zu tun

Wer an die Arbeit beim Radio denkt, dem fällt meistens der Moderator ein und dann nicht viel mehr. Tatsächlich gibt es sehr viele, sehr unterschiedliche Aufgabengebiete. Bei einem Radioprojekt kommt hinzu: sie unterliegen keinen Effizienzkriterien wie in den Profi-Redaktionen. Das heißt nicht, dass manche Aufgaben nicht notwendig wären, nur in den Radioprojekten haben die Teilnehmer ausreichend Zeit, sich darum zu kümmern.

Bei den Projekten im Bürgerfunkstudio im Bert-Brecht-Haus in Oberhausen bestehen die Gruppen meistens aus zehn bis zwölf Teilnehmern. Daraus werden je nach den Möglichkeiten und dem, was notwendig ist Teams gebildet. Bei der Radiogruppe Adventure zum Beispiel arbeiten meistens zwei Teams parallel an verschiedenen Sendungen. Nach persönlicher und vor allem thematischer Vorliebe setzen sie sich immer wieder anders zusammen.

Eine solche Gruppenarbeit kann im Bürgerfunkstudio problemlos umgesetzt werden, da hier zwei Studios zur Verfügung stehen. Zudem gibt es einen großen Vorraum, in dem sich alle Teilnehmer treffen und besprechen können.

Ziel jedes Medienprojektes ist die Produktion einer Radiosendung. Dazu muss erst einmal ein Thema gefunden werden, das innerhalb des Projektrahmens bearbeitet werden kann und möglichst viele in der Gruppe interessiert. Das hört sich einfacher an, als es ist. Oft genug unterschätzen die Teilnehmer den Aufwand, den ein Thema benötigt.

Wichtig ist diese Phase des Projektes aber auch für die Gruppenfindung. In der Diskussion zeigen sich die Strukturen der Gruppe. Hier findet die Rollenverteilung statt, was teilweise Auswirkungen auch auf die Aufgabenverteilung hat. Wer hier die Diskussion leitet ist meistens auch der, der später für die Organisation zuständig ist. Und das ist eine der wichtigsten. In Redaktionen ist das der CvD, der Chef vom Dienst. Termine mit Interviewpartnern vereinbaren, den Zeitrahmen im Auge behalten – das sind nur zwei der Aufgaben.

Eine andere Aufgabe findet ebenfalls sehr schnell eine Besetzung: die Technik. Wen das Mischpult mit seinen Reglern, Knöpfen und Schaltern nicht abschreckt ist hier richtig. Doch es ist nicht nur das Mischpult. Die Aufnahmegeräte müssen betreut werden, die Mikrofone richtig eingesetzt werden und nicht zuletzt, muss die Aufnahme mit dem PC gesteuert werden und die Sendung mit einem Schnittprogramm zusammengefügt werden.

In der Redaktion warten die meisten Aufgaben. Das Thema muss strukturiert werden, der genaue Ablauf der Sendung wird geplant. Dazu gehört die Recherche, ob im Internet, telefonisch oder hier im Bert-Brecht-Haus in der Bibliothek. Interviewpartner müssen ausgewählt und die Interviews vorbereitet werden. Ganz nebenbei werden Kenntnisse in journalistischen Darstellungsformen und Interviewtechniken vermittelt.

Ist das alles erledigt müssen die Texte der Sprecher geschrieben werden. – Schreiben? Fürs Radio? Klar, auch wenn manch einer denkt, im Radio reiche es „frei von der Leber weg“ zu reden. Selbstverständlich gelten für Texte im Radio besondere Regeln. Schließlich hat ein Hörer nicht die Möglichkeit wie ein Zeitungsleser, den Text nochmal zu lesen.

Über eine Aufgabe wurde noch gar nicht gesprochen: den Moderator oder besser die Sprecher. Der Moderator ist derjenige, der durch die Sendung führt. Er ist es, der dem Hörer einen „roten Faden“ durch das Thema bieten soll. Dabei muss immer wiederholt werden, wer man eigentlich ist und um welches Thema es geht. Auch wenn es manchmal etwas übertrieben wirkt, Hörer schalten beliebig Radiosendungen ein – und eben auch wieder aus, wenn man sie nicht an die Sendung bindet.

Der Moderator führt auch ins Thema ein, wirft Fragen auf. Er bindet die Sprechbeiträge der anderen Teilnehmer oder auch der Interviewpartner ein.

Schließlich bleibt noch eine Aufgabe: die Musik. Der Musikanteil einer Radiosendung variiert je nach Sender und Zielgruppe. Musik erfüllt auf jeden Fall einen wichtigen Sinn für den Hörer: Sie unterteilt ein Thema in die einzelnen Fragestellungen. So kann jeder das, was er gerade gehört hat, nochmal Revue passieren lassen. Darüber hinaus macht sie auch noch Spaß. Dass die Musik nicht nur zum Sender, sondern auch zum Thema passen sollte, leuchtet jedem schnell ein.

Welche Voraussetzung müssen jetzt die Teilnehmer erfüllen? Keine Besonderen! Die Technik stellt vielleicht noch spezielle Anforderungen. Hilfsmittel für die Arbeit am PC können am Studiorechner so eingesetzt werden wie an jedem anderen PC. Sprechübungen müssen sowieso alle machen. Und die Schreibregeln fürs Radio sind auch für alle gleich.

Eigentlich gibt es nur eine Voraussetzung, die die Teilnehmer mitbringen müssen: Neugierde.

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