Der Originalton

Ein O-Ton – so der fachmännische Ausdruck – ist für die Radiosendung so wichtig wie das Salz in der Suppe. Wie ein Zitat belegt er Aussagen, charakterisiert Personen aber vor allem, die Sendungen werden lebendiger. Einzige technische Voraussetzung: ein Aufnahmegerät.

Früher benutzte man dafür tragbare Tonbandgeräte, nach dem Hersteller kurz Nagra genannt. Stabil, zuverlässig, aus Metall und fürchterlich schwer. Die Nachfolgemodelle mit Kassette waren da, mit der Größe eines Brockhaus-Lexikons, schon reporterfreundlicher. Schließlich wurde die Kassette durch den Chip ersetzt. Heutige Aufnahmegeräte haben die Größe von knapp zwei Zigarettenschachteln.

Mit der Cassette wurden die Aufnahmegeräte kleiner.

Mit der Cassette wurden die Aufnahmegeräte kleiner.

Externe Mikrofone können, müssen aber nicht angeschlossen werden. So kann das Aufnahmegerät quasi wie ein Mikrofon verwendet werden. Nachteil dieser Geräte sind die oft sehr kleinen Bedienschalter. Vor allem bei motorischen Einschränkungen der Hände kann es Probleme geben. Vor dem Kauf also besonders auf das Handling achten.

Nur mit Windschutz

Vor Ort stellen sich dann andere Probleme ein. Bei Außenaufnahmen stört häufig der Umgebungslärm. Ein vorbeifahrender Zug, eine Autohupe oder nur ein Zwischenruf – schon ist diese Interviewstelle unbrauchbar. Gut, wenn man es direkt bemerkt, aber oft genug, stellt man das erst im Studio fest. Und dann kann die Szene nicht einfach wiederholt werden. Besonders wichtig ist es deshalb bei Außenaufnahmen, einen Kopfhörer zu benutzen. Nur so hört man störende Nebengeräusche heraus.

So schön der Wind für Segler ist, die Aufnahme stört er. Ohne Windschutz ist ein Mikrofon bei Außenaufnahmen nicht zu gebrauchen. Hier gibt es für unterschiedliche Windstärken die passenden Modelle, von der einfachen Schaumstoffkugel bis hin zum Fellwindschutz. Wann Umgebungsgeräusche störend sind, ist eine gern diskutierte Frage bei Qualitätskriterien fürs Radio. Im Bürgerfunkstudio im Bert-Brecht-Haus gilt eine klare Regel: Eine Außenaufnahme ist eine Außenaufnahme – und das darf der Hörer ruhig hören, so lange die Kernaussagen verständlich sind.

Mit Hall gelingt es nicht

Viel problematischer sind dagegen Innenaufnahmen. Der Hall ist hier das Risiko für eine brauchbare Aufnahme. Gerade bei Veranstaltungen in Hallen zeigt sich dieses Problem. Für Audiobeiträge, die über das Veranstaltungsmischpult laufen – und das sind alle Reden, bei denen die Mikrofone der Veranstalter genutzt werden – hilft eine nette und freundliche Nachfrage beim Tontechniker. Meistens lassen sich die Aufnahmegeräte nämlich ans Mischpult anschließen. So nimmt man die Redebeiträge direkt als Eingangssignal am Mischpult auf ohne störende Umgebungsgeräusche.

Sollen anschließend Interviews geführt werden, wird es schon schwieriger. Die Veranstaltung ist zu Ende, Menschen gehen, Stühle werden gerückt. Bei prominenten Interviewpartnern scharen sich viele Schaulustige und andere Interessierte um einen. Oft haben Interviewpartner nur begrenzte Zeit, weil schon die nächste Veranstaltung, der nächste Termin wartet.

Hier helfen Interviewabsprachen vor Beginn der Veranstaltung. Beim prominenteren Interviewpartner muss auf jeden Fall ein paar Tage vorher, deren Pressesprecher kontaktiert werden. Spontane Interviews sind hier kaum machbar. Vielleicht ist es möglich in einen Nebenraum zu gehen, um dort das Interview durchzuführen. Im Vorteil ist auch eine Radiogruppe. Dann kann man sehr viel besser die Interviewsituation „körperlich“ abschirmen. Die Fragen müssen natürlich gut vorbereitet sein. Direkt bei einer Veranstaltung hat man keine Zeit dafür. Da muss man mit Augen und Ohren überall gleichzeitig sein. Und nicht die Ausrüstung aus den Augen lassen!

Bücher sind nicht nur zum Lesen gut

Interviews bei Behörden oder Verbänden sind oft wichtige Bestandteile einer Reportage. Nun sind Amtsstuben und Büros keine Wohnzimmer. Das heißt, hier gibt es Hall. Oft noch schlimmer als in Veranstaltungshallen. Kleine Tricks können hier helfen. Gibt es vielleicht Stoffvorhänge, Bücherregale oder geöffnete Aktenschränke? Besonders Bücher sind wahre Hall-Absorbierer.

Immer wieder Hall! Ja, er ist besonders schädlich für eine gelungene Aufnahme. Oft hört man ihn erst im Studio. Trotz aller Technik, kann der Hall nachträglich kaum gemildert werden. Und senden kann man Beiträge mit Hall nicht. Sie sind im Radio schlecht zu verstehen.

Denkt man an solche Dinge und hat die Akkus frisch geladen und Ersatz-Akkus dabei, dann sind Außenaufnahmen ein echtes Ereignis. Insbesondere bei medienpädagogischen Projekten steigern sie das Selbstbewusstsein der Teilnehmer. In der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, von Interviewpartner ernst genommen zu werden – all das fördert die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Besonders, wenn man mit Pressekarten zu einer Veranstaltung eingelassen wird.

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