Camp Nimm! +++ Session Doku 5 +++ Selma Brand, Hip, schnell, zeitgemäß vs. langfristig bildend

Barcamp TeilnehmendeSelma Brand, Projektleiterin des Projekts Nimm! on Tour 2017, möchte in ihrer Session die Möglichkeiten für nachhaltige Medienprojekte diskutieren: „Sollen wir nur noch mit Smartphones und Tablets arbeiten, mehr theoretische Inhalte vermitteln oder auch mal ein Filmmuseum besuchen, um zu sehen, “woher eigentlich alles kommt”? Haben wir überhaupt Zeit dafür? Durch die Fluktuation von Jugendlichen in der offenen Arbeit, wechselnde Interessen und schnelle Weiterentwicklung medialer Möglichkeiten wird es immer schwieriger, eine feste Gruppe über einen längeren Zeitraum zu erreichen und somit (vermeintlich?) nachhaltig zu arbeiten.“

Regelmäßige Treffen, Aktionen, Projektwochen – Was geht wo?

Zunächst wurden die Einschätzungen der Session-Teilnehmenden zur Nachhaltigkeit ihrer Projekte gesammelt: Früher habe es regelmäßige Treffen in der Jugendmedienarbeit gegeben, z. B. in Redaktionsgruppen. Die Redaktionsgruppen haben jedoch konstant an Teilnehmenden bzw. an konstant bleibenden Teilnehmenden verloren. Jugendliche kommen allgemein nicht mehr regelmäßig zu Jugendtreffen, es mussten auch schon Projekte aufgegeben werden, weil nicht (mehr) genug Jugendliche kamen. Hauptgrund dafür sei, dass der Alltag der Jugendlichen heute sehr stark durchgetaktet ist, durch Schule, Kurse, Sportaktivitäten etc., so dass für andere Dinge oft keine Zeit mehr sei. Es gehe daher oft nur noch aktionsmäßig: Zum Beispiel kleine Impulsaktionen bis zu zwei Stunden. Auch Tagesaktionen oder intensive Projektwochen kommen sehr gut an. Eine andere Möglichkeit wäre, offene Angebote zu gestalten, bei denen jeweils immer wieder neu entschieden werden kann, ob man teilnehmen möchte oder nicht. Hierfür müssen dann voneinander unabhängige kleine Einheiten konzipiert und vorbereitet werden. Entsprechend des Trends des „Durchgetaktet-Seins“ wären aber z. B. einwöchige Ferienangebote stärker nachgefragt als früher, auch würden sie verbindlicher genutzt. Im Rahmen einer einwöchigen Projektwoche in den Ferien lassen sich Themen natürlich viel nachhaltiger bearbeiten. Insgesamt komme die Projektarbeit in den Jugendeinrichtungen besser an als die in den Schulen, da die Motivation hier viel höher sei: Die Jugendlichen sind dabei, weil sie dabei sein wollen, und nicht müssen. Selbst wenn ein Projekt als Schulprojekt geplant ist, waren sich die Teilnehmenden des Workshops einig, dass die Schule nach Möglichkeit nicht der Ausrichtungsort des Projektes sein soll.Die Schüler verhalten sich dort anders, es ist schwer schulische Strukturen aufzubrechen. Zudem ist es störend, wenn Pausen nicht frei und nach Bedarf passend gemacht werden können, sondern durch eine Schulglocke vorgegeben werden. Das bremst die Arbeit mitunter enorm.

Apps, Smartphone und Tablets oder „normale“ Aufnahmegeräte, Anspruch und Wirklichkeit

Müssen Medienprojekte heute zwangsläufig hip sein, weil auch die Jugendlichen hip sind? Muss man der steigenden Erwartungshaltung in Punkto cooler Geräte; leichter, schneller Bedienbarkeit digitaler Medien, ohne sich viel einarbeiten zu müssen und schicker Produkte, die automatisch erwartet werden, entgegenzukommen – oder erwächst daraus eine Fastfood-Pädagogik? Ist es nicht doch besser, Kinder vielleicht auch mal zu „entschleunigen“ und sie mit „normalen“ Aufnahmegeräten arbeiten zu lassen? Die Session-Teilnehmenden sind gespalten, was das Arbeiten mit Tablets und Apps betrifft. Einige sind komplett umgeschwenkt, in Medienprojekten mit Kindern mit Tablets und Apps zu arbeiten, wofür eben die leichte Bedienbarkeit, die Multimedialität sowie der Verbreitung der Geräte spricht. Andererseits merken viele Pädagogen, dass Kinder dadurch verführt werden, schnell zu sagen „Ich kann das schon“, letztlich fehlt aber doch noch viel Wissen. Nachhaltige Wissensvermittlung könne man z. B. erreichen durch die Gestaltung von Angeboten nach dem Baukastenprinzip, aus dem sich die Jugendlichen die einzelnen Elemente herauspicken und die sie kombinieren können. Und letzten Endes kann man natürlich jedes Medienprojekt mit der realen Welt verbinden und aktuelle Themen damit bearbeiten.

Fazit: Partizipation als Lösung?

Das zentrale Diskussionsergebnis – die Jugendlichen da abzuholen, wo sie stehen – klingt erstmal nach einer Plattitüde, hat aber konkrete Auswirkungen auf die Projektplanung: Die Jugendlichen müssten bereits bei der Angebotserstellung verantwortlich miteinbezogen werden, Themen und Projektinhalte selbst überlegen und gestalten. Partizipation heißt die Zauberformel, die sowohl bei der Fördermittelbeantragung als auch beim Marketing gut ankommt. Kompakte Formate und kurze Projekte sind für sie zeitlich besser übersehbar. Für langfristig angelegte Projekte – die zunächst erst langwierig beantragt werden müssen, und dann, wenn sie starten, bereits wieder out veraltet sind, oder die Jugendlichen die Einrichtung nicht mehr besuchen, so dass am Ende die Jugendlichen fehlen, bedeutet dies, dass sie so offen formuliert sein müssen, dass Raum bleibt für die konkrete Projektausgestaltung durch die Jugendlichen selbst. Ob die nachhaltige Vermittlung von Wissen durch Medienprojekte gelingt, hängt letzten Endes vor allem von der Beziehung zu den Jugendlichen an.

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