3. Coaching: Inklusives Radioprojekt in Hamm – Ein Bericht von Selma Brand

Mädche mit Mikrofon interviewt  Jungen mit Down SyndromIm Dezember 2015 fand beim vkm Hamm e.V. (Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Hamm e.V.. ) ein inklusiver Radioworkshop statt. Der Workshop war Teil des Coachings im Rahmen des aktuellen Projekts NIMM! 3.0: Inklusions-Scout Selma Brand berät dabei Projekte und Einrichtungen bei der Durchführung eines inklusiven Medienprojekts, die bislang keine oder wenig Erfahrungen damit haben. Alle Infos zum Coaching gibt es hier.

Junge Menschen mit und ohne Behinderung sitzen zusammen um einen TischDie teilnehmenden Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung haben gemeinsam eine Radiosendung produziert. Angeleitet sowie mit Tipps und Tricks ausgestattet wurden sie hierbei vom Medienpädagogen Norbert Tillmann, der bereits viel Erfahrung in der medienpädagogischen Radiopraxis besitzt. Außerdem begleiteten zwei Mitarbeiterinnen des vkm Hamm e.V. das Projekt.

Medienpädagoge Norbert Tillmann erklärt einem Teilnehmer die RadiotechnikNach einer Einführung in das Thema und einer kleinen Vorstellungsrunde durften die 10 Teilnehmenden direkt die professionelle Radiotechnik kennenlernen und ausprobieren. Sie übten die richtige Handhabung des Rekorders sowie die richtige Fragestellung beim Interviewen.

Mädchen mit Mikrofon und AufnahmegerätIn einer weiteren Einheit teilte sich die Gruppe und produzierte zwei Umfragen und ein Interview. Für die Umfrage über das warme Wetter im Dezember mussten in der Innenstadt auskunftsfreudige Passanten gefunden werden, diese wurden dann von der 7-jährigen Marian angesprochen, die diese Aufgabe mit Selbstbewusstsein gemeistert hat und mehr als 10 Leute vor das Mikrofon bekam. Später sagt sie, dass ihr alles am Tag gefallen habe, nur war es am Anfang komisch die eigene Stimme zu hören. „Das sie so anders klingt, als ich es kenne liegt daran, dass man seine eigene Stimme auch im Kopf hört. Das hat Norbert uns erklärt.“

Junge mit Kopfhörer (Hinteransicht) bedient Schnittprogramm am LaptopWährend der Einheit „Schnitt“ erklärt der 16-jährige Alexander, der noch nie zuvor geschnitten hat: „Es ist gar nicht so schwer die ganze Technik zu verstehen, vielleicht liegt das daran, dass wir alle Handy haben und sich manche Dinge da ähnlich sind. Ich möchte auf jeden Fall auch nach dem Projekt noch weiter Radio machen.“

Frau Conrad, Mitarbeiterin des vkm Hamm e.V. erklärt in einer ruhigen Minute, dass sie froh über das Radioprojekt ist. „Jeder macht mit, alle arbeiten an dem, was sie können. Das ist eine Bereicherung für die ganze Gruppe und für uns als Pädagogen toll zu sehen.“ Sie findet es wichtig, dass auch die rechtlichen Aspekte geklärt werden, denn die Jugendlichen müssen lernen, dass nicht alles, was geht, auch erlaubt ist. Außerdem sollen die Teilnehmenden darüber nachdenken, bevor sie etwas – schnell mit dem Handy Gefilmtes – ins Internet stellen. Da knüpft Norbert Tillmann an und zeigt, wie man z. B. Knacker herausschneiden und die Lautstärke nachregeln und man anschließend stolz ein „sauberes“ Endprodukt präsentieren kann.

Junge Frau mit Talker und Junge mit Kopfhörer am LaptopBevor die Moderationen aufgenommen wurden, hörte sich die ganze Gruppe das bisherige Ergebnis an. Es gab Riesenapplaus, auch für das Interview, in dem Justin Alisha über deren Leben und Hobbies interviewte. Das Besondere: Alisha erzählt mit Hilfe eines Talkers, eines Sprachausgabegeräts, den sie mit den Augen steuert. Mit diesen Talker kann sie nicht nur sprechen, sondern auch ihre Lieblingsmusik anmachen, erzählt sie. Natürlich soll sie das zeigen und ein paar Sekunden später lauft „Lieblingsmensch“ über den Lautsprecher, das ganze Radioteam singt laut im Chor mit.

Nach der letzten Einheit bekommen alle Teilnehmenden eine CD mit der Sendung und wenn alles gut geht, wird die komplette Sendung auch bald im Bürgerfunk der Lippewelle Hamm zu hören sein. Zum Ende ist auch Medienpädagoge Norbert Tillmann begeistert: „Der inklusive Charakter einer solchen Gruppe bereichert spürbar die Radioarbeit. Es ist toll zu sehen wie die Jugendlichen mit so unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam ein beachtliches Produkt erstellen.“

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