„Leichte Sprache – ganz schön schwer!“ – Regionaler Workshop im Bürgerhaus Bennohaus

Übersetzung einer Programm-Info des Bennohauses in Leichte SpracheAm 15. Dezember 2014 fand im Rahmen des Netzwerks Inklusion mit Medien (NIMM!) ein Workshop zum Thema Leichte Sprache im Bürgerhaus Bennohaus in Münster statt. Die vierzehn Teilnehmenden kamen aus unterschiedlichen Bereichen; so gab es neben Pädagogen und Filmschaffenden auch Redakteure und Programmierer.
Die Referentin Frau Holtz, eine ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Leichten Sprache (u.a. Autorin des Stadtführers Münster in Leichter Sprache), führte in das Thema anschaulich mit vielen Beispielen ein.

Die Teilnehmenden erkannten, dass man die in der Schule erlernten Regeln über Wortwiederholungen und beschönigende Umschreibungen bei der Nutzung von Leichter Sprache vernachlässigen muss. Um Texte verständlicher zu machen, darf man als Autor sogar unwichtige Dinge weglassen, muss auf der anderen Seite jedoch oft Worte oder Zusammenhänge erklären.

Beispiel:
Schwere Sprache: „Online-Banking“

Leichte Sprache:

“Dazu sagt man Online-Banking.
Das ist Englisch.
Wir sprechen: On-Lein-Bänking“.

Die Regeln für leichte Sprache beinhalten jedoch nicht nur inhaltliche, sondern auch orthografische Feinheiten. Es sollte sehr groß und in kurzen Sätzen mit mindestens einem Abstand von 1,5 geschrieben werden. Außerdem soll jeder Satz in einer neuen Zeile stehen und möglichst mit Bildern illustriert  werden. Auch hierfür hatte Frau Holtz wertvolle Tipps und ergänzte wichtige rechtliche Hinweise zur Nutzung von Piktogrammen.

Nach den Erklärungen durften die Teilnehmenden das Gelernte direkt in die Praxis umsetzen. Frau Holtz hatte sich im Vorfeld Texte der Teilnehmenden beschafft  und half nun, diese in Leichte Sprache zu übersetzen. Dass dieses manchmal noch schwieriger ist, als Texte auszuschmücken, fiel besonders einer jungen Redakteurin auf. Mit viel Elan wurde unter den Teilnehmenden über verschiedene Formulierungen diskutiert.

Wie wichtig das Anbieten von Informationen in Leichte Sprache ist, machte der zweite Teil des Workshops deutlich: Hier hatte Frau Holtz eine Prüferin eingeladen, die selbst als Mensch mit Lernschwierigkeit auf Texte in Leichte Sprache angewiesen ist. Kritisch las sie die Ergebnisse und half die passende Formulierung zu finden. So auch bei einem Beispieltext eines Teilnehmenden, der sich inhaltlich mit der sexuellen Orientierung von Menschen befasste.

Zitat: „Das Wort Homosexualität kenne ich nicht.“ „Schwul und lesbisch, die Wörter kenne ich.“

Dieses Live-Erlebnis war für alle Teilnehmenden eine große Bereicherung. Alle haben durch den Workshop erkannt, dass man Texte zweimal schreiben muss, wenn sie von allen verstanden werden sollen. Einen Informationstext etwas leichter zu formulieren wird wenig Erfolg haben, wenn nicht alle Regeln beachtet wurden. Denn Leichte Sprache ist ganz schön schwer!

Der Workshop hat besonders eine junge Pädagogin zum Nachdenken angeregt:

„Wir  sagen immer laut, wie wichtig soziale Gerechtigkeit ist und arbeiten mit so vielen Menschen zusammen. Wenn 14 % der Menschen in Nordrhein-Westfalen nur Leichte Sprache verstehen können, so ist es ein MUSS für uns, diese in unseren Veröffentlichungen passend anzusprechen.“

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