Eine Pädagogik der Vielfalt in den KITAs von Käpt´n Browser – Ein Gastbeitrag von Thomas Schnaak

Kinder der IntegrationsKITA Hand in Hand nutzen unterstützende TechnologienKindertagesstätten waren von Anfang an „Vorreiter“ in Sachen Inklusion. Sei es, weil Bildung hier weitaus weniger formalisiert und vor allem separiert ist als an Schulen und den pädagogischen Fachkräften dadurch mehr kreative Freiräume für „unkonventionelle“ Wege offen stehen. Sei es, weil KITA-Pädagogen sowieso auf ein großes Spektrum von Bedürfnissen eingestellt sind: vom Krabbelkind, welches (noch) nicht alleine essen, sich anziehen bzw. auf die Toilette gehen kann bis hin zum Vorschulkind, welches seine ersten Lese-Schreib-Rechen-Erfahrungen machen möchte. Thomas Schnaak, Fachberater Medien der Käpt’n Browser gGmbH, beschreibt am Beispiel der IntegrationsKITA Hand in Hand des Trägers Käpt’n Browser, wie gemeinsames Leben und Lernen beispielhaft gestaltet werden kann. Die Käpt’n Brower gGmbH betreibt KITAs in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen.

Die IntegrationsKITA Hand in Hand in Berlin-Köpenick unter der Leitung von Andrea Voss hat als heilpädagogische Einrichtung mit ihrer Arbeit begonnen, Schritt für Schritt öffnete sie sich für das gemeinsame Spielen und Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen. Natürlich benötigt Inklusion materielle und technische Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel barrierefreie Räume. Aber: Inklusion beginnt vor allem im Kopf und im Herzen: „Letztlich geht es für uns Erzieher nicht um eine ausgeklügelte pädagogische Theorie, sondern darum, die Kinder zu lieben“, so die Aussage des Teams der KITA Hand in Hand. Das bedeutet, sie wert zu schätzen, sie mit Empathie und Interesse zu begleiten und die Eltern als gleichberechtigte Partner anzuerkennen. Durch eine „Pädagogik der Vielfalt“ sollen die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse berücksichtigt und so echte Teilhabe möglich werden. Lange Wartelisten und der exzellente fachliche Ruf der Einrichtung in Berlin zeigen, dass Inklusion an diesem Ort schon jetzt gelebte Realität ist. Eltern von Kindern mit und ohne Behinderungen sammeln hier die Erfahrung, dass alle profitieren, wenn niemand zurückbleibt.

So erging es auch Yvonne und Mark, den Eltern von Grace und Glen. Beide Kinder zeigen autistische Züge, leben stark in ihrer inneren Gedankenwelt. Für Pädagogen kommt es darauf an, für diese Kinder eine Brücke zu anderen zu bauen. Dafür gibt es in der KITA Hand in Hand zahlreiche Methoden und Beispiele – zum Beispiel gebärdenunterstützte und computerunterstützte Kommunikation oder das TEACCH-System. Wichtiger aber noch sind die innere Haltung der Erzieher und ihre Bereitschaft, flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Zum Beispiel Grace: Anfangs hatte sie Schwierigkeiten, sich in der KITA und in ihrer Gruppe heimisch zu fühlen, die Erzieher überlegten, wie man ihr den Start erleichtern könnte. Normalerweise wird vor Beginn des Morgenkreises noch keine Musik gespielt. Aber für Grace wurde eine Ausnahme gemacht: Ihre Lieblingsmusik erleichterte ihr den „Übergang“ aus ihrer Welt in die Gruppe, und alle Kinder freuten sich gemeinsam mit Grace über die Musik. An diesem Beispiel wird deutlich, dass Inklusion eben auch bedeutet, Regeln und Routinen zu hinterfragen und flexibel abzuwandeln.

Seitdem die Käpt´n Browser gGmbH Träger der Einrichtung ist, haben sich die pädagogischen Handlungsspielräume noch erweitert. So konnte die IntegrationsKITA am Bundesmodellprojekt „Kinder für eine Welt – Erziehung zur Toleranz“ teilnehmen und Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam an die gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK) heranführen. Darüber hinaus wurde die KITA Hand in Hand mit Medientechnik und barrierefreier Lernsoftware ausgestattet. Über eine trägereigene Fortbildung „Facherzieher/in für Integration“ konnten neue Fachkräfte ausgebildet werden. All das kommt der inklusiven Arbeit vor Ort zugute.

Über eine Beobachtung freuen sich die Kollegen besonders: „Unsere Kommunikation wäre ohne die Integrationskinder nicht so herzlich und einfühlsam“. Deshalb gewinnen alle, wenn niemand ausgeschlossen wird. Dennoch bleibt es eine Daueraufgabe, sich geduldig mit gesellschaftlichen Vorurteilen der Inklusion gegenüber auseinanderzusetzen. Sie stellt sich auch dann noch, wenn dieses Thema wieder von der Tagesordnung der Bildungspolitik verschwunden sein wird.

Infos zu Käpt‘n Browser

Die Käpt’n Browser gGmbH, eine Tochtergesellschaft der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg) gGmbH, betreibt seit 2005 bundesweit Kindertagesstätten: Mittlerweile neun in Berlin, acht in Nordrhein-Westfalle und eine in Sachsen. Der Name geht auf ein Maskottchen zurück – Käpt’n Browser ist eine Comic-Figur, die Kinder anschaulich und altersgerecht an Technik, Naturwissenschaft und die Welt der Medien heranführen möchte, so wie es dem Profil des Trägers entspricht:

„Wir führen die Kinder behutsam an die Welt der Medien und naturwissenschaftliche Phänomene heran, greifen ihre Entdeckerlust auf und verarbeiten altersgerecht und verantwortungsvoll mit ihnen gemeinsam erste Erfahrungen in ihrer Lebenswelt. Am Anfang stehen bei uns Bilder, Bücher und Hörkassetten im Vordergrund. Erst allmählich bereiten wir die Kinder auf die selbständige und überlegte Nutzung des Computers und anderer Medien (Foto, Film) vor. Bei uns gestalten die Kinder ihre eigenen Medien, in denen sie ihre Träume, Wünsche und Hoffnungen ausdrücken können.“ (Quelle: Webseite)

 

Kinder mit besonderen Bedürfnissen erhalten in integrativen Gruppen besondere Angebote. Mit der KITA „Flohkiste“ betreibt der Träger auch in NRW eine eigene integrative KITA, der Umbau weiterer KITAs in Richtung Barrierefreiheit ist in Arbeit.

Alle Infos zu Käpt’n Browser, seinen besonderen Projekten und den KITAs in NRW: www.kaeptnbrowser.de

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