Camp Nimm! +++ Session-Doku 7 +++ Thomas Beckermann, Dirk Neumann: Digitale Hilfen im (inklusiven) Unterricht

DSC_0558_für BlogInklusiver Unterricht bedeutet, dass pädagogische Fachkräfte mit sehr teilweise sehr individuellen Lernvoraussetzungen umgehen müssen. Welchen Beitrag können digitale Medien dabei leisten? Die Förderpädagogen Thomas Beckermann und Dirk Neumann vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung stellten in ihrer Camp-Nimm!-Session Apps, Geräte, Methoden und Plattformen vor und diskutierten Praxisbeispiele, Szenarien, Chancen und Konzepte zum Einsatz von digitalen Medien im (inklusiven) Unterricht. Grundlage der Diskussionen bilden die mittlerweile dreijährigen Erfahrungen der Arbeitsgruppe „Inklusion und digitale Medien“ des niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ). Die Sessionteilnehmenden konnten digitale Tools an Geräten selbst ausprobieren.

Thomas Beckermann und Dirk Neumann schildern zunächst den aktuellen Stand der Umsetzung der Inklusion in Niedersachsen, die der Situation in Nordrhein-Westfalen ähnelt: Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen werden nach und nach aufgelöst, Förderschulen mit anderen Förderschwerpunkten bleiben erhalten, die Eltern haben hier Wahlrecht, in welcher Schule ihre Kinder eingeschult werden. Förderschullehrer sind in der Regel an zwei Schulen angedockt und für die förderpädagogische Grundversorgung zuständig. Dies reicht aber in der Regel nicht für die notwendige Unterstützung: Klassen werden immer heterogener, die Herausforderungen größer, bei vielen herrscht das Gefühl der Mängelverwaltung vor. Die den Schulen zugeordneten Förderschullehrer können zwar beraten, aber kaum den Unterricht übernehmen.

Entsprechend hoch ist das Interesse der Lehrerschaft an didaktischen Methoden und Tools, um den Herausforderungen des individualisierten Lernens gerecht zu werden. Tabletts können eine Möglichkeit sein, individuelles Lernen zu fördern: Sie sind leicht und intuitiv zu bedienen – dies ist auch für pädagogische Fachkräfte wichtig, da die intuitive Bedienbarkeit auch auf ihrer Seite Einsatzhürden senkt. Ein Problem im Kontext eines praktischen Einsatzes im Schulalltag kann jedoch die unterschiedliche Ausstattung mit WLAN darstellen!

Apps, die das individualisierte Lernen in inklusiven Settings unterstützen können:

  • learningapps.org: LearningApps ist eine kostenfreie Plattform, mit der individuelles Lern-Material („Apps“) für verschiedene Lernschritte einfach erstellt werden kann. Erstelltes Lern-Material wird über die Plattform geteilt und kann rechetchiert werden. Enthält hilfreiche Tools für die YouTube-Lernvideo-Erstellung.
  • www.playosmo.com: Das Konzept des Osmo-Systems setzt auf die Verbindung von Digitalem mit Haptischem: Es wird mit „echten“ (Bild-) Karten, Puzzle-Teilen und Stiften gearbeitet, der Bildschirm gibt Feedback und weitere, motivationsfördernde Elemente, wie Bildhintergründe, Animationen, Spiele, Geschichten etc. hinzu. Bei Osmo Tangram werden beispielsweise mit echten Holzstücken auf dem Bildschirm erscheinende Puzzle nachgelegt. Hat man das Puzzle richtig gelegt, gibt es eine visuelle und akustische Belohnung. Bei Osmo Coding können Kinder Grundlagen des Programmierens lernen, indem sie einzelne Programmierbefehle wie Puzzle-Teile logisch so aneinanderlegen, dass auf dem Bildschirm ein Spielcharakter durch ein Computerspiel geführt wird. Die Osmo-Lernspiele lassen sich gut in Einzelsituationen nutzen, es gibt ein großes Angebot für spezielle Lernsituationen.
  • bookcreator.com: Book Creator ist die ultimative E-Book-App, mit der einfach multimediale E-Books selbst erstellt werden können. Dadurch, dass Inhalte sehr einfach in Text, Bild, Sprache und Video integriert und wieder gegeben werden können, eignet es sich sehr gut für inklusive Settings. Ein mögliches didaktisches Szenario wäre: Ein angelegtes E-Book muss mit Informationen aus einem Film gefüllt werden. Der Film kann an beliebiger Stelle gestoppt und wiederholt werden. Dabei sind unterschiedliche Differenzierungsstufen denkbar, z. B. indem Schülerinnen und Schüler selbst steuern können, welche Übungen gemacht werden.

Die Teilnehmenden der Session konnten im Anschluss selbst noch weitere Apps testen, z. B. die App Choice Works, mit der Abfolgen wie Tagesabläufe und Stundenpläne visuell strukturiert und geübt werden, was insbesondere für autistische Kinder sehr hilfreich ist. Oder die App Explain Everything, eine interaktive Whiteboard-App, mit der wirklich „alles erklärt“ werden kann.

Weitere Infos

Kontakt

Dirk Neumann: dneumann@nibis.de
Thomas Beckermann: beckermann@nibis.de

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