Mit Langstock, Tablets und Greenscreen: Weiterbildung Inklusive Medienpädagogik startete im Bennohaus

WB Teilnehmende testen unterstützende TechnologienHerzstück unserer Projekte rund um Inklusion mit Medien ist die Weiterbildung Inklusive Medienpädagogik, die wir im Rahmen von NIMM 2.0 nun mittlerweile zum 3. Mal durchführen. Ziel der Weiterbildung ist es, die Teilnehmenden zu qualifizieren, selbst inklusive Medienprojekte umzusetzen. Die Teilnehmenden bringen dabei sehr unterschiedliche berufliche Erfahrungen mit ein, tauschen sich aus, führen gemeinsam Projekte durch und vernetzen sich im besten Fall auch nach dem Abschluss der Weiterbildung.

WB-Teilnehmerin "blind" mit Langstock

Das Auftaktmodul fand vom 13. bis 15. Juni 2014 im schönen Bennohaus in Münster statt und bot den Teilnehmenden gleich die Gelegenheit, zahlreiche Aspekte rund um Inklusion mit Medien kennen zu lernen. Los ging es am Freitagabend mit einer ausführlichen Vorstellungsrunde, anschließend gab es einiges zu erleben und auszuprobieren: im Rollstuhl und mit Simulationsbrille „blind“ und mit Langstock das Bennohaus erkunden, schärfte den Sinn für Barrieren und die Perspektive von Menschen mit Behinderungen. Wie Technologien Menschen mit Behinderungen beim Zugang zu Medien und Kommunikation unterstützen, zeigten Computerarbeitplätze und Tablets mit Kopfmaus, Kommunikationssoftware und Bedienungshilfen wie VoiceOver für das iPad.

WB-Teilnehmer vor dem Greenscreen

 

Wie man mit relativ einfachen Mitteln tolle Fotoprojekte umsetzen kann, konnte die Gruppe mit Hilfe der Greenscreentechnik ausprobieren: Eine Person wird in einer bestimmten Pose vor einem grünen Tuch abgelichtet, die Abbildung anschließend mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms (z. B. das kostenlose GIMP) vor einem anderen Hintergrund eingefügt – was sehr witzige und effektvolle Bilder ergibt!

Samstag bot eine Fülle von Inputs und Diskussionen rund um die Themen Behinderung und Inklusion. Nach einem Vortrag über Behinderungsarten und -modelle (soziales vs. individuelles Modell von Behinderung) erarbeiteten die Teilnehmenden in 3 Gruppen ihre Positionen im Rollenspiel „Denkmalstreit“ (Quelle: Online-Handbuch Inklusion als Menschenrecht) und diskutierten im Anschluss: Wie sollte ein Denkmal für Präsident Roosevelt aussehen? Abstrakt, wie von Roosevelt selbst gewünscht, im Rollstuhl, wie von der Selbst-Bestimmt-Leben gefordert oder ohne Rollstuhl?

Unterstützende Technologien ausprobieren

Ziel war, die Teilnehmenden dafür zu sensibilisieren, dass eine Behinderung aus Barrieren der Umwelt resultiert und die Wahrnehmung von Behinderung ein Ergebnis gesellschaftlicher Diskurse ist – und diese Gestaltung der Umwelt und die Wahrnehmung kann sich ändern! In einer Mediengesellschaft spielen dabei natürlich auch die Medien eine wichtige Rolle, wie der anschließende Exkurs über das Bild von Behinderung in den Medien aufzeigte.

Ebenfalls in 3 Gruppen entwickelten die Teilnehmenden am Nachmittag bereits erste, spannende Projektideen rund um das Thema Leichte Sprache. Zum Abschluss des Tages resümierten die Teilnehmenden, wo sie in ihrem Umfeld Inklusion bereits verwirklicht und in welchen Faktoren sie die größten Probleme bei der Umsetzung von Inklusion sehen – was könnten erste Schritte sein, diese Probleme zu überwinden und Inklusion umzusetzen?

Coach Selma Brand und WB TeilnehmerDer Sonntag stand ganz im Zeichen der Medienpraxis. Selma Brand und Maria Frahling vom Bennohaus Münster, Inklusions-Scouts des Netzwerks und zugleich Coaches der Weiterbildung, führten in Methoden ein, die sich gut für inklusive Projekte eignen, da Heranwachsende mit ihnen effektvolle Bilder und Töne erzeugen können und das auf sehr einfache Art und Weise, wie zum Beispiel mit Lightpainting. Am Vormittag standen dazu Aufgaben wie Foto-Horror-Story auf dem Tablet erzeugen, ComicLife auf dem Tablet bzw. PC bedienen sowie Audio-Aufnahmen mit EasiSpeak erzeugen auf dem Programm.

Um sich in mögliche inklusive Settings einzufühlen, fanden zum Abschluss Gruppenaufgaben statt, bei der verschiedene Behinderungen (z. B. nicht hören, nicht sprechen, nicht sehen können, im Rollstuhl sitzen) mit berücksichtigt werden mussten. Wie können alle Teilnehmenden einer inklusiven mit einbezogen werden? Wie können sich unterschiedliche Voraussetzungen so ergänzen, dass am Ende die Gruppenaufgabe erfolgreich gelöst werden kann?

Insgesamt also ein volles Programm mit interessanten, interessierten und engagierten Teilnehmenden – wir freuen uns auf den weiteren Verlauf der Weiterbildung und die Praxisprojekte, die da noch kommen! :-)

 

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