Außenaufnahme

Ein O-Ton ist für eine Radiosendung unverzichtbar. Leider kommt der O-Ton nicht immer ins Studio. Also heißt es „Außenaufnahme!” – Und damit beginnen die Probleme. Mit jeder Schüler- oder Jugendgruppe bedeutet eine Außenaufnahme eine genaue Vorbereitung, bei einem inklusiven Medienprojekt geht ohne genaue Planung nichts. Dabei sind es nicht die Herausforderungen des Mediums, es ist schlichtweg der Weg. Besonders im Fokus: alle Rollstuhlfahrer und Teilnehmer mit Gehhilfen.

Screenshot der Stadtwerke Oberhausen mit den Angeboten zur Mobilität

Die Stadtwerke Oberhausen – Mobilität ist ihr Ziel

Die beste Möglichkeit ist, Fahrtwege mit privaten Fahrzeugen zu bewältigen. Nicht vergessen bei minderjährigen Teilnehmern: Die Eltern sollten schriftlich solchen Fahrten zugestimmt haben. Ist ein Elektro-Rollstuhl dabei, fallen normale private PKWs aus. Hier braucht man Hebebühnen, Gurte, um die Rollstühle zu fixieren und jemanden, der ein solches Fahrzeug fahren kann. Als Praxis-Tipp kann man hier nur empfehlen, vor Ort nachzufragen. Gibt es eine Einrichtung der Lebenshilfe, des Deutschen Roten Kreuzes, der Arbeiterwohlfahrt – also irgendeine Einrichtung, die auf die Bedürfnisse Behinderter eingestellt ist und solche Fahrzeuge vorhält. Zwar fallen hier Mietgebühren an, aber man ist mobil. Hier in Oberhausen zum Beispiel gibt es nicht nur die Lebenshilfe. Über eine Tochtergesellschaft der Stadt, kann ein Kleinbus gemietet werden, der speziell für Aktivitäten im Kinder- und Jugendbereich angeschafft wurde.

Und was ist mit dem öffentlichen Nahverkehr? – Grundsätzlich eine gute Idee. Im Einzelfall mit vielen Fallstricken ausgestattet. Innerhalb Oberhausens sind die Busse behindertengerecht. Sie werden an den Haltestellen, deren Bordsteinkante erhöht ist, abgesenkt. Über eine ausgeklappte Bodenklappe können Rollstühle problemlos in den Bus ein- und ausfahren. Die Busfahrer/–innen sind dabei gerne behilflich. Aber wenn schon ein Kinderwagen und ein Rollator im Bus sind? Genau das ist das Problem, übrigens nicht nur für Rollstuhlfahrer. Maximal zwei Kinderwagen passen in einen Bus. Sind die Plätze belegt, heißt es warten auf den nächsten Bus. Eine sichere Beförderung ist sonst nicht gewährleistet. Und das kann bei einem Außentermin schnell zu Terminschwierigkeiten führen.

So sieht es innerhalb Oberhausens aus. Bei Terminen in Duisburg oder Essen…. Straßenbahnen oder U-Bahnen sind übrigens meistens für Rollstuhlfahrer nicht nutzbar. Straßenbahnen haben oft Stufen zum Einstieg, auch in Oberhausen. U-Bahnen haben eine Kante zwischen Bahnsteig und Bahn, die nicht ohne Hilfen überwunden werden kann. Ob es solche Hilfen gibt? Klar, aber das ist eben lokal sehr verschieden.

Die Kante am Bahnsteig leitet automatisch über zu einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel: Die Bahn. Sie gibt sich vorbildlich. Die Bahn hat einen eigenen Service, der Menschen mit Handicap hilft, mobil zu sein.

Oft genug muss die Bahn sich mit Häme und Spott auseinandersetzen. Ob es um Pünktlichkeit, Klimaanlagen oder Service geht – die Bahn hat viele Kritiker. In Fragen der Barrierefreiheit hat sie auch Lob verdient. War es vor 20 Jahren noch üblich, Rollstuhlfahrer im Gepäckwagen zu befördern, ist die Bahn heute bemüht, auch Menschen mit Handicap angemessen zu ihren Zielen zu bringen.

Screenshot der Bahn Website Service Handicap

Die Bahn – der Online-Service

Planung ist hierbei jedoch nötig. So muss man sich mindestens einen Tag vorher bei den entsprechenden Ansprechpartnern der Bahn melden, um einen Transport von Rollstühlen zu gewährleisten. Dort sollte man wissen, welcher Bahnhof, welchem Handicap entspricht. Besser ist es, man kennt die örtlichen Gegebenheiten. Dabei muss man Umwege in Kauf nehmen. Der Messe-Bahnhof Köln-Deutz ist nur eingeschränkt rollstuhltauglich. Nur das Gleis mit dem S-Bahn Anschluss hat einen Aufzug. Alle anderen Bahnsteige, an denen auch die Regionalzüge halten, haben das nicht. Also geht die Fahrt über Köln Hauptbahnhof und zurück nach Deutz mit der S-Bahn. Eine körperliche Anstrengung, nicht nur für die Rollsthuhlfaher, auch für ihre Begleiter.

Aber auch die Fahrt hat so ihre Tücken. Denn der Rollstuhl steht in dem Wagon, in dem auch die Radfahrer stehen, oder genauer ihre Räder. So findet sich mancher schnell zwischen Klingeln und Bremsgriffen wieder.

Trotzdem bleibt die Bahn ein zuverlässiger Ansprechpartner. Hier erfährt man auch die Konditionen der Beförderung.

Was bisher hier keine Beachtung fand, ist ein ganz anderer Aspekt. Wer mit Behinderten unterwegs ist, egal um welche Behinderung es sich handelt, muss mit den Blicken aller Anderen rechnen. Und es gibt nicht nur neugierige Blicke. Offen gezeigte Ablehnung oder gar Beleidigungen sind keine Ausnahme. Hier hilft nur die Ruhe zu bewahren und den Schaffner zur Hilfe zu holen, im Zweifelsfall auch die Polizei.

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