Inklusion beginnt bei der barrierefreien Webseite – Tipps für Online-Redakteure!

Checkliste für RedakteureInklusion beginnt ja bekanntlich bereits mit der Ansprache aller potenziellen Interessenten auf der eigenen (Einrichtungs-) bzw. Projektwebseite. Hier kann man bereits sehr viel tun, ohne programmiertechnisches Spezialkenntnisse haben zu müssen! So wie es selbstverständlich sein sollte, dass es mehrere Möglichkeiten zur Ansprache der Einrichtung bzw. der Projektverantwortlichen gibt (Telefon UND E-Mail sollten obliat sein, E-Mails sollten zeitnah beantwortet werden), sollten sich Online-Redakteure bzw. diejenigen, die die Webeite eines Projekts oder einer Einrichtung betreuen, darüber Gedanken machen, dass die Webseite möglichst barrierefrei zugänglich ist.

Barrierefreie Webseite = Gute PR!

Wichtig ist, sich klar zu  machen, dass eine barrierefreie Webseite weit mehr ist als ein “Spezial-Service” für eine kleine “Minderheit” (den man also evtl. auch unter den Tisch fallen lassen kann..), sondern nichts anderes als eine gut gepflegte Webseite, die redaktionellen Standards enstpricht und einen Hinweis auf die Professionalität und Qualität eines Projekts bzw. Einrichtung gibt!

Suchmaschinen sind “blind”!

Blinde Nutzerinnen und Nutzer sind mit sogenannten “Screenreadern” im Internet unterwegs, diese lesen den Inhalt einer Seite und erfassen weitere Infos, die im Quellcode ausgezeichnet sind (wie z. B. die festgelegte Seitensprache, die wichtig ist, damit ein Screenreader mit der richtigen “Aussprache” vorliest). Wichtig für Alle ist zu wissen, dass auch Suchmaschinen “blind” sind und die Infos einer Seite so erfassen, wie blinde Screenreader-Nutzer. Eine barrierefreie  Webseite wird also von Google und Co. besser gefunden und erfreut sich eines besseren Rankings in der Trefferliste.

Checkliste für Redakteure von Siteimprove

Die Firma Siteimprove, die u. a. Webseiten auf Barrierefreiheit testet, hat daher einen an die barrierefreie Informationstechnik-Verdnung (BITV) angelehnten Leitfaden für Redakteure veröffentlicht, der Tipps für Online-Redakteure für die Gestaltung von barrierefreien Online-Inhalten bietet – und die eigentlich in jedem gängen Content- Management-System, ob Typo3, WordPress etc… umgesetzt werden können! Der Leitfaden kann hier heruntergeladen werden.

Tipps für Online-Redakteure

Im Folgenden fassen wir die unserer Meinung nach wichtigsten Tipps für Online-Redakteure zusammen.

Tipp 1: Verwenden Sie Formatvorlagen für Überschriften und Listen

Formatvorlage für Überschriften im WordPress Editor

Das bedeutet: Eine Überschrift wird NICHT erzeugt, indem Sie die Schriftgröße vergrößern, den Text fetten und und eine andere Textfarbe verwenden… sondern indem Sie in den Formatforlagen in dem Editor Ihres CMS eine Überschriften-Format-Vorlage wählen (z. B. Überschrift 1). Längere Texte gliedern Sie am besten durch Zwischenüberschriften, für die Sie eine Überschrift einer logisch untergeordneten Ebene verwenden (z. B. Überschrift 2, Überschrift 3 etc.). Die obige Zwischenüberschrift wurde beispielsweise mit der Formatvorlage “Überschrift 2″ formatiert. Blinde Menschen erfassen eine Webseite mit einem Screenreader, der alle Inhalte einer Seite vorliest. Mit dem Screenreader können Überschriften “angesprungen” werden und so eine Zusammenfassung über den Inhalt eines Textes erhalten werden. So können Screenreader-Nutzer sich orientieren und feststellen, welchen Inhalt eine Seite hat bzw. die Lektüre für ihn interessant ist, ohne dass er bzw. sie sich die ganze Seite vorlesen lassen muss.

Nutzen Sie auch sonst die im Editor zur Verfügung gestellten Formatvorlagen für Listen (nummeriert oder unnummeriert).

Tipp 2: Ein Link muss immer auf sein Ziel verweisen!

Aussagekräften Link-Text im WordPress-Editor eingebenVermeiden Sie Link-Texte wie “mehr lesen” oder “hier klicken”, sondern verwenden Sie aussagekräftige Link-Texte und Link-Titel wie “Weitere Infos zum Projekt xyz” (Den Link-Titel geben Sie zumeist in einer Formular-Zeile unter die Link-URL ein). Auch Link-Texte können separat vom Screenreader angesprungen werden und sollten daher aussagekräftig auf ihr Ziel verweisen! Aussagekräftige Links sind also ebenfalls wichtige Elemente für die Navigation blinder Screenreader-Nutzer. Wichtig: Vermeiden Sie, dass eine verlinkte Seite in einem neuem Fenster oder Tab öffnet, Screenreader-Nutzende werden so “aus der Seite geschmissen” und finden unter Umständen schwer zur Ausgangsseite zurück.

Tipp 3: Verwenden Sie Alternativ-Texte für Bilder!

Alternativtext für Bilder im WordPress-Editor eingebenJedes Bild sollte mit einem Alternativ-Text versehen werden, der den Inhalt des Bildes kurz, aber aussagekräftig wiedergibt. So können sich auch blinde Nutzer/innen ein “Bild” von Ihrer Seite machen, indem der Screenreader den Alternativ-Text zum Bild vorliest. Ausnahme: Grafiken mit rein und ausschließlich dekorativer Funktion. Verwenden Sie außerdem NIEMALS Text in Grafiken (außer in Logos, welches Sie dann selbstverständlich mit einem aussagekräftigen Alternativ-Text versehen wie “Logo des Projekts xyz”.

Tipp 4: Video, Audio und andere Formate

Denken Sie daran, dass nicht jeder hören und sehen kann! Wenn Sie Audio-Elemente einbinden, stellen Sie alternativ den Inhalt in einem Text-Dokument zur Verfügung. Videos sollten mindestens Untertitel enthalten, im besten Fall eine Audiodeskription. Ist dies aufgrund technischer und zeitlicher Ressourcen nicht möglich, bieten Sie zumindest eine Zusammenfassung des Video-Inhalts an.

PDF-Dokumente zum Herunterladen auf Webseiten anzubieten wird immer verbreiteter, da der Inhalt eines Dokuments so unabhängig vom Browser im immer gleich bleibenden Layout herunter geladen werden kann und das Dokument nachträglich nicht mehr bearbeitet werden kann. Früher eher wenig zugänglich, können auch PDFs mitterweile barrierefrei sein (bzw. müssen es auf Webseiten, die den Kriterien der Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung entsprechen, auch sein.). Wenn Sie z. B. ein einfaches Word 2010-Dokument (ohne Tabellen, Grafiken etc.) direkt aus dem Word-Programm in ein PDF umwandeln, dann ist dieses in der Regel auch als PDF gut zugänglich, vorausgesetzt Sie haben das Word-Dokument mit Verwendung von Formatvorlagen korrekt formatiert. Sind Sie unsicher, ob ein PDF barrierefrei ist, können Sie es mit dem PDF-Accessibility-Checker der Stiftung Zugang für Alle auf Barrierefreiheit überprüfen. Sind Sie trotzdem unischer oder können nicht wirklich einschätzen, ob Ihr PDF barrierefrei ist – verzichten Sie einfach darauf oder bieten Sie Ihre Infos ergänzend als Text-Dokument an.

P.S. Ab dem Adobe Reader 2010 kann man sich PDFs auch vorlesen lassen, vorausgesetzt man hat eine deutsche Stimme installiert, sonst wird mit englischer Aussprache vorgelesen. Auf dieser Seite gibt es eine sehr umfangreiche, getestete Übersicht über künstliche deutsche Stimmen.

Weitere Infos

Auf der Seite von Digital informiert – Im Job integriert finden sich zahlreiche weitere Informationen zum Thema Barrierefreiheit und Digitale Medien. Wer sich mit dem Thema intensiver befassen möchte, findet dort eine sehr gute, umfangreiche Sammlung von Leitfäden und Dokumenten zum Thema.

Auf dem Blog von Marlem Software gibt es viele informative Tipps rund um barrierefreies Internet, Barrierefreiheit von iOS vs. Android und vieles mehr.

Hinterlasse eine Antwort